Eine lehrreiche Leerzeichen-Geschichte

leerzeichenEs war einmal ein kleines Leerzeichen namens Spacey, das hüpfte fröhlich durch alle Texte. Es setzte sich zwischen z. und B., es ließ sich zwischen u., s. und w. gemütlich nieder und fühlte sich in Tabellen vor Prozentzeichen so richtig wohl. Als im Laufe der Jahre immer mehr Texte im Internet erschienen, stellte es mit Entsetzen fest, dass es zunehmend aus Texten verschwand, statt z. B. war z.B. zu lesen und die Menschen dachten: Tja, wenn in den englischen Texten kein Leerschritt vor einem Prozentzeichen gemacht wird, wieso sollte es im Deutschen anders sein?

Da wurde das Leerzeichen von verzweifelter Wut gepackt. Es wollte sich nicht so einfach verbannen lassen, egal, was die Gründe waren – es hatte nämlich gehört, es würde nicht mehr gebraucht, weil es im Netz keine Möglichkeit gebe, das Leerzeichen gegen Zeilenumbrüche zu schützen –, es würde sich rächen. Und so beschloss es, sich andernorts niederzulassen, wenn man ihm schon seinen angestammten Platz streitig machte. „Ha!“, frohlockte es, „ich krall‘ mir die Markennamen und die zusammengesetzten Hauptwörter. Wenn die Menschen schon denken, man würde alles so machen wie im Englischen, etwa Abstände vor Prozentzeichen weglassen oder falsche Anführungszeichen verwenden, dann können sie zusammengesetzte Wörter auch gleich auseinanderschreiben.“ Anfangs wagte es sich nur zwischen deutsche und englische Wörter, Multiple-Choice-Test wurde zum Multiple Choice Test und PR-Management wurde zu PR Management. Von Mal zu Mal wuchs der Mut, und flugs setzte sich das Leerzeichen auch zwischen die Delikatess-Gurken, zwischen den Drei-Liter-Motor, mitten in die Damentoilette und ins Megakino.

Kaum jemand schien sich daran zu stoßen, am wenigsten die Schreibenden und die Leser. Doch einer grollte gewaltig. Es war Divis, der Bindestrich. „Verdammt nochmal“, grummelte er, „wo kommt auf einmal dieses Deppen-Leerzeichen her und versucht, mich zu verdrängen?“ Da beschloss er, sich ebenfalls wichtig zu machen. Er begann, nicht nur Wortverbindungen verschiedener Wortart und Eigennamen in Verbindungen zu verkuppeln, er fand, er könnte gut und gern auch statt der Zusammenschreibung verwendet werden. So war er plötzlich in der Marillen-Marmelade zu finden, im Herz-Infarkt und in der Handy-Hülle, die früher einfach ein Wort gewesen waren. Damit nicht genug, begann er schließlich, sich auch in der Ansichtskarte (Ansichts-Karte) oder im Sterbenswörtchen (Sterbens-Wörtchen) wohl zu fühlen.

Kaum jemanden schien das zu stören, wäre da nicht das Fugen-S gewesen, das nun seinerseits begann, Rachepläne zu schmieden. Wen wird das Fugen-S verdrängen? Wer wird dann zum Vergeltungsfeldzug blasen?

Beenden Sie den Krieg der Zeichen! Wenn Sie es allen recht und vor allem richtig machen wollen, dann

  • fügen Sie bei Abkürzungen wie u. s. w. oder z. B. sowie vor Prozent- oder Paragraphenzeichen ein geschütztes Leerzeichen als Abstand ein. In Word finden Sie es mit der Tastenkombination Steuerung+Shift+Leertaste. Es wird durch einen kleinen Ring marktiert. Manche Programme bieten auch ein halbes Leerzeichen an – ein Kompromiss, der auch noch hübsch aussieht.
    Im Netz sollten Sie vor allem dann ein Leerzeichen setzen, wenn Sie in einer Html-Ansicht editieren können; sie lösen das geschützte Leerzeichen mit der Zeichenkette  &nsbp;  aus. Wenn Sie hingegen keinen Einfluss auf die Formatierung haben, etwa beim Posten in sozialen Medien, ist das Verzichten auf Abstände verzeihlich.
  • Schreiben Sie Wörter der deutschen Sprache, die Sie verbinden wollen, einfach zusammen; und wenn Sie Eigennamen oder fremdsprachliche Wörter mit einem deutschen zusammenfügen wollen oder lange Wortverbindungen wie das Aus-der-Haut-Fahren schaffen wollen, koppeln Sie den gesamten Ausdruck mit Bindestrichen durch.
  • Lassen Sie dem Fugen-S seine Funktion, Wörter zu verbinden. Es schafft das schon – ganz ohne Divis.

Wenn Sie all das nicht interessiert oder überfordert, Sie aber bei der schriftlichen Komunikation dennoch wert auf Qualität legen, dann überlassen Sie Ihre Texte doch ganz einfach uns. Wir machen das gerne und wir machen das gut. Melden Sie sich bei uns!

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