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Worte über gute Orte

Manche Räume sind eben gänzlich ungeeignet.
Manche Räume sind eben gänzlich ungeeignet.

Wie sieht der geeignete Raum für Seminare, Meetings und Klausuren aus? Ein paar Tipps für Moderatoren und Workshopleiterinnen

Ein großer, heller Raum, locker bestückt mit gemütlichen Stühlen, sorgt für angenehme Atmosphäre; zwei Flipchartständer, zwei Pinnwände und ein gut gewarteter Moderationskoffer stehen zur Unterstützung bereit; ein zweiter angrenzender Raum eröffnet die Möglichkeit, sich in Teilgruppen zu spalten; vor der Türe wartet ein kleines Buffet mit Kaffee, Obst und Keksen; vor dem Fenster lädt ein Park zu Aktivitäten im Freien ein.

So etwas gibt es wohl, aber halt leider nicht immer. In manchen Räumen nimmt auch eine Säule genau in der Mitte die Sicht, oder man hat vergessen, Fenster einzubauen. Vielleicht zieht auch ein schimmliger Teppich geruchlich die Aufmerksamkeit auf sich, oder fix verankerte Tische schaffen die Atmosphäre einer Vorstandskonferenz, wo doch Teambuilding angesagt wäre. Oder die Stifte schreiben nicht, oder der Flipchartständer kann sich kaum auf den drei Beinen halten, oder es hat 40 Grad – oder zehn Grad, oder die Kaffeemaschine spuckt statt Kaffee heißes Wasser quer durch die drei Häusertrakte entfernte Küche, oder die Decke ist so niedrig, dass man Angst hat aufzustehen, oder es war eben nur mehr das Kellerabteil frei. Da gäbe es viele Geschichten zu erzählen.

Es gibt Grenzen des Erträglichen und Grenzen des Möglichen: Sie können 20 Teilnehmer/innen nicht auf zwölf Quadratmetern Fläche aktiv sein lassen. Sie können keine Konzentration einfordern, wenn vor der Tür ein Presslufthammer den Asphalt zerstückelt oder die Zentralheizung nach einem Service ruft. Klären Sie im Vorfeld, was Sie als Moderator/in oder Workshopleiter/in brauchen. Das könnten sinnvolle Fragen für Sie sein:

• Wie viel Platz brauchen Sie? Das hängt nicht nur von der Anzahl der Teilnehmer/innen ab, sondern auch von der Sitzordnung, der Art der Aktivitäten, der Notwendigkeit, Kleingruppen zu bilden oder der Länge der Veranstaltung.

• Wie möchten Sie, dass die Teilnehmer/innen sitzen? Brauchen Sie Tische? Eine Tischreihe in Form eines Os oder eines Us kann bequem sein, baut aber eine Barriere zwischen Ihnen und den Teilnehmer/innen bzw. zwischen den Teilnehmer/innen untereinander auf. Auch das mögen Ihre Gäste oft, ist aber vielleicht nicht im Sinne des Zieles. Ein Sesselkreis gibt Ihnen die Möglichkeit, näher an die Teilnehmer/innen heranzukommen, dafür fühlen diese sich verletzlicher und Sie ernten vielleicht von einem/einer ängstlichen, aber vordergründig coolen Teilnehmer/in einen Satz wie: „Ah, eine Selbsterfahrungsrunde!“ oder „Jö, wie im Kindergarten!“

• Wie freundlich muss der Ort sein? Unsere Antwort: Je freundlicher, desto besser. Ein gemütlicher, heller Ort wird sich auf Ihr Ergebnis positiv auswirken. Das Europäische Forum Alpbach gibt es nun schon über 70 Jahre, nicht zuletzt dank des Ortes: Das kleine Dorf Alpbach in den Tiroler Alpen beruhigt gestresste Teilnehmer/innen und bietet zahlreiche Meetingplätze jenseits stickiger Seminarräume.

• Was benötigen Sie an technischen Hilfsmitteln und Moderationszubehör? Bringen Sie es selbst mit, wenn Sie befürchten müssen, dass Sie es vor Ort nicht finden werden.

• Welche Möglichkeiten gibt es in den Pausen? Idealerweise können sich die Teilnehmer/innen ein wenig die Beine vertreten und frische Luft schnappen oder auf Wunsch auch im Gegenteil: schlechte Luft inhalieren.

Mehr, viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren Moderationsseminaren.

Das Mikrofon – vom Feind zum Verbündeten

mikro„Ich hasse Mikrofone!“, „Das Mikrofon ist mein Feind“, „Wenn es irgendwie geht, lasse ich das Mikro weg“: Wir hören solche Aussagen regelmäßig von Teilnehmern und Teilnehmerinnen unserer Seminare. Das Mikrofon wird als lästiger und riskanter Störfaktor betrachtet. Und, ja, es ist ungewohnt.

Aber es ist auch ein Signal an die Zuhörerschaft, dafür, dass man am Wort ist, es kann Autorität und Status verleihen, ein wenig die Funktion eines Zepters einnehmen – vorausgesetzt, man weiß damit umzugehen. Befolgen Sie diese Ratschläge und das Mikrofon ist beim nächsten Mal vielleicht schon Ihr Verbündeter:

  • Fürchten Sie sich nicht davor und betrachten Sie es als Unterstützung. Es ist niemandem geholfen, wenn man Sie in der letzten Reihe nicht mehr hört, weil Sie Ihre Stimme über- und die Umgebungsgeräusche unterschätzt haben.
  • Mikrofone sind verschieden und verschieden eingestellt, aber üblicherweise muss man nicht schreien. Es empfiehlt sich, ein Handmikrofon sehr knapp vor dem Mund zu halten und leicht darüber hinweg zu sprechen. Achten Sie wegen der Rückkoppelung auf die Lautsprecher.
  • Machen Sie eine Probe, wenn irgendwie möglich: Das gibt Ihnen Sicherheit und hilft, Unvorhergesehenes zu vermeiden.
  • Um welche Art von Mikrofon geht es? Werden Sie es in der Hand halten? Dann denken Sie daran, dass Ihnen eine Hand weniger für andere Tätigkeiten zur Verfügung steht. Elisabeth Gräf präsentierte vor einigen Jahren auf der Leipziger Buchmesse unser Buch „Ziele und Zaubersprüche. Von Harry Potter und seiner Welt lernen“. Weil es da im übertragenen Sinn um Zauberei geht und sie die Lesung unterhaltsam angehen wollte, hatte sie zwei Zaubertricks einstudiert. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass sie mit einer Hand ein Mikro halten würde. Diese Hand fehlte ihr nun. Der Zaubertrick war schließlich auch ohne Sprache möglich.
  • Haben Sie es mit einem Standmikro zu tun? Dann markieren Sie den Standort und die richtige Höhe mit einem Stück Tape, vor allem natürlich, wenn weitere Sprecher/innen eine andere Einstellung benötigen. Es gibt einen Grund, warum so viele Clowns Nummern mit Mikro- oder Notenständern im Repertoire haben.
  • Sprechen Sie erst, wenn Sie Blickkontakt mit dem Publikum haben. Halten Sie diesen kurzen Moment aus. Sprechen Sie niemals in den Applaus hinein.

Mehr solche Tipps, viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren beiden Moderationsseminaren.

Brainstorming – aber richtig!

brainstormingEnde der 30er-Jahre entwickelte der Werbefachmann Alex F. Osborn den so genannten „Gehirnsturm“,  und noch heute ist er auf Grund seiner Einfachheit die beliebteste Kreativtechnik. Die Methode hat ihre Grenzen, sie ist aber nicht so unwirksam wie immer wieder behauptet. Die meisten Kritiker/innen konstruieren ein falsches Bild von Brainstorming und geben es dann zum Abschuss frei. Ein typisches Beispiel ist dieser Artikel im Standard. Nach der Überschrift „Brainstorming macht kreativ? Irrtum!“ leitet der Text ein: „Zu dritt, zu viert, mit Zettel und Stift entstehen die besten Einfälle? Stimmt nicht, sagen die Wissenschafter.“ Bleibt zu hoffen, dass die zitierten Expertinnen und Experten sich besser damit auseinander gesetzt haben als die Redakteurin. Denn ein bisschen mehr als drei bis vier Leute, Zettel und Stift gehört zum echten Brainstorming schon dazu.

Weil das aber auch da draußen in den Firmen und Organisationen oft falsch gehandhabt wird, geben wir hier Antwort auf die Frage: Wie geht es also richtig?
Ein Team von vier bis maximal zwölf Personen sucht Ideen zu einem bestimmten Thema, die gut sichtbar notiert werden. Diese Ideenfindungsphase muss streng getrennt werden von einer Ideenbewertungsphase. Osborn selbst gibt in seinem Buch „How To Think Up“ (1942) vier Regeln an, die unbedingt einzuhalten sind:

  • Übe keine Kritik!
  • Je mehr Ideen, desto besser!
  • Ergänze und verbessere bereits vorhandene Ideen!
  • Je ungewöhnlicher die Idee, desto besser!

Ein paar Tipps darüber hinaus helfen ebenfalls:

  • Die Frage muss klar und einfach formuliert und für alle Beteiligten akzeptabel und gut sichtbar sein, am besten auf einem eigenen Flipchart.
  • Der Rahmen muss stimmen, Humor ist erlaubt oder sogar erwünscht.
  • Dass Kritik und Killerphrasen keine Chance bekommen, dafür ist die Moderation und im besten Fall die ganze Gruppe verantwortlich. Verweisen Sie vor Beginn der Suchphase noch einmal auf die Regeln.
  • Bei der Ideensuche gilt: Quantität vor Qualität. Auch seltsame Ideen werden aufgeschrieben, gerade sie führen über unkonventionelle Zugänge und schräge Perspektiven oft zu guten Ideen.
  • Durchtauchen Sie das Ideentief: Üblicherweise kommen am Beginn die gängigen Ideen, jene Dinge, die schon versucht wurden oder das, was ohnedies immer passiert. Nach einigen Minuten sind diese Ideen alle notiert und es tritt eine Pause ein. Die ersten TeilnehmerInnen werden bocken und schimpfen, dass es nichts bringt und dass sie es ohnedies schon immer gewusst hätten. Es ist nun Ihre Aufgabe als Moderator/in neu zu motivieren, noch ein volles Flipchart, zehn Minuten Weiterarbeit oder 15 weitere Ideen einzufordern. Ist das Ideentief einmal durchtaucht, winken als Belohnung auf der anderen Seite oft gute und brauchbare Ideen.

Im Anschluss clustern Sie die Ideen, reduzieren und – so das in der Kompetenz dieser Gruppe liegt – bewerten sie, zum Beispiel mittels Punkten. Schließlich bleiben einige wenige Ideen über, die Sie (mit anderen Methoden) weiterverfolgen.

Brainstorming ist eine einfach durchzuführende Methode, die sich eignet, wenn Sie viele verschiedene Ideen brauchen. Sie benötigt relativ wenig Moderationserfahrung und ruft kaum Widerstand hervor, weil die meisten damit vertraut sind. Idealerweise und wenn die Ideenfindung tatsächlich von der Ideenbewertung getrennt wird, regen sich die Teilnehmer/innen gegenseitig an und schwingen sich gemeinsam zu neuen Höhen auf.

Natürlich ist bei dieser Methode das Potential für revolutionäre Ideen begrenzt. Außerdem kann bei einer so offenen Methode wie Brainstorming die Gruppendynamik eine Rolle spielen, indem etwa nur Inputs von den üblichen Wortführerinnen und Wortführern kommen und die Schweiger wieder einmal tun, was sie am besten können: schweigen.

Mehr, viel mehr über Kreativität und Kreativitätstechniken erfahren Sie, wenn Sie an einem unserer Seminare teilnehmen. Für mehr Infos KLICKEN SIE HIER!

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Tipps aller Art – zum Flipchart

flip skizzeDas Flipchart gehört zu den wichtigsten Utensilien bei Moderationen, Trainings und Präsentationen. Grund genug, sich etwas näher mit dem Papierständer zu befassen.

Szenario 1: Lautlos schiebt Startrainerin Esmeralda Immerbesser den Flipchartständer auf drei Rollen näher in Richtung der gebannt wartenden ZuhörerInnen. Mit einer eleganten Bewegung blättert sie das Begrüßungsplakat um und ein wunderschönes und farblich ansprechendes Plakat mit der Agenda für den Tag erscheint. Eine rasche Handbewegung, ein kaum wahrnehmbarer Riss entlang der Perforation und schon hat Frau Immerbesser es in der Hand. Mit zwei Pins zaubert sie es auf eine der drei seitlich aufgestellten Pinnwände.

Szenario 2: Marion Pechvogel, Trainerin von Teufels Gnaden, versucht den dreibeinigen Flipchart-Ständer näher zu den TeilnehmerInnen zu rücken. Dabei knickt der hintere Steher ein, das Gerät kracht um. Mit rotem Kopf stellt Frau Pechvogel es wieder auf, aber beim Versuch, das zerknitterte Deckblatt umzublättern, löst sich der Block und zieht sämtliche Stifte und noch einen Ohrring der Trainerin mit in die Tiefe. Am Boden sitzend versucht die verzweifelte Frau die Seite mit der Agenda abzulösen, aber diese reißt ein paar Handbreit unter der Perforation ab. Schließlich hängt das halbe Flipchart schief an der einzigen verbogenen Stecknadel, die zur Verfügung steht.

Okay, so schlimm wie Marion Pechvogel muss es einem nicht ergehen, aber der Umgang mit Flipcharts birgt schon einige Tücken. Wir haben Flipchartständer erlebt, die kaum selbständig stehen wollten, in die man nur ein Blatt Papier einklemmen konnte oder die den Block um jeden Preis wieder loswerden wollten. Wir waren schon mit Magnetwänden konfrontiert, auf denen Magnete nur dann haften, wenn sie nichts halten müssen. Und es gibt Pinnwände, die so hart sind, dass selbst die härtesten Nadeln keine Chance haben einzudringen. Und dass Flipchart-Stifte ausgetrocknet, untauglich oder gar nicht vorhanden sind, gehört zum Alltag.

Tipps für den Umgang mit dem  Flipchart
Ganz ohne Flips geht es aber auch nicht, sie sind gut sicht- und flexibel einsetzbar. Daher hier ein paar Tipps, wie Sie unangenehme Situationen möglichst vermeiden:

  • Vertrauen Sie niemals auf das Material vor Ort: Wenn ein geordneter Moderationskoffer auf uns wartet, freuen wir uns, aber wir fahren nie ohne eigenes Material zu einem Auftrag, dazu gehören auch Schnüre mit Kluppen (Wäscheklammern), Klebestreifen, ein paar Magnete und Pins zum Aufhängen der Plakate sowie ein paar leere Not-Flipcharts.
  • Machen Sie sich mit dem Flipchartständer vor Ort vertraut. Wie stabil ist er? Kann man ihn bewegen?
  • Schauen Sie vor Beginn der Veranstaltung, wo Sie Plakate aufhängen können und klären Sie, ob zum Beispiel der Klebestreifen einen Teil der Wand mitnimmt?
  • Probieren Sie die Stifte, bevor es losgeht, zumindest ein dunkler (schwarz oder blau) und ein heller (grün oder rot, für die Überschriften) sollten gut schreiben.
  • Sprechen Sie nicht, während Sie etwas zu Papier bringen oder malen. Es gilt die TTT-Regel „touch, turn, talk“, also hinzeigen, umdrehen und erst dann sprechen.
  • Überschriften schreiben Sie am besten in Großbuchstaben, den Rest um der Lesbarkeit willen in Groß- und Kleinbuchstaben. Wählen Sie eine Schriftgröße, die auch von hinten noch gut sichtbar ist und beschränken Sie sich auf das Wesentliche.
  • Manche TrainerInnen raten dazu, alle Flips coram publico zu gestalten. Bei allem Respekt vor dem Wunsch, die eigenen gestalterischen und zeichnerischen Fähigkeiten zu präsentieren, aber die Zeit der TeilnehmerInnen ist ein kostbares Gut. Natürlich ist es nötig, Erarbeitetes oder Spontanes live zu Papier zu bringen. Wo es möglich ist, helfen jedoch vorbereitete Flipcharts oft, Zeit und Nerven zu sparen.

 

Spielregeln bei Moderationen und Workshops

grundregeln_groß„Was mache ich, wenn die Leute einander bei Diskussionen nicht ausreden lassen?“ „Wie soll ich mit schwierigen Teilnehmern umgehen?“ „Wie halte ich den roten Faden?“

Für die häufigsten Fragen in unseren Moderationsseminaren gibt es kein Patentrezept. Aber in vielen Fällen hilft schon ein einfacher Tipp: Ein/e Moderator/in oder ein/e Workshopleiter/in hat es leichter, wenn er oder sie sich schon vor Beginn der gemeinsamen Arbeit mit der Gruppe auf Regeln verständigt hat.

Regeln verbessern die Zusammenarbeit
In der Ratgeberliteratur finden Sie dazu häufig den Tipp, gemeinsam mit der Gruppe Spielregeln zu erarbeiten. In einer Zeit, in der in Workshops, Klausuren und Arbeitsgruppen etwa dreimal so viele Themen in der halben Zeit bearbeitet werden soll, ist das aber unrealistisch.

Auf Regeln des Zusammenspiels  sollten Sie dennoch keinesfalls verzichten! Warum? Steht schon vor Beginn der gemeinsamen Arbeit auf einem Flipchart, dass Handys ausgeschaltet oder stumm bleiben, haben Sie beim ersten Telefonläuten die ganze Gruppe hinter sich, wenn Sie die betreffende Person höflich darauf hinweisen.

Spielregeln sorgen für Klarheit – auch bei Ihnen
Wenn es Spielregeln gibt, gibt es auch einen Spielleiter – der sind Sie, wenn Sie moderieren. Das bedeutet, Sie müssen die Regeln kennen, befolgen und einfordern können. Schreiben Sie daher nicht Regeln aus einem Moderationsratgeber ab – die Regeln müssen zu Ihrem Workshop, Ihrem Stil und nicht zuletzt dem Ziel der Arbeitsgruppe passen.

  1. Überlegen Sie sich schon in der Vorbereitung, welche Regeln für Sie zum Arbeiten mit der Gruppe wichtig sind. Am besten beschränken Sie sich auf drei, maximal fünf Punkte.
  2. Bringen sie diese in eine Form, die Sie der Gruppe zu Beginn des Workshops (nach der Begrüßung, vor dem Arbeitsteil) präsentieren können (Flipchart, Ausdruck, Powerpoint).
  3. Erklären Sie diese Regeln, bevor die thematische Arbeit beginnt. Bitten Sie die Gruppe um Ergänzungen („Gibt es noch etwas, was auf das Plakat soll, damit Sie gut arbeiten können? Fehlt für Sie noch etwas als Grundregel?“)
  4. Achten Sie darauf, dass es nicht zu viele Regeln werden. Lieber drei oder vier wirkungsvolle Abmachungen als ein dickes Regelwerk, an das sich keine/r hält.
    Um auf die beiden Eingangsfragen zurückzukommen: „Wir lassen einander ausreden“ könnte ein Satz sein, der als Grundregel notiert wird. Vergessen Sie in diesem Fall nicht auf einen weiteren Satz. Der/die Moderator/in darf unterbrechen! Das ist wichtig – denn sonst werden sich Vielredner/innen unter Verweis auf die Regeln nicht stoppen lassen!
  5. Lassen Sie sich von jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin diese Regeln abnicken. Nur dann haben Sie eine Chance, dass Sie in der Situation dann auch wirkungsvoll auf die Vereinbarungen hinweisen können („Das haben Sie ja nur da hingepinnt. Ich hab‘ nie ja dazu gesagt!“)

Was passt zur Gruppe?
Halten Sie sich nicht sklavisch an diese Empfehlungen, sondern finden Sie das Richtige für die Gruppe. Um beim Begriff Spielregeln zu bleiben – im Umgang mit ernsthafteren Persönlichkeiten empfehlen wir eine andere Wortwahl, etwa Grundregeln, Basisregeln oder Kommunikationsregeln. Und dann gibt es Gruppen, die schreiend davonlaufen, wenn Sie mit einem Regel-Flipchart antanzen. Verzichten Sie in diesem Fall trotzdem nicht auf Ihre Grundsätze, auch wenn Sie vielleicht keine Basisregeln aufhängen. Machen Sie diese aber zumindest in der Einleitung klar. Auch das hilft bereits. Haben Sie schon einmal erwähnt:„Für eine gute Diskussion ist es nötig, dass Sie einander ausreden lassen. Ich als Moderatorin nehme mir dabei das Recht heraus, zu unterbrechen, weil … “, ist die Sache für alle von vornherein klar. Und für Klarheit zu sorgen ist eine wichtige Aufgabe eines Moderators oder einer Moderatorin.

Mehr solche Tipps, viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren Moderationsseminaren. Infos dazu finden Sie HIER.

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Menschen vor Methoden

methodenMethoden sind wichtig, aber Menschen, ihre Bedürfnisse und Ziele sind wichtiger.

Manche Akquisegespräche führen nicht zu Aufträgen und das ist auch gut so. Ich erinnere mich noch genau an ein Gespräch mit dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Wir waren eingeladen, mit ihm über ein Moderationsseminar in seiner Firma zu verhandeln.

Schon bald war klar: Der Mann war ein Trophäen-Sammler. Seine Trophäen bestanden aus verbrauchten TrainerInnen und eingesetzten Methoden. Tatsächlich zeigte er uns eine Mappe, in der alle TrainerInnen aufgelistet waren, die schon für ihn gearbeitet hatten. Keiner war gut genug gewesen. Von uns wollte er vor allem etwas Neues, eine neue Methode, einen neuen Ansatz. Wenig überraschend: Das Gespräch war bald zu Ende, wir haben uns nie wieder gesehen.

Nicht, weil wir nicht ein paar Namen von Methoden hätten fallen lassen können, von denen der Geschäftsführer noch nie gehört hätte, sondern weil wir bei dem durchschaubaren Spiel nicht mitmachen wollten.

Nie um der Methode willen

Wenn Sie einmal in die Situation kommen, dass Sie eine neue Methode kennen gelernt haben und die unbedingt ausprobieren wollen, dann seien Sie bitte nicht ungeduldig, sondern warten Sie auf den richtigen Zeitpunkt, sie einzusetzen. Es passt einfach nicht jede Technik für jede Situation! Methoden sind wichtig, und viele Methodenpfeile im Köcher zu haben macht flexibel und garantiert, dass den TeilnehmerInnen und einem selbst nicht fad wird. Aber Methoden dürfen nie Selbstzweck sein. Und es bringt auch nichts, sie als Trophäen zu betrachten. Sie sind ein Werkzeug, um ein Ziel zu erreichen. Es gibt aber Situationen, da reichen eine einfache Diskussion, geduldiges Zuhören oder ein paar Fragen, um Wunder zu bewirken.

Entscheidend ist, wer in einem Seminar, einem Gespräch oder sonst einer kommunikativen Situation das Gegenüber ist. Was will und was braucht die Person oder Gruppe? Und was ist das Ziel einer Moderation, eines Gespräches, eines Workshops? Erst wenn das geklärt ist, kann ich den Methodenkoffer öffnen und schauen, was zu dieser Person oder Gruppe und zu diesen Zielen passt. Halte ich diese Reihenfolge nicht ein, sehe ich überall Karotten, weil ich eine neue Karottenreibe habe, oder – als Bild berühmter – überall Nägel, weil ich nur einen Hammer besitze.

Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren wollen, besuchen Sie doch eines unserer Seminare.

Partizipation

pyramide_partizipationPartizipation – alle reden davon und jeder meint etwas anderes

Ein Unternehmen möchte die interne Kultur verbessern und startet den Prozess mit einer MitarbeiterInnenversammlung. Eine Organisation legt Fragebögen auf, um eine Veranstaltung zu evaluieren. Eine Bürgerinitiative fordert Mitsprache bei einem Straßenprojekt.

Was haben diese drei Beispiele gemeinsam? Der Titel verrät es bereits, in allen drei Fällen geht es um Partizipation. Und sie zeigen: Partizipation ist ein weites Feld. Die lateinischen Herkunftswörter pars (Teil) und capere (fangen, ergreifen, nehmen) führen zu einem Begriff, unter dem alles Mögliche verstanden wird, immer geht es aber um eine Form der Einflussnahme, der Mitbestimmung und der Teilhabe.

In unseren Seminaren und Beratungen rund um Themen wie Moderation, Kreativität und Kommunikation ist Partizipation ein zentrales Thema, zu dem viele Fragen auftauchen: Wann beginnt Partizipation? Wieviel Partizipation ist möglich oder erwünscht? Mit welchen Methoden binde ich meine MitarbeiterInnen bestmöglich ein?

Die Partizipationspyramide
Gaby Straßburger und Judith Rieger stellen in ihrem Buch „Partizipation kompakt“ die verschiedenen Grade der Partizipation sehr anschaulich als Pyramide dar. Das Modell ist von zwei Seiten zu lesen, von der „institutionell-professionellen Perspektive“ (etwa einer Gemeinde) und von der Perspektive der BürgerInnen (bzw. anderer Partizipierenden) aus. Die drei Reihen an der Basis (rot) nennen sie „Vorstufen der Partizipation“, weil der Grad der Einflussnahme noch sehr gering ist: Ganz unten geht es lediglich um Information, darüber werden die Meinungen eingeholt und auf Stufe drei wird immerhin die Lebensweltexpertise der Betroffenen erfragt.

Darüber folgen drei Stufen echter Partizipation (orange): Es wird schon abgestimmt, etwas höher sogar Entscheidungskompetenz abgegeben und schließlich auf Stufe sechs die Entscheidungsmacht völlig übertragen. Die Fachkräfte unterstützen und begleiten in diesem Fall nur mehr.

Die Spitze schließlich ist zivilgesellschaftlichen Eigenaktivitäten vorenthalten. All das also, was BürgerInnen, MitarbeiterInnen oder andere Betroffene gemeinschaftlich organisieren und eigenständig verwirklichen. Deshalb ist die gelbe Spitze auch nur halb, weil hier nur mehr die Perspektive der BürgerInnen (MitarbeiterInnen etc.) eine Rolle spielt. Die institutionell-professionelle AkteurInnen-Perspektive endet mit Stufe sechs.

Missverständnisse vermeiden
Es ist nur ein Modell, das Möglichkeiten abbildet, es geht nicht darum, zu bewerten, wie viel Partizipation genau richtig ist. Das hängt von den Umständen der zu treffenden Maßnahmen oder Entscheidungen ab. Ganz wichtig ist allerdings, dass alle Beteiligten dasselbe unter Partizipation verstehen und dass sich die Erwartungen der TeilnehmerInnen mit den Angeboten decken. Wenn MitarbeiterInnen davon ausgehen, dass sie mitbestimmen dürfen, dann aber lediglich um ihre Einschätzung gebeten werden, ist böses Blut garantiert.

Natürlich hat es viele Vorteile, wenn ich Betroffene, ob in der Gemeinde, im Unternehmen oder in der Schule bei Entscheidungen mit ins Boot hole. Das führt, wenn es richtig gemacht wird, zu einer höheren Identifikation mit Lösungen und damit zu besseren, verbindlicheren und nachhaltigeren Beschlüssen. Umgekehrt können partizipative Prozesse langwierig sein, falsche Erwartungen wecken und, wenn sie scheitern oder zu hochschwellig angesetzt sind, zu Frustration führen.

Welche Methoden für einen partizipativen Prozess am besten passen, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Gruppengröße, der Zeit- und Raumressourcen und natürlich vom Ziel ab. Dazu werden Sie vielleicht in dem einen oder anderen Blog-Beitrag fündig, ganz sicher aber in unseren Seminaren.

Lesetipp: Gaby Straßburger/Judith Rieger (Hg.): Partizipation kompakt – Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe, Weinheim und Basel: Beltz Juventa 2014.

 

Die Basis guter Moderation

Für eine gute Moderation  muss man weder die teuerste Moderationsausstattung besitzen noch die edelste Pinnwand oder die neueste Brainwriting-Software einsetzen. Wer eine Gruppe erfolgreich, nämlich zielgerichtet und teamorientiert, durch einen Arbeitsprozess führt, braucht vor allem eines: ein solides Wissen darüber, was seine wichtigsten Aufgaben sind. Zehn davon haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Eine gute Moderatorin bzw. ein guter Moderator …

aufloesung_800x445moderation_aufgaben

  1. schafft den geeigneten Rahmen für den Arbeitsprozess
  2. kennt Methoden, um die Potenziale der Teilnehmenden in der Gruppe bestmöglich zu nutzen
  3. wählt die richtigen Methoden, um das Ziel zu erreichen
  4. hält den roten Faden
  5. achtet auf die Zeit
  6. ist für die Struktur und den Ablauf verantwortlich
  7. ist allparteilich
  8. erkennt Störungen als Stopp-Signal und gibt ihnen Vorrang
  9. achtet auf die Energie der Gruppe
  10. dokumentiert den Arbeitsprozess/die Ergebnisse

Wenn Sie diese Fertigkeiten der Moderation erlernen, vertiefen oder um weitere hilfreiche Moderationsmethoden ergänzen möchten, besuchen Sie unser
Moderationsseminar.

 

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