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Systemisches Konsensieren: Widerstände aufzeigen

Systemisches Konsensieren (SK) ist eine Bewertungsart, bei der alle Beteiligten wirklich gehört werden – und ein wichtiges Werkzeug im Methodenkoffer von ModeratorInnen.

Für Systemisches Konsensieren braucht es nicht unbedingt eigenes Material - es funktioniert auch mit Handzeichen.

Was haben die Fußball-WM, der Song-Contest und die Präsidentschaftswahlen gemeinsam? Genau, es gibt am Ende bei allen dreien einen Gewinner oder eine Gewinnerin. Die Wege allerdings, wie der erste Platz jeweils ermittelt wird, könnten unterschiedlicher kaum sein. Tatsächlich kennen wir noch viel mehr Möglichkeiten zu ermitteln, wer gesiegt hat. Sie haben alle ihre Vor- und Nachteile.

Gruppen oder Teams, die zwischen mehreren Möglichkeiten wählen können, tun das meist mittels Mehrheitsentscheidung. Das geht schnell und ist unkompliziert, kann aber bedeuten, dass bis zu 49 Prozent komplett unter die Räder kommen und etwas mittragen müssen, was für sie gar nicht passt. Was werden sie tun? Wenn es wirklich wichtig ist, wenn ihre Widerstände allzu groß sind, werden sie nicht nur die Entscheidung, sondern das ganze System bekämpfen.

Widerstände abfragen

Wie wäre es nun, wenn ein Bewertungssystem stattdessen die Lösung mit den geringsten Widerstände und Konflikte fände? Mit dem Prinzip des Systemischen Konsensierens, das die beiden Grazer Erich Visotschnig und Siegfried Schrotta ab den 1970er-Jahren entwickelt haben, ist genau das möglich.

Die Methode funktioniert nicht nach dem Minderheiten ausschließenden Mehrheitsprinzip und fragt nicht nach den Favoriten, sondern nach Widerständen. Die so gefundenen Lösungen sind somit nachhaltiger und tragfähiger.

Wie funktioniert nun diese Wunder-Methode?

Eine Gruppe sucht eine Lösung für ein Problem oder muss eine Entscheidung für einen Kandidaten aus mehreren Bewerbungen treffen. Der/die Moderierende sammelt verschiedene Vorschläge und listet sie auf, idealerweise mindestens drei. Dazu kommt die sogenannte Passivlösung (PL). Das ist jene Variante, bei der der Status quo erhalten bleibt, es passiert also nichts oder so, wie es immer geschehen ist, z. B. entscheidet eine andere zuständige Instanz.

Erhobene Hände signalisieren Widerstände

Nun werden Idee für Idee oder Kandidatin für Kandidat die Widerstände abgefragt, auch für die Passivlösung. Beim vereinfachten Konsensieren via Handzeichen gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Beide Hände am Schoss (oder über der Brust gekreuzt) bedeutet kein Widerstand,
  2. eine erhobene Hand etwas Widerstand,
  3. beide erhobenen Hände großen Widerstand.

Der/die Moderator/in zählt alle Hände zusammen und errechnet den Gesamtwiderstand. Jene Idee oder jene/r Kandidat/in mit dem geringsten Widerstand hat zugleich die höchste Akzeptanz. Wichtig: Sie muss niedriger sein als die Passivlösung, weil ja sonst der Status quo besser wäre.

Kommt es zu Gleichstand oder beinhaltet die Siegeridee auch vereinzelt hohen Widerstand, empfiehlt sich eine Diskussionsrunde, bei der Lösungen gefunden werden, um die Ideen zu verbessern und so den Widerstand zu senken. Danach kann man noch einmal die Widerstände abfragen. Der Vorteil dieser Methode ist nämlich auch, dass Ideenbringer/innen alles versuchen werden, ihre Ideen anzupassen, das führt eher zu einem Interessensausgleich als zu einem Überstimmen.

Neben dieser Kurzvariante arbeiten ausgebildete Moderator/innen auch mit elaborierteren Formen – etwa mit Zählkarten von 1 bis 10 oder einer App.

Ich (Roman Kellner) habe selbst vor einigen Jahren die Ausbildung zum SK-Moderator gemacht und greife seither immer wieder auf diese integrative Methode zurück, sie führt auch bei scheinbar aussichtslosen Gruppenentscheidungen zu akzeptierten Lösungen. Denn, so Siegfried Schrott: „Beim Konsensieren zählt die Qualität des Vorschlags aus der Sicht der ganzen Gruppe. Das SK-Prinzip ist also ein Weg zum größtmöglichen Interessensausgleich und gelebter Solidarität.“

Literaturauswahl:

Paulus, Georg/Schrotta, Siegfried/Visotschnig, Erich: Systemisches Konsensieren. Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg, Holzkirchen 2013.

Visotschnig, Erich: Nicht über unsere Köpfe. Wie ein neues Wahlsystem unsere Demokratie retten könnte, München 2018.

Mehr Informationen:

http://www.sk-prinzip.eu/

Mehr über solche Methoden und unsere Angebote rund ums Moderieren finden Sie unter Moderation & Präsentation.

Präsentieren in Zeiten von Viren

Online ohne Stolperstein –
10 Tipps für die Praxis zum online Präsentieren

Online präsentieren - das ist mehr als hinterm Bildschirm in ein Mikro zu reden!Unlängst besuchte ich ein Online-Training – und konnte aus der Perspektive der Teilnehmerin viel lernen. Die Kamera war gut eingestellt, der Bildhintergrund ruhig, die Tonqualität hervorragend. Die Bedingungen für das Webinar schienen trainerseitig ausgezeichnet. Aber was war das für ein leicht pfeifendes Geräusch in meinem Ohr? Konnte es sein, dass der Moderator schnaubte wie ein – ja, es liegt nahe – Babyelefant?

Ja, er war außer Atem. Mit kurzen, lauten, unrhythmischen Luftzügen presste er die Anfangssätze ins Mikrofon. Es war ein gutes Mikrofon. Und ich hatte ordentliche Kopfhörer. Ich konnte gar nicht anders, ich wartete ständig auf den nächsten Atemzug und fragte mich, was den guten Mann so außer Atem gebracht haben könnte. War er einfach aufgeregt? War er zu knapp gekommen? Hatte er vielleicht den Übertragungsraum nicht gefunden und war zu schnell die Treppen hochgerannt? Wollte er den Aufzug wegen Corona nicht benutzen und hatte die Anzahl der Stockwerke unterschätzt? Litt er an einer Atemwegserkrankung? Was mochte das in Zeiten von Corona wohl für ihn bedeuten?

Und schwupp, hatte ich die gesamte Einführung verpasst und war ausgestiegen, nein, eigentlich war ich nie wirklich ins Thema reingekommen, weil ich von Beginn an abgelenkt gewesen war. Durch ein winziges Detail! Wie schade.

Aber war es nur ein winziges Detail?

Für das Online-Präsentieren ist fast alles wichtig, was in Präsenz wichtig ist. Und noch ein bisschen mehr.

Wenn wir online präsentieren, gilt fast alles, was auch in Präsenz wichtig ist. Allerdings müssen zusätzlich die technischen Voraussetzungen stimmen – und uns muss klar sein, dass unsere Ausdrucksfähigkeit reduziert wird: Vieles, was wir körpersprachlich kommunizieren, fällt weg. Wenn man körperlich nicht präsent ist, liegt der Fokus viel stärker auf der Stimme. Manchmal ein Segen, oft ein Fluch. Denn wenn der Babyelefant mal ins Ohr der Teilnehmenden geschnaubt hat, ist die Konzentration auf die Inhalte schwer. Im konkreten Fall hätte ein kurzer Satz, warum der Experte außer Atem ist, geholfen, um die Aufmerksamkeit einmal kurz bewusst auf den Störfaktor zu lenken, um dann zum Thema zu schwenken.

Müssen Sie auch online präsentieren? Dann haben wir hier zehn Tipps für Sie:
  1. Machen Sie sich mit der Plattform, über die Sie präsentieren, vertraut. Testen Sie die Technik. Die Kamera sollte in Augenhöhe sein, das Mikro gut funktionsfähig, der Raum nicht zu hallend. Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung – von vorne.
  2. Haben Sie vielleicht die Möglichkeit, eine zweite Person um Hilfe zu bitten? Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn Sie sich schlecht mit der Technik auskennen oder viele Änderungen während Ihrer Präsentation vornehmen.
  3. Bereiten Sie sich so vor, wie Sie es in Präsenz tun würden. Wählen Sie auch Kleidung (oder Make-up) entsprechend und präsentieren Sie nicht in der Pyjamahose, weil man die vielleicht nicht sieht. Auch Kleidung wirkt auf Ihre Präsenz am Bildschirm.
  4. Wählen Sie einen ruhigen/neutralen Hintergrund.
  5. Sie können auch im Stehen über Webcam präsentieren. Achten Sie auch hier auf die Einstellung. Wenn Sie sitzen, nehmen Sie eine aufrechte Haltung ein, Ihre Hände müssen zu sehen sein. Denn diese brauchen Sie für eine lebendige Körpersprache.
  6. Stimmen Sie sich gut ein – eine geschmeidige Stimme ist das Um und Auf bei einer Online-Präsentation. Schrille Stimmen, laute Atemgeräusche, viele Ähms und Ahms oder ständiges Räuspern sind übertragen unangenehmer als in Präsenz. Ein Glas Wasser in Reichweite kann helfen.
  7. Nehmen Sie, wenn möglich, Kontakt zu den anderen auf, indem Sie sie ansprechen und in Ihren Vortrag einbinden.
  8. Reden Sie laaaangsaaam! Bei technischen Verzögerungen sind Sie so besser zu verstehen. Und machen Sie … Pausen. Die wirken nämlich.
  9. Präsentieren Sie nicht Textfolie nach Textfolie. Niemand will stundenlang auf ein gemeinsames Dokument am Bildschirm starren, sorgen Sie für Abwechslung. Es gibt Bilder, Videos und Anschauungsmaterial, das man in die Kamera halten kann.
  10. Bleiben Sie authentisch. Die Menschen hinter dem Bildschirm sind genauso real wie Sie.

 

Möchten Sie sich konkret auf eine Präsentation – sei es in Präsenz oder online – vorbereiten?

Dann besuchen Sie doch eines unserer Seminare oder Webinare. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite Moderation & Präsentation. 
Gern unterstützen wir sie auch mit einem Coaching – virtuell oder in Präsenz.
Melden Sie sich
dazu einfach bei uns.

Schluss mit dem Redefluss – Dauerredner stoppen

Dauerredner/innen gehören zu den häufigsten Störungen in einer Veranstaltung. Was kann man als Moderator/in tun? Wie stoppt man sie? Und wie macht man es, ohne unhöflich zu wirken?

Vor einigen Jahren hielten wir ein Moderationsseminar für Zweigstellen-Leiter/innen einer großen Bildungsinstitution. Einer davon stand kurz vor seiner Pensionierung – und fiel uns gleich zu Beginn auf, weil er, kaum hatte er das Wort ergriffen, nicht mehr zu stoppen war. In der Pause meinten die anderen Teilnehmenden, uns trösten zu müssen: „Der ist immer so.“ „Der hört nie auf.“ „Der ist schwierig, den könnt ihr nicht einbremsen.“

Challenge accepted!
In der Pause dachten wir darüber nach, was die Gründe für den anhaltenden Redeschwall sein könnten, und legten uns ein paar Strategien zurecht, um den Dauerredner zu stoppen. Und siehe da, es gelang. Er zeigte sich von da an den ganzen Tag über von seiner konstruktivsten Seite.

Wie hatten wir das hinbekommen?

Rollenklarheit

Wer moderiert, muss wissen, was seine Rolle und seine Aufgaben sind. Moderatoren/Moderatorinnen sorgen für Klarheit für alle, sie strukturieren die Kommunikation im Sinne des Ziels. Diesem und allen Teilnehmenden sind sie gleichermaßen verbunden – das schließt einen Dauerredner mit ein, heißt aber auch, dass man ihn unter Hinweis auf das gemeinsame Ziel und die begrenzte Zeit unterbrechen darf. Wer das weiß und es eventuell vorher schon, z. B. als Grundregel für das gemeinsame Arbeiten, ausgesprochen hat, kann leichter eingreifen.

Was braucht der Dauerredner, was braucht die Gruppe?

Dauerredner/innen finden nicht aus Bosheit kein Ende. Vielleicht sind sie frustriert oder verärgert, sehen den Sinn einer Maßnahme nicht, haben Angst vor Veränderung oder das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden.

Uns vor Augen zu führen, dass hinter jeder Störung eine Ursache mit einem spezifischen Bedürfnis liegt, hilft uns beim Moderieren. Andererseits gibt es uns Sicherheit zu wissen, dass wir im Sinne der Gruppe aktiv werden (müssen), weil wir allen gleichermaßen verpflichtet sind. Wenn Sie beim Moderieren in diese Situation kommen, müssen Sie also handeln.

Unterbrechen und anknüpfen

Erst einmal müssen Sie zu Wort kommen. Dazu können Sie z. B. auf eine Atempause warten (und sei sie noch so kurz) und dann beherzt übernehmen. „An dieser Stelle muss ich Sie leider unterbrechen, weil …“, „Vielen Dank, Herr X, das ist spannend und detailliert, sprengt aber unseren Rahmen.“ Es hilft, wenn Sie dazu aufstehen oder zumindest eine klare Geste setzen.

Sie müssen unterbrechen wollen. Und im Sinne des Prozesses dürfen Sie das auch! Viele Moderierende glauben, dass sie unhöflich sind, wenn sie unterbrechen. Wer das für die anderen – höflich und bestimmt – tut, macht es aber richtig.

Wenn Sie am Wort sind, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Auf das Ziel verweisen und wieder zum Thema zurückführen.
  • Paraphrasieren: Fassen Sie zusammen, was Sie gehört haben. „Ich habe jetzt gehört, dass Ihnen … wichtig ist/dass die wichtigste Maßnahme YZ wäre …“ „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie finden, Z wäre eine gute Lösung?“ Wenn die Person korrigieren möchte, was Sie zusammengefasst haben, stellen Sie möglichst konkrete Fragen, oft sind W-Fragen hilfreich (Was genau war da anders? Wo könnte man das einsetzen?).
  • Stellen Sie Fragen und achten Sie darauf, dass sie klar und eingegrenzt sind. „Wenn Sie jetzt auf das gemeinsame Ziel schauen, könnten Sie Ihre Empfehlung in einem Wort/einem Satz zusammenfassen?“ „Ich schreibe die Inputs jetzt auf das Flipchart – was schreibe ich auf?“ „Hier sind wir schon sehr detailliert unterwegs – können Sie das Wesentliche in einen einzigen Satz packen?“
  • Versuchen Sie, das ungestillte Bedürfnis der Person hinter der Dauerrede herauszuhören. Das bedeutet: Vielleicht ist hinter dem Redeschwall eine andere Melodie zu hören – eine traurige vielleicht, eine enttäuschte, eine wütende. Vielleicht bringen Sie diese Melodie, indem sie sie aufgreifen, sogar mit gemeinsamen Zielen in Einklang.

In jedem Fall: Geben Sie der Person das Gefühl, gehört worden zu sein. Meist haben Menschen die Strategie des Dauerredens entwickelt, weil sie Wertschätzung, z. B. für vergangene Leistungen, oder Sinn, z. B. einer Maßnahme, vermissen.

Um zu unserem Beispiel zurückzukehren:
Der Mann stand kurz vor seiner Pension. Er schaute auf eine Institution, die einst florierte und der nun Förderungen und damit Standorte gestrichen wurden. Das kam uns in der Pause in den Sinn – und wir konnten mitfühlen, dass das nicht leicht für ihn war. Deshalb wiesen wir nachher vor allen darauf hin, dass wir hier eine Person mit dabeihätten, von deren jahrzehntelanger Erfahrung alle in der Gruppe profitieren könnten. Wir forderten ihn auf, den Jungen möglichst klar alles Wichtige für die Weiterführung der Institution mitzugeben – aufgrund seiner Erfahrung; und wir baten ihn zu einigen Themen um ganz konkrete Inputs.

Es funktionierte – und am Ende waren alle glücklich: die Moderierenden, die anderen Teilnehmenden – und der Dauerredner selbst.

Viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren Seminaren zu  Moderation und Präsentation.

PowerPoint – weder Power noch am Punkt

Warum Sie nur in Ausnahmefällen zu PowerPoint greifen sollten

Der Referent tastet den Computer hektisch nach einem USB-Eingang ab. „Herzlich willkommen“, murmelt er, „ich muss meine Präsentation nur noch schnell einrichten.“ Er merkt gar nicht, dass er Präsentation als Synonym für Power Point verwendet. So als hätte vor den Jahren 1987 bzw. 1990, als die ersten Versionen für Macintosh und Windows 3.0 auf den Markt kamen, niemand etwas präsentiert. Und es stimmt ja, die praktische Software ist allerorts präsent, ist aus Hörsälen und Meetingräumen kaum mehr wegzudenken.

Doch das ist schade. Denn so praktisch PowerPoint auch sein mag, so viel macht es kaputt. Als Instrument der Visualisierung gedacht, bewirkt es doch oft das Gegenteil: Statt die Aufmerksamkeit zu wecken und zu halten, versetzen uns die Ankündigung, Folien zu zeigen, und das gedämpfte Licht in einen komatösen Zustand. Die referierende Person gibt den Fokus ab, lenkt das Auge von sich zur Wand und verzichtet auf die so wichtigen Kommunikationskanäle Gestik und Mimik.

Natürlich kann man alles richtig machen und mit Maß und Ziel das Gesagte elektronisch unterstreichen – doch wie oft haben wir das Gegenteil erlebt? Wer kennt nicht die Entschuldigungen für die zu kleine Schrift oder die Textmassen an der Wand? Wer ist nicht schon geistig weggedriftet angesichts einer Wort für Wort abgelesenen Präsentation oder einer weit offenen Schwere zwischen dem Gezeigten und dem Gesagten.

PowerPoint als Erinnerungsstütze?

Der Grund, warum so viele Referenten und Referentinnen auf PowerPoint setzen, ist, dass sie selber es als Stütze (miss)brauchen. Sie können sich daran orientieren, es hilft gegen die Angst vor der eigenen Schwäche als Präsentator/in. Aber genau das führt dazu, dass wir uns abhängig machen und nur mehr ablesen, wodurch jede Spannung verloren geht.

Präsentieren heißt, als Person vor Menschen zu stehen oder zu sitzen. Dabei werden wir gesehen und gehört, wir können die Zuhörer und Zuhörerinnen beobachten und mit ihnen interagieren, wir können den Raum nutzen und auf Situationen reagieren. Manchmal passt auch eine PowerPoint-Präsentation dazu. Wenn wir uns aber nur hinter ihr verstecken, dann lassen wir sie besser weg.

  • ZEHN TIPPS für die schlechteste PowerPoint-Präsentation finden Sie hier.
  • Wenn Sie ihr Auftreten und ihre Präsentationstechniken verbessern wollen, sind unsere Angebote zu Moderation und Präsentation etwas für Sie.

Die Qual der Methodenwahl

Wer moderiert, kreative Prozesse steuert oder sonstwie partizipativ mit Gruppen arbeitet, dem stehen unzählige Methoden und Techniken zur Verfügung. Wie findet man die richtige Methode?

Nicht jede Methode passt für jedes Problem!Ein Besuch in der Buchhandlung des Vertrauens, eine kurze Recherche auf Google oder ein Gespräch unter Kolleg_innen beweist es immer wieder aufs Neue: Es existieren viel mehr Methoden, als ein/e einzelne/r kennen, geschweige denn einsetzen kann. Als Antwort auf diesen Berg an Möglichkeiten lockt der einfache Weg, nur auf Altbewährtes zu setzen und die Hände von allem Neuen zu lassen.

Oder aber, wir klären erst genau ab, was wir brauchen und welchen Rahmen wir bespielen, und entscheiden uns dann für die richtige Methode. Hier ein paar Tipps, wie Sie aus dem Dschungel herausfinden. Die erste Frage, die Sie sich stellen sollten ist folgende:

  • Was will ich? Oder: Was soll nach der Veranstaltung anders sein? Sollen alle Teilnehmer/innen zu Wort gekommen sein? Soll eine Entscheidung getroffen worden sein? Oder sollen möglichst viele Ideen am Tisch liegen?

Widmen Sie dieser Frage die nötige Zeit und schummeln Sie sich nicht vorbei. Erst wenn Sie wissen, wohin Sie und die Teilnehmer/innen wollen, können Sie überlegen, welche Methode Sie unterstützt, Ihr Ziel zu erreichen.

Welche Methode für welche Denkrichtung?

Bei kreativen Prozessen hilft zusätzlich die Unterscheidung in zwei Denkrichtungen, in die sich die meisten Techniken einteilen lassen.

Divergierendes Denken: Hier geht es darum, gedanklich aufzumachen, breit oder out oft the box zu denken. Der Klassiker Brainstorming gehört hier hinein, aber auch zum Beispiel die Kopfstandmethode, Imaginäres Brainstorming oder 6-3-5. Das Ziel ist, viele Ideen zu generieren und ungewöhnliche Ansätze zuzulassen. Es gilt in diesem Stadium, mutig zu sein, und Ideen (noch) nicht zu bewerten. Quantität vor Qualität.

Konvergierendes Denken: Hier werden Ideen geclustert, reduziert, bewertet, gegeneinander abgewogen und auf ihre Brauchbarkeit abgeklopft. Am Ende benötigen wir nie 100 Ideen, sondern nur die eine (beste) Lösung. In diese Phase gehören zum Beispiel E. de Bonos PMI-Technik und sämtliche Bewertungsmethoden.

Die Denkrichtung bestimmt die Methode: divergierendes oder konvergierendes Denken?Oft folgen diese beiden Phasen zeitlich aufeinander, aber das muss nicht so sein, wenn zum Beispiel ein Team zusammenkommt, um nur eine oder mehrere Ideen zu bewerten.

Wenn das nächste Mal die Verzweiflung die Begeisterung über die Vielfalt an Methoden ablöst oder wenn Sie sich gezielt auf die Suche nach der richtigen Technik machen wollen, dann klären Sie mit Hilfe der obigen Fragen, wofür sie diese brauchen.

Diese Fragen können Ihnen helfen, den Rahmen für Methoden einzugrenzen:
  • Wie viele Personen nehmen teil? Drei oder vier, sodass man noch leicht um einen Tisch sitzen und ungezwungen plaudern kann? Unter zwölf, so dass die Person am Flipchart noch eine Chance hat, alle Ideen aufzuschreiben? Oder deutlich mehr, sodass sich die Arbeit in Kleingruppen geradezu aufdrängt?
  • Wie stehen die Teilnehmer/innen zueinander? Verhindern Hierarchien oder Grabenkämpfe, dass sich alle trauen, den Mund aufzumachen? Wenn ja, ist vielleicht eine anonyme Technik, etwa eine Form des Brainwritings das Richtige.
  • Wie viel Zeit habe ich? Eine Stunde, drei Stunden oder einen Tag? Versuchen Sie nicht eine komplexe Technik, die aus mehreren Schritten besteht und vielleicht im Vorfeld einiges an Erklärungszeit benötigt, in allzu kurze Zeit durchzupeitschen.
  • Wie viel Platz habe ich? Kann ich überhaupt Kleingruppen bilden, die sich aus dem Weg gehen sollen und ausreichen Rückzugsraum benötigen?

Wenn Sie mehr über die Methoden oder die Arbeit mit Gruppen erfahren möchten, dann nützen Sie doch unsere Angebote rund um Teamwork und Kreativität oder besuchen Sie eines unserer Seminare zu Moderation und Präsentation.

Eine unserer Prämissen bei der Moderation lautet übrigens, dass die Haltung noch wichtiger ist als die einzelne Methode. Wir haben dazu auch einmal einen eigenen Blogbeitrag geschrieben.

Stellt mehr Fragen!

Goethes Gretchen und die Sphinx tun es, Hamlet und Handke, Kinder und Kant, Sokrates und Journalisten, Narren wie Rebellen: Fragen stellen und hinterfragen. Wir sollten es ihnen nachmachen.

„Eine richtige Frage stellte ich mir vor als Geschenk!“
Peter Handke, Spiel vom Fragen

Fragen bringen oft mehr als Antworten.Haben Sie schon einmal über Fragen nachgedacht? Sie sind ein selbstverständlicher Teil der Sprache, und deshalb hinterfragen wir selten, was wir da tun. Dabei können sie viel mehr als „nur“ Wissen in Erfahrung zu bringen. Sie beziehen Zuhörer/innen oder Leser/innen ein und helfen Coaching-Kund/inn/en auf die Sprünge. Briefing-Geber/innen helfen sie zu genaueren Angaben und Selbstreflexion. Sie fungieren als Türöffner oder um genauer nachzuforschen. Sie können provozieren und aufdecken.

Welche Fragen gibt es?

Wir kennen viele unterschiedliche Arten. Für Journalist/inn/en sind zum Beispiel die Fragen nach den sechs Ws (Wer, was, wann, wo, wie und warum) ein wichtiges Handwerkszeug und Interviewer/innen setzen personen-, sach- und meinungszentrierte Fragen ein. Menschen in therapeutischen oder beratenden Berufen haben es etwa mit skalierenden, zirkulären oder reflexiven Fragen zu tun. Und es gibt noch viel mehr: absurde, berechtigte, drängende, einfache, knifflige, peinliche, persönliche, unbequeme, entscheidende …
Eines haben sie fast alle gemeinsam. Sie helfen – wenn sie nicht versteckte Antworten sind – aufzumachen und Räume zu schaffen, während Antworten eher schließen und beenden. Deshalb haben Antworten tendenziell auch etwas Starres. Antworten schränken eher ein, Fragen machen auf. „Hin und wieder ist es sinnvoll, ein Fragzeichen hinter Dinge zu setzen, die wir schon lange für selbstverständlich nehmen“, riet der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell. Wer nach Veränderung trachtet, stellt Fragen. Wer einzementieren möchte, gibt ausschließlich Antworten.

Was ist eine gute Frage?

Das hängt natürlich von der Situation ab, aber mit Sicherheit ist es eine, die wertschätzend formuliert ist. Eine, die nicht drängt, die Zeit lässt, die nicht nur eine Antwort zulässt. Deshalb sind offene Fragen auch viel interessanter als geschlossene. Wenn der NS-Propagandaminister Goebbels fragt „Wollt ihr den totalen Krieg?“, so ist das keine offene Frage, es ist eine rhetorische und in der Situation auch keine, die mehrere Antworten erlaubt oder zur Reflexion anregt.

Für den Kommunikationswissenschaftler Neil Postman waren Fragen das wichtigste Denkwerkzeug des Menschen überhaupt. Wir können das aus unserer langjährigen Arbeit mit den unterschiedlichsten Formen der Kommunikation nur bestätigen: Ob schriftlich oder mündlich, ob im Kontakt mit einzelnen Menschen oder mit Gruppen, ob es um neue Ideen oder gute Gespräche geht, sie helfen weiter. Wenn irgendwo keine gestellt werden (dürfen), ist das höchst fragwürdig.

Also: Stellen Sie Fragen! Fragen Sie nach! Stellen Sie Selbstverständliches in Frage! Alles klar?

In allen unseren Seminar stellen Fragen eine wichtige Rolle.  Schauen Sie sich unser Angebot an, vielleicht ist etwas für Sie dabei.

Augenhöhe – eine Begriffsrettung

 

augenhöheWarum der Begriff Augenhöhe zwar oft missbräuchlich verwendet wird, aber alles andere als ein Mythos ist.

Es gibt ein häufig zu beobachtendes Phänomen: Journalisten oder Journalistinnen nehmen einen Begriff, verstehen ihn falsch oder stellen fest, dass er falsch verwendet wird, und diskreditieren ihn dann – erklären ihn etwa zum „Mythos“. So führte es Karin Bauer unlängst in einem Standardartikel mit dem Begriff Augenhöhe vor.

Leider greift die Autorin, wenn es darum geht, die Bedeutung des Begriffs Augenhöhe zu erfassen, auf Vergleiche zurück, die jegliche Differenzierung vermissen lassen, argumentiert polemisch und urteilt pauschal. Augenhöhe wird bei ihr mit einem naiven Konzept von Gleichheit und Hierarchielosigkeit in Verbindung gebracht. In einer differenzierten Auseinandersetzung hat der Begriff der Augenhöhe aber mit den in Karin Bauers erwähnten einfachen Lösungen, einem Wohlfühldiskurs und einer Ikea-Politik so viel gemeinsam wie ein Pfau mit einem Pfauenauge.

Ja, nicht alle, die behaupten, anderen auf Augenhöhe zu begegnen, tun das auch. Ja, gerade bei der eben angelobten Regierung sehen auch wir viele Gründe, skeptisch zu sein. Und ja: Auch in der Wirtschaft wird der Begriff mitunter missbräuchlich eingesetzt.

Haltung, nicht Mythos

In Wirklichkeit ist Augenhöhe eine innere kommunikative Haltung und – hier hat die Autorin im letzten Satz Recht – ein dauerhaftes Bemühen um einen Dialog; nicht jedoch um ein krampfhaft erzeugtes Wir, einen faulen Kompromiss oder um ein Aufweichen der eigenen Position. Im Gegenteil.

Auf Augenhöhe bedeutet, dass ich mir meines Wertes und meiner Position bewusst bin und zugleich die Fähigkeit entwickle, auch den Wert und die Position des anderen als genauso gerechtfertigt anzuerkennen wie die eigene. Das muss nicht bedeuten, meine Position aufzugeben, aber ich stelle zwei Meinungen, Personen, Ansichten gleichwertig und gleichberechtigt nebeneinander und bin daran interessiert, die Ursachen für die Meinung meines Gegenübers und seine Bedürfnisse zu sehen und anzunehmen. Dann, erst dann kann man von Augenhöhe sprechen. Mit „Ich bin einer von euch“ hat das genau nichts zu tun.

Chef und Angestellte auf Augenhöhe

Denn wenn der Chef, wie Karin Bauer schreibt, das 30-fache seiner Angestellten verdient, tut sich zwar eine unangemessene Gehaltsschere auf, es verhindert aber nicht, dass er der Mitarbeiterin zuhört, ihre Bedürfnisse wahrnimmt und ihre Interessen wahrt beziehungsweise in Entscheidungen einbezieht.

Und dass eine Vorgesetzte mit ihrem Team Gespräche auf Augenhöhe sucht, heißt auch noch lange nicht, dass sie nicht willens wäre, ihre Führungsfunktion wahrzunehmen und Entscheidungen zu treffen. Aber Kommunikation auf Augenhöhe kann die Basis für ihre Entscheidungen sein und ist ein unverzichtbares Element ethischen Führens.

Das Konzept der Augenhöhe gibt es bereits, es muss nicht aus dem Mythos oder der „Sehnsucht danach etwas Neues entstehen“ – dieses Neue ist bereits da, man muss es nur korrekt wiedergeben.

Elisabeth Gräf und Roman Kellner sind Trainer für schriftliche und mündliche Kommunikation in Wien, www.wortundweise.at

Der geeignete Seminarraum: Worte über gute Orte

Manche Räume sind eben gänzlich ungeeignet.
Manche Räume sind eben gänzlich ungeeignet.

Wie sieht der geeignete Seminarraum aus? Oder jener für Meetings und Klausuren? Ein paar Tipps für Moderatoren und Workshopleiterinnen

Ein großer, heller Raum, locker bestückt mit gemütlichen Stühlen, sorgt für angenehme Atmosphäre; zwei Flipchartständer, zwei Pinnwände und ein gut gewarteter Moderationskoffer stehen zur Unterstützung bereit; ein zweiter angrenzender Raum eröffnet die Möglichkeit, sich in Teilgruppen zu spalten; vor der Türe wartet ein kleines Buffet mit Kaffee, Obst und Keksen; vor dem Fenster lädt ein Park zu Aktivitäten im Freien ein.

Die Realität sieht oft anders aus

So etwas gibt es wohl, aber halt leider nicht immer. In so manchem Seminarraum nimmt eine Säule genau in der Mitte die Sicht, oder man hat vergessen, Fenster einzubauen. Vielleicht zieht auch ein schimmliger Teppich geruchlich die Aufmerksamkeit auf sich, oder fix verankerte Tische schaffen die Atmosphäre einer Vorstandskonferenz, wo doch Teambuilding angesagt wäre. Oder die Stifte schreiben nicht, oder der Flipchartständer kann sich kaum auf den drei Beinen halten, oder es hat 40 Grad – oder zehn Grad, oder die Kaffeemaschine spuckt statt Kaffee heißes Wasser quer durch die drei Häusertrakte entfernte Küche, oder die Decke ist so niedrig, dass man Angst hat aufzustehen, oder es war eben nur mehr das Kellerabteil frei. Da gäbe es viele Geschichten zu erzählen.

Es gibt Grenzen des Erträglichen und Grenzen des Möglichen: Sie können 20 Teilnehmer/innen nicht auf zwölf Quadratmetern Seminarraum aktiv sein lassen. Sie können keine Konzentration einfordern, wenn vor der Tür ein Presslufthammer den Asphalt zerstückelt oder die Zentralheizung nach einem Service ruft.

Hilfreiche Tipps

Klären Sie im Vorfeld, was Sie als Moderator/in oder Workshopleiter/in brauchen. Das könnten sinnvolle Fragen für Sie sein:

• Wie viel Platz brauchen Sie? Das hängt nicht nur von der Anzahl der Teilnehmer/innen ab, sondern auch von der Sitzordnung, der Art der Aktivitäten, der Notwendigkeit, Kleingruppen zu bilden oder der Länge der Veranstaltung.

• Wie möchten Sie, dass die Teilnehmer/innen sitzen? Brauchen Sie Tische? Eine Tischreihe in Form eines Os oder eines Us kann bequem sein, baut aber eine Barriere zwischen Ihnen und den Teilnehmer/innen bzw. zwischen den Teilnehmer/innen untereinander auf. Auch das mögen Ihre Gäste oft, ist aber vielleicht nicht im Sinne des Zieles. Ein Sesselkreis gibt Ihnen die Möglichkeit, näher an die Teilnehmer/innen heranzukommen, dafür fühlen diese sich verletzlicher und Sie ernten vielleicht von einem/einer ängstlichen, aber vordergründig coolen Teilnehmer/in einen Satz wie: „Ah, eine Selbsterfahrungsrunde!“ oder „Jö, wie im Kindergarten!“

• Wie freundlich muss der Ort sein? Unsere Antwort: Je freundlicher, desto besser. Ein gemütlicher, heller Ort wird sich auf Ihr Ergebnis positiv auswirken. Das Europäische Forum Alpbach gibt es nun schon über 70 Jahre, nicht zuletzt dank des Ortes: Das kleine Dorf Alpbach in den Tiroler Alpen beruhigt gestresste Teilnehmer/innen und bietet zahlreiche Meetingplätze jenseits stickiger Seminarräume.

• Was benötigen Sie an technischen Hilfsmitteln und Moderationszubehör? Bringen Sie es selbst mit, wenn Sie befürchten müssen, dass Sie es vor Ort nicht finden werden.

• Welche Möglichkeiten gibt es in den Pausen? Idealerweise können sich die Teilnehmer/innen ein wenig die Beine vertreten und frische Luft schnappen oder auf Wunsch auch im Gegenteil: schlechte Luft inhalieren.

Mehr, viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren Moderationsseminaren.

Das Mikrofon – vom Feind zum Verbündeten

mikro„Ich hasse Mikrofone!“, „Das Mikrofon ist mein Feind“, „Wenn es irgendwie geht, lasse ich das Mikro weg“: Wir hören solche Aussagen regelmäßig von Teilnehmern und Teilnehmerinnen unserer Seminare. Das Mikrofon wird als lästiger und riskanter Störfaktor betrachtet. Und, ja, es ist ungewohnt.

Aber es ist auch ein Signal an die Zuhörerschaft, dafür, dass man am Wort ist, es kann Autorität und Status verleihen, ein wenig die Funktion eines Zepters einnehmen – vorausgesetzt, man weiß damit umzugehen. Befolgen Sie diese Ratschläge und das Mikrofon ist beim nächsten Mal vielleicht schon Ihr Verbündeter:

  • Fürchten Sie sich nicht davor und betrachten Sie es als Unterstützung. Es ist niemandem geholfen, wenn man Sie in der letzten Reihe nicht mehr hört, weil Sie Ihre Stimme über- und die Umgebungsgeräusche unterschätzt haben.
  • Mikrofone sind verschieden und verschieden eingestellt, aber üblicherweise muss man nicht schreien. Es empfiehlt sich, ein Handmikrofon sehr knapp vor dem Mund zu halten und leicht darüber hinweg zu sprechen. Achten Sie wegen der Rückkoppelung auf die Lautsprecher.
  • Machen Sie eine Probe, wenn irgendwie möglich: Das gibt Ihnen Sicherheit und hilft, Unvorhergesehenes zu vermeiden.
  • Um welche Art von Mikrofon geht es? Werden Sie es in der Hand halten? Dann denken Sie daran, dass Ihnen eine Hand weniger für andere Tätigkeiten zur Verfügung steht. Elisabeth Gräf präsentierte vor einigen Jahren auf der Leipziger Buchmesse unser Buch „Ziele und Zaubersprüche. Von Harry Potter und seiner Welt lernen“. Weil es da im übertragenen Sinn um Zauberei geht und sie die Lesung unterhaltsam angehen wollte, hatte sie zwei Zaubertricks einstudiert. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass sie mit einer Hand ein Mikro halten würde. Diese Hand fehlte ihr nun. Der Zaubertrick war schließlich auch ohne Sprache möglich.
  • Haben Sie es mit einem Standmikro zu tun? Dann markieren Sie den Standort und die richtige Höhe mit einem Stück Tape, vor allem natürlich, wenn weitere Sprecher/innen eine andere Einstellung benötigen. Es gibt einen Grund, warum so viele Clowns Nummern mit Mikro- oder Notenständern im Repertoire haben.
  • Sprechen Sie erst, wenn Sie Blickkontakt mit dem Publikum haben. Halten Sie diesen kurzen Moment aus. Sprechen Sie niemals in den Applaus hinein.

Mehr solche Tipps, viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren beiden Moderationsseminaren.

Tipps aller Art – zum Flipchart

Der Umgang mit dem Flipchart ist keine Hexerei, aber ein paar Tipps gilt es zu beachten.Das Flipchart gehört zu den wichtigsten Utensilien bei Moderationen, Trainings und Präsentationen. Grund genug, sich etwas näher mit dem Papierständer zu befassen.

Szenario 1: Lautlos schiebt Startrainerin Esmeralda Immerbesser den Flipchartständer auf drei Rollen näher in Richtung der gebannt wartenden ZuhörerInnen. Mit einer eleganten Bewegung blättert sie das Begrüßungsplakat um und ein wunderschönes und farblich ansprechendes Plakat mit der Agenda für den Tag erscheint. Eine rasche Handbewegung, ein kaum wahrnehmbarer Riss entlang der Perforation und schon hat Frau Immerbesser es in der Hand. Mit zwei Pins zaubert sie es auf eine der drei seitlich aufgestellten Pinnwände.

Szenario 2: Marion Pechvogel, Trainerin von Teufels Gnaden, versucht den dreibeinigen Flipchart-Ständer näher zu den TeilnehmerInnen zu rücken. Dabei knickt der hintere Steher ein, das Gerät kracht um. Mit rotem Kopf stellt Frau Pechvogel es wieder auf, aber beim Versuch, das zerknitterte Deckblatt umzublättern, löst sich der Block und zieht sämtliche Stifte und noch einen Ohrring der Trainerin mit in die Tiefe. Am Boden sitzend versucht die verzweifelte Frau die Seite mit der Agenda abzulösen, aber diese reißt ein paar Handbreit unter der Perforation ab. Schließlich hängt das halbe Flipchart schief an der einzigen verbogenen Stecknadel, die zur Verfügung steht.

Okay, so schlimm wie Marion Pechvogel muss es einem nicht ergehen, aber der Umgang mit Flipcharts birgt schon einige Tücken. Wir haben Flipchartständer erlebt, die kaum selbständig stehen wollten, in die man nur ein Blatt Papier einklemmen konnte oder die den Block um jeden Preis wieder loswerden wollten. Wir waren schon mit Magnetwänden konfrontiert, auf denen Magnete nur dann haften, wenn sie nichts halten müssen. Und es gibt Pinnwände, die so hart sind, dass selbst die härtesten Nadeln keine Chance haben einzudringen. Und dass Flipchart-Stifte ausgetrocknet, untauglich oder gar nicht vorhanden sind, gehört zum Alltag.

Tipps für den Umgang mit dem  Flipchart

Ganz ohne Flips geht es aber auch nicht, sie sind gut sicht- und flexibel einsetzbar. Daher hier ein paar Tipps, wie Sie unangenehme Situationen möglichst vermeiden:

  • Vertrauen Sie niemals auf das Material vor Ort: Wenn ein geordneter Moderationskoffer auf uns wartet, freuen wir uns, aber wir fahren nie ohne eigenes Material zu einem Auftrag, dazu gehören auch Schnüre mit Kluppen (Wäscheklammern), Klebestreifen, ein paar Magnete und Pins zum Aufhängen der Plakate sowie ein paar leere Not-Flipcharts.
  • Machen Sie sich mit dem Flipchartständer vor Ort vertraut. Wie stabil ist er? Kann man ihn bewegen?
  • Schauen Sie vor Beginn der Veranstaltung, wo Sie Plakate aufhängen können und klären Sie, ob zum Beispiel der Klebestreifen einen Teil der Wand mitnimmt?
  • Probieren Sie die Stifte, bevor es losgeht, zumindest ein dunkler (schwarz oder blau) und ein heller (grün oder rot, für die Überschriften) sollten gut schreiben.
  • Sprechen Sie nicht, während Sie etwas zu Papier bringen oder malen. Es gilt die TTT-Regel „touch, turn, talk“, also hinzeigen, umdrehen und erst dann sprechen.
  • Überschriften schreiben Sie am besten in Großbuchstaben, den Rest um der Lesbarkeit willen in Groß- und Kleinbuchstaben. Wählen Sie eine Schriftgröße, die auch von hinten noch gut sichtbar ist und beschränken Sie sich auf das Wesentliche.
  • Manche TrainerInnen raten dazu, alle Flips coram publico zu gestalten. Bei allem Respekt vor dem Wunsch, die eigenen gestalterischen und zeichnerischen Fähigkeiten zu präsentieren, aber die Zeit der TeilnehmerInnen ist ein kostbares Gut. Natürlich ist es nötig, Erarbeitetes oder Spontanes live zu Papier zu bringen. Wo es möglich ist, helfen jedoch vorbereitete Flipcharts oft, Zeit und Nerven zu sparen.

Wenn Sie dieser Text interessiert hat, dann sind Sie vielleicht in unseren Seminaren zu Präsentation oder Moderation richtig.

 

Moderationsmethoden: Menschen vor Methoden

Viele Moderationsmethoden zu kennen, ist hilfreich, es kann aber auch blockieren.Moderationsmethoden sind wichtig, aber Menschen, ihre Bedürfnisse und Ziele sind wichtiger.

Manche Akquisegespräche führen nicht zu Aufträgen und das ist auch gut so. Ich erinnere mich noch genau an ein Gespräch mit dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Wir waren eingeladen, mit ihm über ein Moderationsseminar in seiner Firma zu verhandeln.

Schon bald war klar: Der Mann war ein Trophäen-Sammler. Seine Trophäen bestanden aus verbrauchten Trainern und eingesetzten Moderationsmethoden. Tatsächlich zeigte er uns eine Mappe, in der alle Trainer/innen aufgelistet waren, die schon für ihn gearbeitet hatten. Keiner war gut genug gewesen. Von uns wollte er vor allem etwas Neues, eine neue Methode, einen neuen Ansatz. Wenig überraschend: Das Gespräch war bald zu Ende, wir haben uns nie wieder gesehen.

Nicht, weil wir nicht ein paar Namen von Methoden hätten fallen lassen können, von denen der Geschäftsführer noch nie gehört hätte, sondern weil wir bei dem durchschaubaren Spiel nicht mitmachen wollten.

Nie um der Methode willen

Wenn Sie einmal in die Situation kommen, dass Sie eine neue Moderationsmethode kennen gelernt haben und die unbedingt ausprobieren wollen, dann seien Sie bitte nicht ungeduldig, sondern warten Sie auf den richtigen Zeitpunkt, sie einzusetzen. Es passt einfach nicht jede Technik für jede Situation! Methoden sind wichtig, und viele Methodenpfeile im Köcher zu haben macht flexibel und garantiert, dass den TeilnehmerInnen und einem selbst nicht fad wird. Aber Methoden dürfen nie Selbstzweck sein. Und es bringt auch nichts, sie als Trophäen zu betrachten. Sie sind ein Werkzeug, um ein Ziel zu erreichen. Es gibt aber Situationen, da reichen eine einfache Diskussion, geduldiges Zuhören oder ein paar Fragen, um Wunder zu bewirken.

Entscheidend ist, wer in einem Seminar, einem Gespräch oder sonst einer kommunikativen Situation das Gegenüber ist. Was will und was braucht die Person oder Gruppe? Und was ist das Ziel einer Moderation, eines Gespräches, eines Workshops? Erst wenn das geklärt ist, kann ich den Methodenkoffer öffnen und schauen, was zu dieser Person oder Gruppe und zu diesen Zielen passt. Halte ich diese Reihenfolge nicht ein, sehe ich überall Karotten, weil ich eine neue Karottenreibe habe, oder – als Bild berühmter – überall Nägel, weil ich nur einen Hammer besitze.

Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren wollen, besuchen Sie doch eines unserer Seminare.

Eine konkrete Methode, Brainstorming verkehrt, haben wir auf Youtube gestellt.

Partizipation – ein Missverständnis

Die Partizipationspyramide von Gaby Straßburger und Judith RiegerPartizipation – alle reden davon und jeder meint etwas anderes

Ein Unternehmen möchte die interne Kultur verbessern und startet den Prozess mit einer MitarbeiterInnenversammlung. Eine Organisation legt Fragebögen auf, um eine Veranstaltung zu evaluieren. Eine Bürgerinitiative fordert Mitsprache bei einem Straßenprojekt.

Was haben diese drei Beispiele gemeinsam? Der Titel verrät es bereits. In allen drei Fällen geht es um Partizipation. Und sie zeigen: Partizipation ist ein weites Feld. Die lateinischen Herkunftswörter pars (Teil) und capere (fangen, ergreifen, nehmen) führen zu einem Begriff, unter dem jede/r etwas anderes versteht. Immer geht es aber um eine Form der Einflussnahme, der Mitbestimmung und der Teilhabe.

In unseren Seminaren und Beratungen rund um Themen wie Moderation, Kreativität und Kommunikation ist Partizipation ein zentrales Thema, zu dem viele Fragen auftauchen: Wann beginnt sie? Wieviel Teilhabe ist möglich oder erwünscht? Mit welchen Methoden binde ich meine MitarbeiterInnen bestmöglich ein?

Die Partizipationspyramide

Gaby Straßburger und Judith Rieger stellen in ihrem Buch „Partizipation kompakt“ die verschiedenen Grade der Partizipation sehr anschaulich als Pyramide dar. Das Modell ist von zwei Seiten zu lesen, von der “institutionell-professionellen Perspektive” (etwa einer Gemeinde) und von der Perspektive der BürgerInnen (bzw. anderer Partizipierenden) aus. Die drei Reihen an der Basis (rot) nennen sie „Vorstufen der Partizipation“, weil der Grad der Einflussnahme noch sehr gering ist. Ganz unten geht es lediglich um Information. Darüber dürfen die Betroffenen ihre Meinung äußern und auf Stufe drei ist immerhin die Lebensweltexpertise der Betroffenen gefragt.

Darüber folgen drei Stufen echter Partizipation (orange): Es wird schon abgestimmt, etwas höher sogar Entscheidungskompetenz abgegeben und schließlich auf Stufe sechs die Entscheidungsmacht völlig übertragen. Die Fachkräfte unterstützen und begleiten in diesem Fall nur mehr.

Die Spitze schließlich ist zivilgesellschaftlichen Eigenaktivitäten vorenthalten. All das also, was BürgerInnen, MitarbeiterInnen oder andere Betroffene gemeinschaftlich organisieren und eigenständig verwirklichen. Deshalb ist die gelbe Spitze auch nur halb, weil hier nur mehr die Perspektive der BürgerInnen (MitarbeiterInnen etc.) eine Rolle spielt. Die institutionell-professionelle AkteurInnen-Perspektive endet mit Stufe sechs.

Missverständnisse vermeiden

Es ist nur ein Modell, das Möglichkeiten abbildet. Es geht nicht darum, zu bewerten, wie viel Teilhabe genau richtig ist. Das hängt von den Umständen der zu treffenden Maßnahmen oder Entscheidungen ab. Ganz wichtig ist allerdings, dass alle Beteiligten dasselbe unter Partizipation verstehen und dass sich die Erwartungen der Teilnehmenden mit den Angeboten decken. Wenn MitarbeiterInnen davon ausgehen, dass sie mitbestimmen dürfen, dann aber lediglich um ihre Einschätzung gebeten werden, ist böses Blut garantiert.

Natürlich hat es viele Vorteile, wenn ich Betroffene in der Gemeinde, im Unternehmen oder in der Schule bei Entscheidungen mit ins Boot hole. Das führt, richtig gemacht, zu einer höheren Identifikation mit Lösungen und damit zu besseren, verbindlicheren und nachhaltigeren Beschlüssen. Umgekehrt können partizipative Prozesse langwierig sein, falsche Erwartungen wecken und, wenn sie scheitern oder zu hochschwellig angesetzt sind, zu Frustration führen.

Welche Methoden für einen partizipativen Prozess am besten passen, hängt von Faktoren wie der Gruppengröße, der Zeit- und Raumressourcen und natürlich vom Ziel ab. Dazu werden Sie vielleicht in dem einen oder anderen Blog-Beitrag fündig, ganz sicher aber in unseren Seminaren.

Lesetipp: Gaby Straßburger/Judith Rieger (Hg.): Partizipation kompakt – Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe, Weinheim und Basel: Beltz Juventa 2014.

 

Was braucht eine gute Moderation

Für eine gute Moderation muss man weder die teuerste Moderationsausstattung besitzen noch die edelste Pinnwand oder die neueste Brainwriting-Software einsetzen. Wer eine Gruppe erfolgreich, nämlich zielgerichtet und teamorientiert, durch einen Arbeitsprozess führt, braucht vor allem eines: solides Wissen darüber, was seine wichtigsten Aufgaben sind. Zehn davon haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Eine gute Moderatorin bzw. ein guter Moderator …

aufloesung_800x445moderation_aufgaben

  1. schafft den geeigneten Rahmen für den Arbeitsprozess
  2. kennt Methoden, um die Potenziale der Teilnehmenden in der Gruppe bestmöglich zu nutzen
  3. wählt die richtigen Methoden, um das Ziel zu erreichen
  4. hält den roten Faden
  5. behält die Zeit im Auge
  6. ist für Struktur und den Ablauf verantwortlich
  7. gibt sich allparteilich
  8. erkennt Störungen als Stopp-Signal und gibt ihnen Vorrang
  9. achtet auf die Energie der Gruppe
  10. dokumentiert den Arbeitsprozess/die Ergebnisse

Wenn Sie diese Fertigkeiten der Moderation erlernen, vertiefen oder um weitere hilfreiche Moderationsmethoden ergänzen möchten, besuchen Sie unser
Moderationsseminar.

Und im August 2021 haben wir ein Video zu Alfons Haiders Fehlern bei der Moderation der 100-Jahre-Burgenland-Feier gedreht. Schauen Sie sich das hier an.

 

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Drei Fragen vor dem Moderieren

Eine wichtige Frage vor dem Moderieren: Wer hört mir zu?Ob die Moderation eines Meetings oder eine Klausur gelingt, hängt zu  einem guten Teil von der Vorbereitung ab. Beantworten Sie, bevor Sie moderieren, folgende drei Fragen und Sie werden deutlicher klarer wissen, was zu tun ist. Drei Fragen vor dem Moderieren weiterlesen

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