Schlagwort-Archiv: Rhetorik

Dreierfigur – ein magisches Stilmittel

Was ist eine Dreierfigur? Wie wirkt sie? Und wie baut man sie?

Gut, besser, Gösser - eine wirklich gelungene Dreierfigur.Soeben haben wir ein Youtube-Video zur wunderbaren Ukraine-Rede von Arnold Schwarzenegger an das russische Volk abgeschlossen. Darin zeigen wir, dass seine Ansprache so berührt, weil er sich viel Zeit nimmt, um eine Beziehung zur Zielgruppe aufzubauen, gekonnt Storytelling einsetzt und einige rhetorische Stilmittel einbaut. Eines davon, die Dreierfigur, haben wir in Schwarzeneggers Ansprache gleich sieben Mal gefunden. Was ist und was kann dieses Stilmittel, dass es so einen prominenten Platz einnimmt?

Ein Wort, ein Satzteil, ein Satz

Trikolon leitet sich aus den altgriechischen Wörtern tri und kolon ab. Ersteres heißt, wenig überraschend, drei, zweiteres ist eine semantische und rhythmische Einheit. Ein Kolon kann aus einem einzigen Wort, aus mehreren Wörtern oder auch aus einem ganzen Satz bestehen; dementsprechend sind manche Dreierfiguren kurz (Schwarzenegger: „Your lives, your limbs, your futures“), andere recht lang (Schwarzenegger: „You are my new heroes. You have the strength of Yuri Petrovich Vlasov. You have the true heart of Russia.“)

Wenn Sie die beiden Beispiele in den Klammern laut lesen, werden sie die Magie dieses Stilmittels sofort spüren. Da fehlt nichts, mit drei Elementen ist, richtig gesetzt, alles gesagt. Das ist keine neue Erkenntnis. Drei ist von alters her und in vielen Kulturen eine besondere Zahl, die das Abgerundete, Perfekte oft auch Göttliche symbolisiert. Denken wir im Christentum an die Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und heiligem Geist oder die heiligen drei Könige, im Hinduismus dreht sich alles um die drei Götter Brahma, Vishnu und Shiva, bei den alten Griechen hatten die Götter Zeus, Poseidon und Hades das Sagen und Feen gewähren üblicherweise drei Wünsche – um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Eins, zwei, drei – die Zahl der Elemente

Während ein Element in einem Satz üblicherweise Kraft und Klarheit vermittelt – Ich habe einen Traum, Just do it, Nein – und zwei Elemente für Vergleich und Kontrast stehen – Hänsel und Gretel, Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus, Have a break, have a Kit Kat. –,  vermittelt die Zahl Drei Vollständigkeit und Vollkommenheit. Verliebt, verlobt, verheiratet, Ich kam, ich sah, ich siegte. oder Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gehen ins Ohr und sind auf rhythmische Art einprägsam.

Gekreuzigt, gestorben und begraben

Dem Rhythmus der Dreierfigur wohnt eine Magie inne, der wir in vielen Gebeten und Sprüchen begegnen, etwa im Glaubensbekenntnis: „ empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus“ heißt es da und gleich weiter: „gekreuzigt, gestorben und begraben“. Das ganze Glaubensbekenntnis ist eine einzige Aneinanderreihung von Dreierfiguren.  Wer es weltlicher und doch magisch mag: Bei Harry Potter lernen wir, was es zum Apparieren, für einen magischen Ortswechsel, braucht: „Ziel, Wille, Bedacht“. Und noch zwei ganz und gar säkulare Beispiele aus der Werbung: Rittersport-Schokolade warb einst mit „quadratisch, praktisch, gut“ und ein österreichischer Bierhersteller setzte sein Produkt gar an die Stelle des Superlativs: „Gut, besser, Gösser“.

Wenn Sie also Texte schreiben oder eine Rede vorbereiten, dann setzen Sie das Trikolon bewusst ein: dort, wo es gut klingen soll, vor allem aber dort, wo Sie ein wenig Magie erzeugen möchten. So, wie es Schwarzenegger tut, wenn er fast am Ende seiner Rede drei Sätze an Präsident Putin richtet: „You started this war. You are leading this war. You can stop this war.“

Hier noch einmal der Link zu unserem Video.

Wenn Sie mehr solche Tipps suchen, dann ist vielleicht eines unserer Seminare etwas für Sie.

Fünf, äh, Tipps gegen, ähm, Verzögerungslaute

Wenn Laute wie „ahm“, „äh“ oder „hm“ geballt auftreten, werden sie lästig – manchmal für die Sprecher/innen, immer für die Zuhörer/innen. Die gute Nachricht: Man kann etwas dagegen tun.

Die sechste Schulstunde, die Zeiger der Klassenuhr scheinen festzukleben, der Lehrer hält einen Monolog, niemand hört zu – und doch scheinen ein paar Kinder mitzuschreiben. Aber es sieht nur so aus, tatsächlich achten Sie auf die „Ähms“ der Lehrkraft und tragen sie als Stricherl in eine Liste ein. Hatten Sie auch so eine Liste?

Diskurspartikel wie „äh“ oder „ahm“ werden Füll- oder Verzögerungslaute genannt. Wir fügen sie ein, während wir unsere Gedanken ordnen oder das nächste Wort suchen. Sie haben keine lexikalische Bedeutung und in Wahrheit auch gar keine richtige Funktion – für den Zuhörer. Tatsächlich wirkt zum Beispiel eine Vortragende, die zu viele bedeutungslose Silben in ihre Rede oder Präsentation streut, schnell unprofessionell, unkonzentriert und unsicher. Wer will das schon?

Mut zur Pause
Wenn die bedeutungslosen Einsilber keine andere Funktion haben, als Ihnen eine kleine Denkpause zu gönnen, dann lautet die Lösung: Denken Sie ruhig, aber halten Sie den Mund dabei. Die Zuhörer/innen werden es Ihnen danken.

Dazu ist es notwendig, sich der eigenen „Ähs“ zunächst bei einem zwanglosen Gespräch oder einem Routine-Vortrag bewusst zu werden. Wählen Sie dazu aber auf keinen Fall einen bedeutenden Auftritt. Denn nicht selten bündelt die Konzentration auf die „Ähs“ die gesamte Aufmerksamkeit und die fehlt dann für den Inhalt. Sie können natürlich auch jemanden bitten, auf Ihre Verzögerungslaute zu achtet oder, oft grausam, Sie nehmen Ihren Vortrag, z. B. mit dem Handy, auf.

Probieren Sie nun mit diesen fünf Tricks die Laute loszulassen:

  1. Machen Sie immer wieder kurze Pausen und halten Sie diese aus. Atmen Sie tief ein und aus, denken Sie und seien Sie sich bewusst, dass die Pause Ihnen selbst viel länger vorkommt als jenen, die zuhören. Sie kennen die Inhalte, Ihre Zuhörenden nicht, gönnen Sie ihnen doch die Pausen, um das Gehörte zu verdauen.
  2. Reden Sie langsamer. Viele Vortragende sprechen zu schnell, nur wenige zu langsam. Schenken Sie sich mit dem Senken des Sprechtempos Zeit, um nach den nächsten Worten zu suchen.
  3. Senken Sie am Ende jedes Satzes die Stimme. „Ein Satz – eine Aussage“ lautet eine alte Gliederungsregel; wenn Sie mit der Stimme das Ende eines Satzes markieren, helfen Sie sich und dem Publikum sich zu orientieren.
  4. Machen Sie kürzerer Sätze. Wer Satzlabyrinthe aufbaut, braucht natürlich Zeit, um wieder heraus zu finden.
  5. Stressen Sie sich nicht. Jede/r kann die seltsamen Laute aus seiner Präsentation verbannen, aber das funktioniert nicht von heute auf morgen. Und: Ein „äh“ ab und zu zerstört Ihre Präsentation noch lange nicht.

Wenn Sie das mit Profis ausprobieren oder noch viel mehr Tipps zum Thema Präsentation bekommen möchten, besuchen Sie doch eines unserer Seminare zu Moderation und Präsentation.

Newsletter abonnieren