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Auf den Punkt gebracht

punktVon i-Punkt, G-Punkt, großen und kleinen Buchstaben.

Dass Substantive – oder, wie der Volksschulmund so schön sagt, Nomen oder Namenwörter – großgeschrieben werden, weiß jedes Kind. So manche/r Erwachsene hat auch schon gehört, dass das auch für Wörter gilt, die keine Substantive, aber Teil einer substantivierten Verbindung sind, das Auf-Facebook-Versandeln zum Beispiel oder die Ich-räum-gleich-auf-Lüge. Klar soweit? Logisch! Die Präposition, das Fürwort oder auch das Verb steht ja am Anfang einer Verbindung, die insgesamt als Substantiv gilt, also schreibe ich sie groß.

Warum aber, warum nur, schreibt man denn dann: der i-Punkt? Oder das km-Geld? Aus Bosheit? Weil das wieder einmal bestätigt, wie unlogisch doch die Rechtschreibregeln sind? Mitnichten. Es gibt eine Logik! Nicht immer aber erkennt man diese auf den ersten Blick, sondern braucht ein bisschen Hintergrundwissen:

i-Punkt: Der i-Punkt sitzt nur auf dem kleinen i. Wie logisch wäre es da, ihn dem Großbuchstaben anzudichten?

km-Geld: Die Abkürzung für Kilometer ist nun einmal – unveränderlich! – km und nicht Km. Deswegen heißt es, wenn man denn die Abkürzung verwenden will, km-Geld und nicht Km-Geld. Besser wäre es allerdings, Kilometergeld zu schreiben!

T-Shirt: Die Form des T-Shirts wurde dem großen T nachempfunden, nicht dem kleinen. Daher ist es das T-Shirt und eben nicht das t-Shirt!

G-Punkt: Der heißt nicht etwa so, weil die weibliche Anatomie der eines großen G gleichen würde, sondern weil er nach dem deutschen Arzt Ernst Gräfenberg benannt ist, dessen wissenschaftlicher Forschungsgegenstand die weiblichen Geschlechtsorgane waren. Man möge ihm das große G als Abkürzung gönnen.

Und um noch einmal zum Punkt zu kommen: Das Wort punkto ist eine Präposition, diese schreibt man klein. Kommt aber jemand um Punkt zwölf Uhr, kann man sich nicht darauf verlassen, dass das Wort Punkt hier adverbial verwendet und daher kleingeschrieben wird. Das war zwar einmal so – aber dann kam die Reform! Da schlägt’s dreizehn! Kann man sich denn auf gar nichts verlassen? Nun ja, die Reform wollte die Regeln vereinfachen. Und die neue lautet: Substantive, die Bestandteile fester Wendungen sind, werden immer großgeschrieben. Und Punkt in Verknüpfung mit einer Uhrzeit bildet eine solche. Somit heißt es Punkt zwölf Uhr. Punktum.


Mehr davon?

Lesen Sie auch unseren Beitrag über Doppelpunkte.

Und wenn Sie all das nicht aus einem Blog lernen wollen, sondern live, in gemütlicher Atmosphäre und von den WORT & WEISE-TrainerInnen persönlich, dann besuchen Sie unser Seminar „Richtig schreiben, Fehler vermeiden“.

 

Wie weiter nach dem Doppelpunkt?

SemikolonSo haben es viele in der Schule gelernt: „Nach einem Doppelpunkt schreibt man doppelt so groß!“
Leider ist dieser Merksatz nicht nur schlecht, sondern auch noch falsch. Denn es gibt zahlreiche Fälle, in denen man nach diesem Satzzeichen, auch Kolon genannt, klein weiterschreibt.

Da es in Zeitschriften, im Internet und in zahlreichen Schularbeitsheften selbst von Lehrenden immer und immer wieder falschgemacht wird, hier noch einmal für alle die Regel, die man sich mit zwei einfachen Beispielsätzen merken kann:

  • Das muss man wissen: Man schreibt groß weiter, wenn auf den Doppelpunkt ein ganzer Satz folgt.
  • In diesem Fall schreibt man klein: bei einzelnen Wörtern oder wenn ein Satzteil folgt.

Kleine Einschränkung: Nomen schreibt man natürlich weiterhin groß. Und wenn der Doppelpunkt eine direkte Rede einleitet, zweifeln Sie doch gewiss nicht daran, dass man auch hier in jedem Fall groß weiterschreibt!

Wer immer noch skeptisch ist oder einfach mehr wissen will: Auf zum Duden, und zwar hier zum Doppelpunkt oder hierhin zur Groß- und Kleinschreibung unter D 93, Punkt 2.

Eine lehrreiche Leerzeichen-Geschichte

leerzeichenEs war einmal ein kleines Leerzeichen namens Spacey, das hüpfte fröhlich durch alle Texte. Es setzte sich zwischen z. und B., es ließ sich zwischen u., s. und w. gemütlich nieder und fühlte sich in Tabellen vor Prozentzeichen so richtig wohl. Als im Laufe der Jahre immer mehr Texte im Internet erschienen, stellte es mit Entsetzen fest, dass es zunehmend aus Texten verschwand, statt z. B. war z.B. zu lesen und die Menschen dachten: Tja, wenn in den englischen Texten kein Leerschritt vor einem Prozentzeichen gemacht wird, wieso sollte es im Deutschen anders sein?

Da wurde das Leerzeichen von verzweifelter Wut gepackt. Es wollte sich nicht so einfach verbannen lassen, egal, was die Gründe waren – es hatte nämlich gehört, es würde nicht mehr gebraucht, weil es im Netz keine Möglichkeit gebe, das Leerzeichen gegen Zeilenumbrüche zu schützen –, es würde sich rächen. Und so beschloss es, sich andernorts niederzulassen, wenn man ihm schon seinen angestammten Platz streitig machte. „Ha!“, frohlockte es, „ich krall‘ mir die Markennamen und die zusammengesetzten Hauptwörter. Wenn die Menschen schon denken, man würde alles so machen wie im Englischen, etwa Abstände vor Prozentzeichen weglassen oder falsche Anführungszeichen verwenden, dann können sie zusammengesetzte Wörter auch gleich auseinanderschreiben.“ Anfangs wagte es sich nur zwischen deutsche und englische Wörter, Multiple-Choice-Test wurde zum Multiple Choice Test und PR-Management wurde zu PR Management. Von Mal zu Mal wuchs der Mut, und flugs setzte sich das Leerzeichen auch zwischen die Delikatess-Gurken, zwischen den Drei-Liter-Motor, mitten in die Damentoilette und ins Megakino.

Kaum jemand schien sich daran zu stoßen, am wenigsten die Schreibenden und die Leser. Doch einer grollte gewaltig. Es war Divis, der Bindestrich. „Verdammt nochmal“, grummelte er, „wo kommt auf einmal dieses Deppen-Leerzeichen her und versucht, mich zu verdrängen?“ Da beschloss er, sich ebenfalls wichtig zu machen. Er begann, nicht nur Wortverbindungen verschiedener Wortart und Eigennamen in Verbindungen zu verkuppeln, er fand, er könnte gut und gern auch statt der Zusammenschreibung verwendet werden. So war er plötzlich in der Marillen-Marmelade zu finden, im Herz-Infarkt und in der Handy-Hülle, die früher einfach ein Wort gewesen waren. Damit nicht genug, begann er schließlich, sich auch in der Ansichtskarte (Ansichts-Karte) oder im Sterbenswörtchen (Sterbens-Wörtchen) wohl zu fühlen.

Kaum jemanden schien das zu stören, wäre da nicht das Fugen-S gewesen, das nun seinerseits begann, Rachepläne zu schmieden. Wen wird das Fugen-S verdrängen? Wer wird dann zum Vergeltungsfeldzug blasen?

Beenden Sie den Krieg der Zeichen! Wenn Sie es allen recht und vor allem richtig machen wollen, dann

  • fügen Sie bei Abkürzungen wie u. s. w. oder z. B. sowie vor Prozent- oder Paragraphenzeichen ein geschütztes Leerzeichen als Abstand ein. In Word finden Sie es mit der Tastenkombination Steuerung+Shift+Leertaste. Es wird durch einen kleinen Ring marktiert. Manche Programme bieten auch ein halbes Leerzeichen an – ein Kompromiss, der auch noch hübsch aussieht.
    Im Netz sollten Sie vor allem dann ein Leerzeichen setzen, wenn Sie in einer Html-Ansicht editieren können; sie lösen das geschützte Leerzeichen mit der Zeichenkette  &nsbp;  aus. Wenn Sie hingegen keinen Einfluss auf die Formatierung haben, etwa beim Posten in sozialen Medien, ist das Verzichten auf Abstände verzeihlich.
  • Schreiben Sie Wörter der deutschen Sprache, die Sie verbinden wollen, einfach zusammen; und wenn Sie Eigennamen oder fremdsprachliche Wörter mit einem deutschen zusammenfügen wollen oder lange Wortverbindungen wie das Aus-der-Haut-Fahren schaffen wollen, koppeln Sie den gesamten Ausdruck mit Bindestrichen durch.
  • Lassen Sie dem Fugen-S seine Funktion, Wörter zu verbinden. Es schafft das schon – ganz ohne Divis.

Wenn Sie all das nicht interessiert oder überfordert, Sie aber bei der schriftlichen Komunikation dennoch wert auf Qualität legen, dann überlassen Sie Ihre Texte doch ganz einfach uns. Wir machen das gerne und wir machen das gut. Melden Sie sich bei uns!

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Warum schreibt man Stegreif nicht mit H?

Warum schreibt man Stegreif nicht mit H?

steigbuegel2Wie leicht wären Dinge zu verstehen, wenn die einfachste Erklärung auch immer die richtige wäre. Das betrifft übrigens nicht nur sprachliche oder grammatikalische Fragen. Um einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen, hilft es oft, sich damit zu befassen, wo ein Gedanke, ein Brauch oder eben auch ein Wort seinen Ursprung hat.

Also, warum schreibt man Stegreif nicht mit H? Wäre doch logisch: Wenn ich etwas im Stegreif mache, dann improvisiere ich und erledige es spontan und ohne große Vorbereitung, gerade so, als würde ich ohne Bewegung, also im Stehen, etwas greifen.

So einfach, so falsch. Geht man nämlich dem Ursprung des Wortes im Althochdeutschen nach, stößt man auf stigan für steigen und auf reif für ein dünnes Seil bzw. eine Seilschlinge, die man zum Aufsteigen benutzte – ein anderes Wort für Steigbügel. Man schreibt Stegreif also nicht mit H, weil das Wort nicht von Stehen kommt, wie es sich anbieten würde, sondern von Steigen – die Verwandtschaft ist heute noch im Wort Steg erkennbar.
Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem Alp- oder auch Albtraum, der sich von den geisterhaften Alben herleitet, die die Schlafenden drücken, oder dem Blutegel, der vielleicht Ekel erregt, aber nicht mit diesem verwandt ist, sondern vielmehr mit der griechischen Bezeichnung für eine kleine Schlange. Nicht alles, was naheliegt, ist somit die richtige Erklärung. Nur selten lässt sich diese ganz spontan finden – aus dem Stegreif, sprachgeschichtlich gesehen also vom Pferd aus, noch im Steigbügel, ganz ohne abzusteigen.

Als alter Pferdenärrin gefällt mir dieses Bild natürlich viel besser als die nächstbeste Erklärung. Und als Schreibtrainerin auch – schlicht weil es das korrekte Bild ist. Eines, das den Ursprung berücksichtigt. Dass solcherart Forschen nach der Quelle oder den Beweggründen meist zu tieferem Verständnis führt, trifft übrigens nicht nur auf sprachliche Fragen zu.

Mehr, viel mehr solche Tipps erwarten Sie in unseren Schreibcoachings und Schreibseminaren.

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