Kategorie-Archiv: Texten

Dreierfigur – ein magisches Stilmittel

Was ist eine Dreierfigur? Wie wirkt sie? Und wie baut man sie?

Gut, besser, Gösser - eine wirklich gelungene Dreierfigur.Soeben haben wir ein Youtube-Video zur wunderbaren Ukraine-Rede von Arnold Schwarzenegger an das russische Volk abgeschlossen. Darin zeigen wir, dass seine Ansprache so berührt, weil er sich viel Zeit nimmt, um eine Beziehung zur Zielgruppe aufzubauen, gekonnt Storytelling einsetzt und einige rhetorische Stilmittel einbaut. Eines davon, die Dreierfigur, haben wir in Schwarzeneggers Ansprache gleich sieben Mal gefunden. Was ist und was kann dieses Stilmittel, dass es so einen prominenten Platz einnimmt?

Ein Wort, ein Satzteil, ein Satz

Trikolon leitet sich aus den altgriechischen Wörtern tri und kolon ab. Ersteres heißt, wenig überraschend, drei, zweiteres ist eine semantische und rhythmische Einheit. Ein Kolon kann aus einem einzigen Wort, aus mehreren Wörtern oder auch aus einem ganzen Satz bestehen; dementsprechend sind manche Dreierfiguren kurz (Schwarzenegger: „Your lives, your limbs, your futures“), andere recht lang (Schwarzenegger: „You are my new heroes. You have the strength of Yuri Petrovich Vlasov. You have the true heart of Russia.“)

Wenn Sie die beiden Beispiele in den Klammern laut lesen, werden sie die Magie dieses Stilmittels sofort spüren. Da fehlt nichts, mit drei Elementen ist, richtig gesetzt, alles gesagt. Das ist keine neue Erkenntnis. Drei ist von alters her und in vielen Kulturen eine besondere Zahl, die das Abgerundete, Perfekte oft auch Göttliche symbolisiert. Denken wir im Christentum an die Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und heiligem Geist oder die heiligen drei Könige, im Hinduismus dreht sich alles um die drei Götter Brahma, Vishnu und Shiva, bei den alten Griechen hatten die Götter Zeus, Poseidon und Hades das Sagen und Feen gewähren üblicherweise drei Wünsche – um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Eins, zwei, drei – die Zahl der Elemente

Während ein Element in einem Satz üblicherweise Kraft und Klarheit vermittelt – Ich habe einen Traum, Just do it, Nein – und zwei Elemente für Vergleich und Kontrast stehen – Hänsel und Gretel, Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus, Have a break, have a Kit Kat. –,  vermittelt die Zahl Drei Vollständigkeit und Vollkommenheit. Verliebt, verlobt, verheiratet, Ich kam, ich sah, ich siegte. oder Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gehen ins Ohr und sind auf rhythmische Art einprägsam.

Gekreuzigt, gestorben und begraben

Dem Rhythmus der Dreierfigur wohnt eine Magie inne, der wir in vielen Gebeten und Sprüchen begegnen, etwa im Glaubensbekenntnis: „ empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus“ heißt es da und gleich weiter: „gekreuzigt, gestorben und begraben“. Das ganze Glaubensbekenntnis ist eine einzige Aneinanderreihung von Dreierfiguren.  Wer es weltlicher und doch magisch mag: Bei Harry Potter lernen wir, was es zum Apparieren, für einen magischen Ortswechsel, braucht: „Ziel, Wille, Bedacht“. Und noch zwei ganz und gar säkulare Beispiele aus der Werbung: Rittersport-Schokolade warb einst mit „quadratisch, praktisch, gut“ und ein österreichischer Bierhersteller setzte sein Produkt gar an die Stelle des Superlativs: „Gut, besser, Gösser“.

Wenn Sie also Texte schreiben oder eine Rede vorbereiten, dann setzen Sie das Trikolon bewusst ein: dort, wo es gut klingen soll, vor allem aber dort, wo Sie ein wenig Magie erzeugen möchten. So, wie es Schwarzenegger tut, wenn er fast am Ende seiner Rede drei Sätze an Präsident Putin richtet: „You started this war. You are leading this war. You can stop this war.“

Hier noch einmal der Link zu unserem Video.

Wenn Sie mehr solche Tipps suchen, dann ist vielleicht eines unserer Seminare etwas für Sie.

Anschaulich schreiben: Cyranos Nasen-Monolog zeigt, wie´s geht

Kann uns ein über 120 Jahre alter Text zeigen, wie wir im digitalen Zeitalter lebendig und anschaulich schreiben? Ja! Cyrano von Bergeracs Nasen-Monolog zum Beispiel ist zeitlos gut. Wir zeigen, warum.

Cyrano und Valvert während des berühmten Nasen-Monologs

Die meisten werden, wenn sie Cyrano de Bergerac hören, an Gérard Depardieu denken, wie er in der Verfilmung aus dem Jahr 1990 zu Höchstform auflief. Das Versdrama schrieb der Franzose Edmond Rostand allerdings schon im Jahr 1897. Uns soll hier der berühmte Nasen-Monolog als Beispiel dienen. Er beginnt damit, dass ein gewisser Valvert versucht, den tatsächlich mit einer sehr großen Nase ausgestatteten Cyrano zu beleidigen. Er tut das auf eine sehr direkte Art und Weise:

Valvert: „Ei, Sie haben eine sehr … sehr lange Nase.“

Was nun folgt, ist ein Redeschwall, der stakkatoartig Bilder und unterschiedliche sprachliche Herangehensweisen variiert. Hier der Text als Grundlage. Sie können ihn natürlich überspringen und mit meinen Ausführungen am Ende beginnen. Idealerweise aber lesen Sie ihn sich erst einmal (laut) durch:

Cyrano de Bergerac:
Das war etwas mager.
Fällt ihnen nichts mehr ein? – Mir vielerlei,
Und auch die Tonart lässt sich variieren!
Ausfallend: „Trüg ich diese Nasenmasse,
Ich ließe sie sofort mir amputieren.“
Freundlich: „Trinkt sie nicht mit aus ihrer Tasse?
Aus Humpen schlürfen sollten Sie die Suppe.“
Beschreibend: „Felsgeklüfte, Berg und Tal,
Ein Kap, ein Vorland, eine Inselgruppe.“
Neugierig: „Was ist in dem Futteral?
Ein Schreibzeug oder eine Zuckerzange?“
Anmutig: „Sind Sie Vogelfreund, mein Bester,
Und sorgten väterlich mit dieser Stange
Für einen Halt zum Bau der Schwalbennester?“
Zudringlich: „Wenn Sie Tabak rauchen
Und ihr der Dampf entsteigt zum Firmament,
Schreit dann die Nachbarschaft nicht laut: ,Es brennt‘?“
Warnend: „Sie sollten große Vorsicht brauchen;
Sonst zieht das Schwergewicht Sie noch kopfüber.“
Zartfühlend: „Spannen Sie ein Schutzdach drüber;
Weil sonst im Sonnenschein sie bleichen muss.“
Pedantisch: „Das aristophanische Tier
Hippokampelephantokamelus
Trug ganz unfraglich gleiche Nasenzier.“
Modern: „Wie praktisch diese Haken sind,
Um seinen Hut dran aufzuhängen!“
Begeistert: „Wenn sie niest im scharfen Wind,
Braucht nur ein Teil von ihr sich anzustrengen.“
Tragisch: „Ein Turm von Babel, wenn sie schwillt!“
Bewundernd: „Für Odeur welch Aushängschild!“
Lyrisch: „Ist dies die Muschel des Tritonen?“
Naiv: „Wann wird dies Monument besichtigt?“
Respektvoll: „Wird nicht ein jeder Wunsch beschwichtigt
Durch solch ein Häuschen zum Alleinbewohnen?“
Bäurisch: „Potz Donnerschlag, was sagst du, Stoffel?
Zwergkürbis oder riesige Kartoffel?“
Soldatisch: „Dies Geschütz ist schwer beweglich.“
Geschäftlich: „Haben Sie vielleicht im Sinn,
Sie zu verlosen – erster Hauptgewinn?“
Zuletzt im Stil des Pyramus, recht kläglich:
„Weil sie das Gleichmaß im Gesicht getötet,
Ist sie voll Schuldbewusstsein und errötet.“

Cyrano setzt also der sehr schlichten Behauptung oder Beobachtung, sein Gegenüber habe eine große Nase, ein Feuerwerk von Möglichkeiten entgegen, wie man diese Tatsache kreativer und spannender formulieren hätte können.

Was ist es nun, was den Nasen-Monolog so anschaulich macht?

Zunächst einmal arbeitet er mit Metaphern und Bildern. Hier bringt er als Vergleich Gegenständige ins Spiel, dort wieder Landschaften oder alltägliche Tätigkeiten. Damit verändert er auch in jedem Beispiel die Perspektive der Betrachtung: In einer Variante stellt er in den Raum, was er mit so einer Nase tun würde, dann fragt er, wie es dem Gegenüber damit gehe, oder er stellt die Nase selbst als Subjekt ins Zentrum. Damit können wir auch in Gebrauchstexten des Alltags arbeiten.

Ein wichtiges Stilelement bei Cyrano alias Rostand sind Fragen, etwa: „Trinkt sie nicht mit aus Ihrer Tasse? Was ist in dem Futteral? Wann wird dies Monument besichtigt?“
Fragen sprechen und regen unsere Zielgruppe direkt an. Sie machen aus einem Monolog einen Dialog. Nutzen wir sie!

Cyranos Bilder sind sehr konkret, er vergleicht die Nase nicht mit Gemüse, einem Sammelbegriff, sondern bringt gleich konkrete Beispiele wie „Zwergkürbis oder riesige Kartoffel“, und er argwöhnt nicht nur, dass Dinge in der Nase Platz hätten, sondern er vermutet „Schreibzeug oder eine Zuckerzange“ darin. Konkretes ist immer einprägsamer als Verallgemeinerungen, auch heute noch!

Der Text setzt auf aktive Verben (Zeitwörter), die etwas bewegen und für sich schon Bilder schaffen. Während Valvert in seiner ersten Provokation lediglich auf das Zeitwort „ist“ setzt, greift Cyrano in seinem Nasen-Monolog alleine in den ersten Versen auf Wörter zurück wie „tragen“, „amputieren“, „trinken“ oder „schlürfen“. Das gibt seinem Pamphlet Kraft – und auch jedem heutigen Text, sei es ein Social-Media-Post oder ein Newsletter.

Valverts Beleidigung beruht auf einem einzigen Adjektiv (Eigenschaftswort), nämlich „lang“, Cyranos Beispiele kommen beinahe ohne solche aus. Das Geheimnis liegt in dem kurzen Tipp: Show, don´t tell! Wenn es die Möglichkeit gibt, etwas mit Worten zu zeigen, dann sollten wir es tun – und nicht auf die vielleicht kürzere, aber langweilige Variante zurückgreifen, es einfach nur zu sagen. Zeigen Sie Ihren Leser*innen, was sie meinen, indem Sie Bilder schaffen und Auswirkungen beschreiben; bedienen Sie damit alle Sinne, dann wirken Ihre Texte gleich viel tiefer.

Natürlich ließen sich noch viele zusätzliche Stilmittel ausmachen, etwa die wohlklingende Dreierfiguren „Felsgeklüfte, Berg und Tal“ und „ein Kap, ein Vorland, eine Inselgruppe“, der Ausruf „Potz Donnerschlag“ oder die Reimform. Machen Sie sich mit Stilmitteln vertraut und nützen Sie jene, die Ihnen gefallen: Sie sind der Türöffner für individuelle Texte.

Und schließlich: Es stimmt nicht ganz, dass der Text mit Adjektiven geizt. Rostand lässt Cyrano jedem Beispiel ein Eigenschaftswort voranstellen, das die Richtung vorgibt. Uns zeigt er damit, wie nuanciert wir Sprache einsetzen können, je nach Ziel, Zielgruppe und Textsorte. Soll Ihr Text „respektvoll“ formuliert sein, soll er „freundlich“ klingen oder „warnend“? Für all das warten irgendwo die richtigen Worte. Nur eines sollten sie nie sein: fad.

Sie können sich den Text auch anhören ab Minute 1:35 unter: https://youtu.be/cgHW6fga4k4?t=95

Der oben genannte Nasen-Monolog ist aus:
Edmond Rostand: Cyrano von Bergerac, Stuttgart: Reclam, 1977 (Original: 1897)

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Filme zum Thema Schreiben

6 Filme rund um das Thema Schreiben

Es gibt viele Wege, sich dem Thema Schreiben zu nähern – einer ist, sich Spielfilme dazu anzusehen. Hier eine Auswahl von Filmen, die wir wirklich empfehlen können.

Club der toten Dichter (1989): Robin Williams legt sich als Literatur-Professor an einem britischen Elite-College mit dem Establishment an und macht dabei Lust auf englische Lyrik.
Ein Klassiker. Wer dabei nicht weint, hat kein Herz.
Trailer von Club der toten Dichter
Der Club der Toten Dichter
Cyrano von Bergerac (1990): Ein sprachmächtiger Klassiker von Edmond Rostand aus dem Jahr 1897, verfilmt mit Gerard Depardieu. Allein der Monolog zu den vielen vergebenen Chancen, wie sein Widersacher Valvert Cyranos Nase hätte beleidigen können, ist das Ansehen wert.
Trailer von Cyrano von Bergerac (Englisch)
Cyrano von Bergerac
Forrester – Gefunden (2000): Sean Connery als alter, verschrobener Autor eines einzigen Bestsellers hilft einem farbigen Jungen aus der Bronx, sein Schreibtalent zu entwickeln und sich in der Welt der Weißen zu behaupten. Im Endeffekt profitieren beide von der Freundschaft.
Große Empfehlung!
Trailer von Forrester
Forrester – Gefunden
Schräger als Fiktion (2006): Ein Mann entdeckt, dass er die Romanfigur einer Schriftstellerin (Emma Thompson) mit Schreibblockaden ist, die seinen Tod plant. Das findet er nicht so gut.
Wie der Titel schon verrät: schräg.
Trailer von Schräger als Fiktion
Schräger als Fiktion
Paterson (2016): Jim Jarmuschs Meisterwerk über einen Busfahrer, der seine Liebe zur Poesie entdeckt. Es passiert nicht viel, das aber zwischen und in den Zeilen.
Langsam, leise, wunderschön!
Trailer von Paterson
Paterson
El Autor (2017): In dieser spanischen Drama-Komödie stellt ein angehender Schriftsteller fest, dass die besten Szenen und Dialoge die realen sind. Die Suche danach entgleitet.
Unterhaltsam und eigenwillig – mit überraschendem Ende.
Trailer von El Autor (Spanisch)
El Autor

 

 

 

 

 

Ein Satz – eine Aussage, ein Absatz – ein Gedanke

Von einer bestechend einfachen Regel, die Struktur und Ordnung in Ihren Text zaubert es geht um Sätze und Absätze.

Es gibt viele Arten von Absätzen. Diese hier sind dekorativ, aber nicht Thema des Blog-Artikels.Dieser Blogbeitrag beginnt mit einem Satz. Er ist, wie auch dieser zweite Satz, recht kurz. Jetzt lesen Sie schon den dritten Satz und Sie fragen sich vielleicht, wohin das alles führen soll. Danke fürs Durchhalten, immerhin schon vier Sätze und fast einen ganzen Absatz lang. Damit haben Sie mit den einzelnen Sätzen auch verschiedene Aussagen gelesen und mit dem ganzen Absatz einen groben Gedanken.

Verwirrt? Das liegt vielleicht daran, dass Sie zwar wie jeder des Schreibens kundige Mensch mit Sätzen und Absätzen arbeiten, sich aber noch nie oder schon sehr lange keine Gedanken mehr darüber gemacht haben. Dabei ist der bewusste Einsatz von Sätzen und Absätzen die einfachste Form, einen Text zu gliedern und damit unsere Leser und Leserinnen zu führen. Eine gute Gliederung gehört zu den wichtigsten Kriterien für einen verständlichen Text. Und Verständlichkeit streben wir hoffentlich alle an, wenn wir nichts zu verbergen haben.

Darauf sollten Sie bei den Sätzen achten

Verständliche Sätze sind kurz bis mittelang. Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat einmal für Presseaussendungen 20 Wörter als empfohlene und 30 als erlaubte Obergrenze angegeben. Das ist schon sehr streng, aber lesen Sie den zweiten Satz im zweiten Absatz dieses Textes durch: Er hat 32 Wörter. Und ist er nicht schon deutlich schwerer zu verstehen als der Rest?

Oder Sie halten sich an diese Regel: nämlich nur eine Aussage pro Satz zu transportieren. Damit bleiben Sie klar. Viele Nebensätze und wirre Satzkonstruktionen passieren, weil der Autor oder die Autorin zu viel vor den Punkt packen wollte. Schön, wenn es viel zu sagen gibt, aber hintereinander, bitte!

Und das hilft bei der Wahl der Absätze

Mehrere Sätze oder Aussagen bilden einen Absatz, und der wiederum sollte nur einen Gedanken wiedergeben. Vielleicht ist das Wort Gedanke etwas irreführend, gemeint ist ein kohärenter Abschnitt des Textes. Der erste Absatz dieses Blogbeitrags ist natürlich die Einleitung, sie soll neugierig machen und in diesem Fall ein Beispiel liefern. Der zweite Abschnitt wird konkreter und führt zum Thema Verständlichkeit. Dann kommen zwei Absätze mit konkreten Tipps zu Sätzen und Absätzen. Die Abschnitte folgen logisch aufeinander und bilden für sich gedankliche Einheiten. Wie lange ein Absatz sein darf, ist schwer zu sagen, weil es vom Gesamttext abhängt: Ich würde sagen, 20 Zeilen sind schon recht viel. (Ein umgekehrter Zusammenhang zwischen Satzlänge und Absatzlänge, wie ihn Pizzera & Jaus besingen, besteht übrigens aus rein stilistischer Sicht nicht.)

Probieren Sie es aus:  Ob Sie nun ein Mail verfassen, einen Text für Ihre Homepage oder einen Artikel, setzen Sie die mächtigen Werkzeuge Sätze und Absätze bewusst und bewusst ein. Und das war der letzte Absatz – und damit zugleich der Schluss.

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3 Tipps für lebendige Verben

Aktive und aussagekräftige Zeitwörter beleben jeden Text. Sie sind die Herzen der Sätze. Hier die drei wichtigsten Tipps, wie Sie den Verben zu ihrem verdienten Platz verhelfen.

Das Verb ist das Herzstück des Satzes., es muss schlagen, pochen und pulsieren.Wären Sätze Organismen, dann entsprächen die Verben den Herzen. Sie müssen schlagen, pochen, wummern, schmerzen und hüpfen – aktiv und lebendig. Keinesfalls sollte man sie einfach nur „haben“, sie sollten nicht „als Pumpe fungieren“ und ganz bestimmt sollten sie nicht passiv „angetrieben werden“.

Beachten Sie diese drei Tipps und hauchen Sie einem blutleeren Text wieder Leben ein:

  1. Schreiben Sie aktiv

Ein Journalist schreibt eine Reportage ist aktiv. Die Reportage wird von einem Journalisten geschrieben oder gar nur Die Reportage wird geschrieben ist passiv.
Ein anderes Wort für das Verb ist „Tunwort“, jemand tut also etwas. Wenn hingegen etwas getan wird, liegt der Fokus auf dem, mit dem etwas geschieht. Das kann sinnvoll sein, wenn es um ein Opfer geht, oder wenn wirklich, wirklich nicht klar ist, wer etwas tut. Meist allerdings greifen wir zum Passiv, weil wir unsicher sind oder zu faul, um konkret zu sein. Und so ersticken da draußen in Mails und Artikeln, in Newsletter und auf Homepages passive Wortungetüme die knappen, schönen Formulierungen wie Efeu eine Rosenhecke.

Passiv ist nichtssagend, uninspiriert und lückenhaft, weil unklar bleibt, wer etwas tut. Wir Lesende wollen erfahren, wer etwas tut, wo sich etwas bewegt und was passiert. Also: Hände weg von werden, es sei denn, es geht um die Zukunft.

  1. Vermeiden Sie Nominalstil

Klaus antwortet Lisa ist Verbalstil. Klaus gibt Lisa eine Antwort Nominalstil, weil ein Nomen, also ein Hauptwort, ins Spiel kommt und dem Verb die Show stiehlt. Aus antworten wurde geben. Texte im Nominalstil sind in der Regel schwerer zu verstehen, sie klingen abgehoben und distanziert. Der Kaiser erteilt die Erlaubnis oder eine Zustimmung, wir aber sollten – wollen wir auf Augenhöhe und verständlich kommunizieren – etwas erlauben und zustimmen. Erstaunt Sie das? Oder versetzt Sie das in Erstaunen?

  1. Nutzen Sie Ihren Sprachschatz

Wir können etwas sagen und manchmal ist dieses neutralste Verb der Kommunikation auch passend. Will ich allerdings Farbe in meinen Text bringen, Bilder zum Leben erwecken und meine Leserschaft unterhalten, dann greife ich auf eine passende Alternative zurück, etwa meinen, unterstreichen oder bestätigen. Zu den hunderten Synonymen für sagen gehören genauso flüstern und schreien, zustimmen und negieren, abschließen und eröffnen, referieren und erläutern. Natürlich passt nicht jedes dieser Wörter für jede Situation, aber genau darum geht es: das richtige zu finden und die gewünschte Aussage damit noch besser zu treffen. Mit nur einem Wort!

Beachten Sie diese drei Tipps und ihr Text wird aufleben. Und nein, das gilt nicht nur in der Literatur, auch in Gebrauchstexten wie Mails oder Jahresberichten sollten die Verben die Herzen der Sätze sein. Und ein Herz muss schlagen. Hört das Herz auf sich zu bewegen, ist der Satz tot.

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Was ist ein Hauptsatz, was ist ein Nebensatz?

Wie man Haupt- und Nebensatz unterscheidet – kurz erklärt.

Der Hauptsatz endet, wo der Nebensatz beginnt. Ein Komma trennt sie.

Es gibt Fragen, die stellt man nicht.
Warum? Weil eine Stimme im Hinterkopf sagt: Damit blamierst du dich! Das müsstest du längst wissen!
Die Frage, was einen Hauptsatz und was einen Nebensatz ausmacht, ist so eine.
Dabei wäre es so praktisch, es zu wissen, wenn man sich etwa mit Kommaregeln beschäftigt oder beschäftigen muss. Schließlich heißt es doch so oft: Das Komma trennt Haupt- und Nebensatz voneinander.
Ups! Und was ist jetzt …?

Deshalb hier kurz und knapp, ein für allemal der Unterschied zwischen Hauptsatz und Nebensatz.

 

Hauptsatz

  • Harry fliegt auf einem Besen.
  • Fliegt Harry auf einem Besen?
  • Flieg schneller, Harry, und fang den Schnatz!
Das macht alle drei Sätze oben zu Hauptsätzen:
  1. Die Bedeutung ist ohne eine weitere Ergänzung erkennbar, der Satz kann alleinstehen. Man braucht also keine Erklärung oder auch Frage davor, um den ganzen Inhalt zu verstehen. Und:
  2. Das Prädikat steht an erster oder zweiter Stelle.
    (Okay, und was ist jetzt ein Prädikat? Das ist das Zeitwort, das sich in Person, Zahl, Zeit verändern lässt und die Hauptaussage des Satzes trägt, also bezeichnet, wer etwas tut. In unserem Beispiel ist das „fliegt“.)

Ich persönlich finde ja, dass das die zweite die klarere der beiden Regeln ist. Denn sobald ein Hauptsatz und ein Nebensatz zusammen ein so genanntes Satzgefüge bilden, ist auf den ersten Blick manchmal gar nicht so klar, wer von den beiden da jetzt ohne weitere Erklärung Sinn ergibt. Halten Sie sich also im Zweifelsfall daran, an welcher Stelle im Satz das Prädikat zu finden ist.

Probieren wir es aus:

Nebensatz

  • Madame Hooch sieht, dass Harry auf einem Besen fliegt.

Madame Hooch ist das Subjekt, sieht ist das Prädikat, es steht an zweiter Stelle. Deshalb ist das der Hauptsatz.
Nach dem Komma steht nun noch etwas, nämlich „dass Harry auf einem Besen fliegt“. Das Prädikat („fliegt“) befindet sich am Ende. Das ist der Gliedsatz oder Nebensatz. Bei einem Nebensatz steht also das Prädikat an letzter Stelle.

Übrigens: Auch wenn wir den Nebensatz vor den Hauptsatz stellen, ist das so.

  • Weil er Draco verfolgt, fliegt Harry auf einem Besen.

Verfolgt steht an letzter Stelle –> Nebensatz.
Fliegt steht an erster Stelle –> Hauptsatz.

Und wenn wir ganz sicher sein wollen, schauen wir genauer hin.

Die Charakteristika eines Nebensatzes sind:
  • Das Prädikat steht an letzter Stelle.
  • Er kann nicht alleinstehen, ohne dass er eingeleitet bzw. ergänzt wird (es fehlt etwas Sinnhaftes). Er heißt auch Gliedsatz, weil er an einen anderen Satz angegliedert ist, in unserem Fall hängt er sich an den Hauptsatz „fliegt Harry auf einem Besen“ an.
  • Es gibt ein Wort, das den Satz einleitet, z. B. ein Bindewort (dass, weil, während …), ein Fragewort (warum, wer …) oder ein Relativpronomen (der, die, welches …)

Wenn jetzt noch Fragen offen sind (das ist der Nebensatz), freuen wir uns darüber in den Kommentaren (das ist der Hauptsatz). 😉

Wer skeptisch ist oder einfach mehr wissen will: Auf zum Duden, und zwar zur genauen Erklärung von Haupt- und Nebensatz:

Viel mehr Antworten auf Fragen zum Thema Rechtschreibung  gibt es im Webinar Rechtschreibung KOMPAKT und Wissenswertes rund ums Schreiben in unseren Spezial-Seminaren und Webinaren zum Thema schriftliche Kommunikation. 
Gern begrüßen wir Sie jederzeit für ein Einzelcoaching  in unserem Wiener Büro im 2. Bezirk. Vereinbaren Sie einfach per Mail einen Termin.

 

Schreiben: Kunst oder Handwerk?

Oder: Kann man schreiben überhaupt lernen?

 

In einem meiner Lieblingsbücher aus Kindheitstagen kämpft sich ein Junge aus allerlei Schwierigkeiten, indem er es mit Unterstützung der Kunstlehrerin schafft, sein kreatives Talent im Modellieren und Töpfern auszuleben.
Seine Mentorin unterscheidet bei den gelungenen Werken in zwei Kategorien: Es gibt die guten Töpfe und die braven. Die braven Töpfe sind technisch einwandfrei gefertigt und erfüllen ihren Zweck. Die guten Töpfe aber, die haben das gewisse Etwas, sie haben Persönlichkeit und sind mehr als nur Töpfe – und das, vermutete ich schon damals, mache Kunst aus.

Schreiben ist wie töpfern

Bei Texten ist es ähnlich: Mag der gute Topf ein literarischer Text sein, einer, der vielleicht weit über die Realität hinausweist, so erfüllt doch auch der brave Topf seinen Zweck. Wenn nun Menschen denken, es hätte keinen Sinn zu versuchen, besser schreiben zu lernen, weil sie ohnehin nicht zum Literaten oder zur Literatin taugen, liegen sie falsch. Denn wenn ein Text technisch einwandfrei gebaut ist und sein Ziel erreicht, sprich: funktional ist, dann ist schon viel erreicht. Gut möglich, dass nicht alle Menschen gleich von der Muse geküsst werden, aber: Um im Alltag bzw. in der Arbeitswelt einen Text zu schreiben, der sein Ziel erfüllt, muss man kein Genie sein. Man darf sich mit einem braven Topf zufriedengeben. Es ist ein Handwerk. Wie das Töpfern: Das Ergebnis kann Kunst sein oder Handwerk. Oder Kunsthandwerk. Schön und zweckdienlich kann ein Topf – und auch ein Text – in beiden Fällen sein.

Nicht auf die Muse warten

Vielleicht kennen auch Sie ganz unterschiedliche Zugänge zum Schreiben, je nach Textziel und Motivation: Wenn einen die Muse küsst, dann kommt es einem vor, als würden Buchstaben und Wörter wie in einem See unter der Oberfläche der Gefühle und Gedanken schwimmen, die man nur wie mit einem kleinen Netz rausfischen und zusammenfügen muss; der Text schreibt sich beinah von selbst. Ein guter Text.

Dann aber wieder hat man den Eindruck, die Buchstaben würden wie eine zähe Masse am Boden des Gedankensees kleben und niemals würden sie in Worten aufs Papier finden; vielleicht hatten auch Sie schon das Gefühl, zu einem bestimmten Thema könnten Sie einfach nichts schreiben, der Text will einfach nicht von der Hand gehen, Sie denken, sie hätten es verlernt oder gar eine Schreibblockade. Dann dürfen Sie nicht auf die Muse warten. Sie müssen es anders angehen.

Der erste Schritt ist ein Eingeständnis: Hier wird vielleicht kein guter Text im Sinne eines literarischen Wunderwerks entstehen. Aber einen braven Text können Sie immer noch schaffen. Und das ist – gut!

Der zweite Schritt: Überlegen Sie, wer den Text lesen soll und warum. Sie können dazu auch die drei Fragen beantworten, das hilft.

Der dritte Schritt: Sie schreiben eine Rohfassung: ein paar Gedanken einfach mal wie in eine Wühlkiste packen, ohne an vollendeten Stil zu denken.

Der vierte Schritt: Die Rohfassung in Form bringen: eine Gliederung schaffen und stilistisch feilen. Um das zu tun, hilft es, Regeln für Verständlichkeit und guten Stil zu kennen. Doch diese sind erlernbar (zum Beispiel bei uns) – so, wie die Grundregeln beim Kochen erlernbar sind.

Der letzte Schritt: Noch einmal drüberlesen (lassen) und erstens prüfen, ob der Text das enthält, was Sie ursprünglich sagen wollten. Und zweitens Fehler finden. Vielleicht müssen Sie auch noch einen Absatz ergänzen, damit es logisch wird, oder ein paar Wörter streichen.

Fertig. Jetzt haben Sie einen braven Text: einen, der sein Ziel erfüllt.
Und vielleicht ist es ja sogar doch ein guter Text geworden.

 

Mehr, viel mehr solche Tipps erwarten Sie in unseren Seminaren und Coachings rund um schriftliche Kommunikation.

Besserwisser-Infos für Zusammenschreibungsprobleme

Heißt es Online Training wie im Englischen, Online-Training oder Onlinetraining? Bindestrich – ja oder nein? Finden Sie es heraus!

Unlängst habe ich einige Seiten für den Internetauftritt einer großen Firma korrigiert. Die Marketing-Agentur, die mich gebucht hatte, schickte mir die Datei mit folgendem Kommentar: „Fehlende Bindestriche in Zusammenhang mit Produkt- oder Firmennamen bitte nicht einfügen, ist vom Kunden nicht erwünscht. Hoffe, Sie halten das aus!“

Ich hielt es aus – immerhin war das Problembewusstsein vorhanden. Aber wie oft kommt es vor, dass mir etwa Studierende in der Rechtschreib-Einheit des Textworkshops erklären wollen, dass man All-you-can-eat-Angebot auf keinen Fall durchkoppeln dürfe! „Da kann es keine Regel geben“, meinen sie – und wissen es nach dem Kurs besser.

Von Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützen und Schneeeulen
So manche Schreibweisen, sei es nun mit oder ohne Bindestrich, schmerzen mehr als der Biss einer Schneeeule. Oder wäre hier Schnee-Eule besser?
Bissspuren von Schneeeulen führen zu Stresssituationen. So viele Dreifachbuchstaben!

Wenn wir im Deutschen Hauptwörter bilden, können wir sie einfach so lange zu einem einzigen Wort zusammensetzen, wie wir denken, dass es noch verstanden wird.

Wollen wir das Wort gliedern, damit es einfacher zu lesen ist, machen wir das mit einem Bindestrich (Divis). Wie der Name schon erahnen lässt, verbindet er Wörter. (Und aus Coronazeiten wissen wir nur zur Genüge, dass ein Abstand nicht der Verbindung dient, zumindest nicht physisch.) Wir können uns nun aussuchen, ob wir das Zufußgehen schreiben oder das Zu-Fuß-Gehen. Der Bindestrich hilft uns, die einzelnen Elemente des zusammengesetzten Wortes zu erfassen. Mein Lieblingsbeispiel ist

  • Kindergarten-Sessel versus
  • Kinder-Gartensessel.

Der Unterschied in der Bedeutung ist mit dem Divis auf einen Blick erkennbar, während ich bei Kindergartensessel erst mal grübeln muss (und die deutschen Mitlesenden werden auch noch über Sessel stolpern, weil sie bei Sessel an einen Fauteuil denken und nicht an einen Stuhl wie die meisten in Österreich).
Empfehlenswert ist diese Trennung übrigens auch, wenn man die Häufung gleicher Buchstaben vermeiden möchte, wenn etwa Bissspuren einer Schneeeule zu Stresssituationen führen. Spätestens wenn der Zooornithologe einen Sicherheitscheck durchführt, würde ich ganz intensiv für einen Bindestrich plädieren! Denn man darf ihn zur Gliederung auch dann setzen, wenn es bereits ein Fugen-s gibt, der Sicherheits-Check wäre in dieser Schreibung bestimmt verständlicher (ganz im Sinne der Zoo-Organisations-Optimierung 😉 ).

Quality Check beim All-you-can-eat-Angebot

Muss ich Wörter aus einer Fremdsprache also auch mit einem Divis verbinden? Ja, wenn sie damit zu einem Bestandteil der deutschen Sprache werden. Hier die Erklärung:

Sind beide Bestandteile der Zusammensetzung fremdsprachige Wörter, z. B. in Quality Check, darf ich es so stehen lassen. Quality-Check wäre aber auch in Ordnung, weil der Check bereits im Deutschen angekommen ist. (Und warum eigentlich nicht Qualitätsprüfung?) Wird also mit einem Wort, das Bestandteil der deutschen Sprache ist, verbunden, gelten die Regeln der deutschen Sprache, etwa in: Quality-Management-Expertin. Ich darf die Wörter also nicht wie im Englischen mit Abstand schreiben!
Auch in Verbindung mit Namen (und damit im Grunde auch bei Produkt- und Firmennamen) gilt diese Regel. Während ich also im Englischen the Harry Potter book series schreiben darf, muss es im Deutschen die Harry-Potter-Buchserie sein.

Warum sich manche dennoch darüber hinwegsetzen? Nun ja, die Regeln des Regelwerks für deutsche Rechtschreibung sind für öffentliche Institutionen, Bildungseinrichtungen und Ämter verbindlich. Als Privatperson bzw. selbständiges Unternehmen darf ich mir aussuchen, inwieweit ich mich daran halten will: je nachdem, welchen Eindruck ich erzielen will.

Im Fall des Namens empfinden es viele Unternehmen als Verunstaltung, wenn die Bezeichnung mittels Bindestrich an das Zielwort angeklebt wird oder fürchten, dass ein Produktname bei einer Kopplung nicht mehr klar erkennbar ist. Aus Marketing-Sicht kann es also sinnvoll sein, bewusst eine Regel zu brechen – nämlich die der korrekten Schreibung – und bewusst bestimmten Marketingzielen, wie der Erkennbarkeit der Marke, zu opfern.

Trotzdem wichtig zu wissen: Wenn jemand im Lektorat/Korrektorat auf die Bindestrich-Schreibung ausbessert, ist er/sie natürlich im Recht. Wer es anders haben möchte, sollte im Bewusstsein, die Regel zu brechen, bei einer Korrektur vorab darauf hinweisen – so, wie es die Agentur in meinem Beispiel getan hat.

Mehr, viel mehr solcher Tipps und Informationen bekommen Sie in unserem Seminar „Richtig schreiben, Fehler vermeiden“.

Mit Methode zu besserer Verständlichkeit im Text

Klingen Ihre Texte kompliziert und sind schwer zu verstehen? Dann probieren Sie diese einfache Methode, um die Verständlichkeit zu erhöhen.

Für bessere Verständlichkeit mit der Schau-Methode stellen Sie sich einfach ein Kind vor, dem Sie die Inhalte erklären.Vor jedem Textseminar bitten wir in einem Mail alle TeilnehmerInnen, uns ihre größten Schwierigkeiten beim Schreiben zu nennen. Diese Probleme und Anliegen sammeln wir schon vor Beginn des Workshops auf einem Flipchart-Papier.

„Wie verpacke ich komplizierte Inhalte in einen ansprechenden Text?“ steht immer ganz weit oben auf der Liste. Einfach und verständlich schreiben – damit kämpfen manche Berufsgruppen wie Techniker/innen oder Jurist/innen besonders, aber fast jede/r kennt das Problem.

Das ist auch kein Wunder, wir alle sind Experten und Expertinnen in irgendetwas. Dem Soziologen und Bourdieu-Experten sind Fachbegriffe wie „symbolisches Kapital“  vertraut, die IT-Expertin hat vielleicht täglich mit ASCII-Dateien zu tun und der Installateur wundert sich, was man an einem JetFlow-System noch extra erklären muss. Der Experten-Status macht uns mitunter blind für das, was andere wissen. Blöderweise sind die Leser/innen unserer Texte nicht immer Fach-Kollegen und -Kolleginnnen.

Bessere Verständlichkeit heißt nicht, banal oder eintönig zu schreiben

Manchmal schreiben wir auch komplizierter als nötig, weil wir Angst haben, dass Verständlichkeit mit Banalität verwechselt wird oder dass wir nicht ernst genommen werden. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Gerade wer fähig ist, Dinge in eine fachfremde Sprache zu übersetzen, beweist ja, dass er oder sie etwas wirklich versteht. Albert Einstein wird der Spruch zugeordnet: „Wenn du es einem Sechsjährigen nicht erklären kannst, dann hast du es selbst nicht verstanden.“ Ein anderes Genie, Stephen Hawkings, hat ein Kinderbuch geschrieben, war sich also nicht zu blöd, seine Erkenntnisse auf eine sehr einfache Sprache herunterzubrechen.

Lassen wir uns nicht vom Gruppendruck oder eigenen Glaubenssätzen davon abhalten, klare Texte für Leser und Leserinnen zu verfassen. Eine eindeutige Sprache mit Begriffen und Beispielen, die dem Universum der Zielgruppe entstammen, ist nicht banal, sondern fair und kommunikationsorientiert.

Die Schau-Methode für höhere Verständlichkeit

Und wie durchbricht man nun das Gefängnis der eigenen Begrifflichkeiten? Probieren Sie beim nächsten Mal, wenn Sie einen komplexen Inhalt zu Papier oder Computer bringen sollen, Folgendes: Lehnen Sie sich noch einmal zurück, stellen Sie sich eine fachfremde Person vor, am besten ein Kind oder einen alten Menschen, und erklären Sie dieser Person in einfachen Worten, worum es geht. Beginnen Sie mit: „Schau“ – kein herablassendes „Schau“, sondern eines der Bereitschaft, eine Erklärung in passender Sprache zu liefern. Vielleicht beinhaltet die Erklärung Bilder, Metaphern und Beispiele aus einem bekannten Bereich, auf jeden Fall aber spart sie Fachbegriffe aus. Beim geschriebenen Text lassen Sie das „Schau“ natürlich weg. Hier drei Erklärungsanfänge für oben genannte Beispiele:

  • JetFlow-System: (Schau), das Wasser, das von der Heizung zurückfließt, ist ja kälter. Damit im hinteren Bereich des Kessels keine Kaltzone oder Schwitzwasser entsteht, lenkt dieses System das Wasser ganz gezielt …
  • ASCII-Datei: (Schau), jedes Zeichen muss ja bei der Digitalisierung irgendwie codiert sein. ASCII ist ein alter, aber immer noch gängiger Zeichencode, der …
  • Symbolisches Kapital: (Schau), du weißt was ökonomisches Kapital ist? Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat diesen Kapitalbegriff auf andere Bereiche ausgeweitet, etwa kulturelles, soziales und eben symbolisches Kapital. Letzteres verhilft zu gesellschaftlicher Anerkennung …

Probieren Sie es aus – Ihre Leser/innen werden es Ihnen danken.

Mehr, viel mehr solcher Tipps erhalten Sie in unseren Workshops und Beratungen zu schriftlicher Kommunikation.

Ein Mail – zwei Ebenen

So kurz ein Mail auch sein mag, es ist immer Platz für zwei Ebenen: eine sachlich-inhaltliche und eine persönliche.

Sandwichmethode: Beziehungsebene – Sachebene – Beziehungsebene. (Funktioniert genauso mit Burger.)Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit einer Person Ihrer Wahl im Kaffeehaus und unterhalten sich. Sie sehen den Menschen, sie hören ihn, sie spüren seine Präsenz, ja, sie nehmen die Person auch – jenseits des Bewussten – geruchlich wahr. Kurz: Sie „lesen“ die Person mit fast allen Ihren Sinnen.

Am nächsten Tag finden Sie von dieser Person ein Mail in Ihrem Eingangsordner. Diesmal bleiben Ihnen nur die Augen, um die Botschaft zu lesen. Und doch werden Sie sich diesen Menschen vorstellen, ihn sprechen hören und vielleicht auch sonst sinnlich wahrnehmen. Die übrigen Sinne helfen Ihren Augen, ein vollständiges Bild zu erzeugen.

Das tun wir auch, wenn wir Mails von Menschen erhalten, die wir nicht kennen. Der Herr Doppeldoktor, der sich mit vorzüglicher Hochachtung verabschiedet, lässt ein anderes Bild entstehen als Claudia, die sofort per Du ist und mit „herzlichst“ ihr Mail beendet.

Es geht nicht nur ums Sachliche

Mails sind ein Kanal, der im Grunde nur einen Sinn bedient, und doch füllen wir die fehlenden Informationen auf. Wir können gar nicht anders. Wenn wir das schon wissen, dann sollten wir das Bild, das auf der anderen Seite entsteht, nicht dem Zufall überlassen. Überlegen Sie zum Beispiel bewusst, welche Begrüßung und Verabschiedung Sie wählen. Sie sollte zu Ihnen und zu der Beziehung zwischen Ihnen und dem/der Mail-Empfänger/in passen.
Und es ist, bei aller gebotenen Kürze der Textsorte Mail, nie verkehrt, vor dem eigentlichen Sachthema einen Satz auf Beziehungsebene einzustreuen – ein „Danke“ für ein Mail oder eine Information, eine Entschuldigung für eine entstandene Unannehmlichkeit, ein Wunsch nach Genesung oder ein schönes Wochenende.

Die einfache Formel für ein Mail lautet: Beziehungsebene – Sachebene – Beziehungsebene. Natürlich werden diese drei Teile nicht gleich lang sein. Erst recht gilt diese „Sandwichmethode“ für eine unangenehme Nachricht. Schlechte Neuigkeiten sind leichter verdaubar, wenn sie in etwas Nettes oder Persönliches eingebettet werden. Fallen Sie also nicht mit der Tür ins Mail-Haus, sondern klopfen Sie vorher an, grüßen Sie und puffern Sie eine Absage oder eine andere negative Nachricht entsprechend. Es geht eben, wie bei jeder anderen Interaktion zwischen Menschen, nicht nur um das, was man sagt, sondern auch darum, wie man etwas sagt.

Wenn Sie die Textsorte Mail interessiert oder Sie noch Fragen dazu haben, dann ist vielleicht unser Seminar „Mühelos Mailen“ etwas für Sie.

Lesen Sie doch noch andere Blogbeiträge zum Thema Mails, zum Beispiel „Sehr geehrter Untergebener“, „Kleiner E-Mail-Knigge“ oder „Kleiner E-Mail-Knigge II“.

 

„Sehr geehrter Untergebener …“

Im Stil einer Mail zeigt sich immer auch das Verhältnis zwischen Sender/in und Empfänger/in. Wenn wir Menschen auf Augenhöhe begegnen wollen, sollten wir uns auch so ausdrücken – gerade in der Kundenkorrespondenz.

„Wir legen zugrunde, dass Sie nach unserer bis dato mehr als kulanten Vorgangsweise nunmehr gleichwohl Ihren Part der gegenständlichen Angelegenheit ohne unnötige Weiterungen erledigen und zeichnen in Erwartung Ihrer unverzüglichen Kontaktaufnahme mit vorzüglicher Hochachtung …“

So endet eine Mail, die mir unlängst zwischen die Finger geraten ist. Kurzes Ratespiel:

  1. Wer, glauben Sie, ist der Verfasser dieses Schreibens?
    Ist es ein Unternehmen, das eine Kundenbeziehung aufbauen oder halten möchte oder ist es vielleicht eine Rechtsanwaltskanzlei, die einen Konfliktpartner anschreibt?
  2. Welches Ziel hatte wohl die schreibende Person, als sie den Text verfasst hat?
    Möchte sie Nähe und Verbindung zu Adressaten/zur Adressatin herstellen und Verständnis erzeugen oder ist das Ziel vielmehr, Distanz zu halten, die Zähne zu zeigen und das Gegenüber so zum Handeln zu zwingen?

Was lernen wir daraus? Die Art, wie ein Text verfasst ist, lässt Rückschlüsse auf sein Ziel zu. Leider ist das nicht allen Menschen immer bewusst. Sie schreiben auch in der alltäglichen Kundenkorrespondenz Mails mit amtlichen und distanzierten Floskeln, weil sie das vielleicht irgendwann einmal so gelernt oder als „korrekten Schriftverkehrsstil“ in sich abgespeichert haben.

Der Kunde als Gegner?

Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren nicht nur die Textsorte Mail, sondern auch die Gesellschaft gewandelt. Der Stil im Schriftverkehr orientierte sich lange am Stil von Behörden und Ämtern. Diese verkörperten eine mächtige, dominante Institution, der gegenüber die Bürger und Bürgerinnen als Bittstellende aufzutreten hatten. Kundennähe war ein Fremdwort.
Diese Dominanzkultur hat heute Sprünge bekommen. Unsere Gesellschaft, in der Kunden und Kundinnen immer mehr Wahlfreiheit und Rechte haben, zeigt vermehrt Züge einer partnerschaftlichen Kultur. Das bedeutet, dass sich die Kommunikationspartner auf Augenhöhe begegnen. Unternehmen möchten oder müssen eine Beziehung zu ihren Kundinnen und Kunden aufbauen, deren Bedürfnisse rücken stärker in den Mittelpunkt. Und das zeigt sich auch in der Sprache.

Fragen Sie sich vor ihrer nächsten Mail, ob es ein Schriftwechsel zwischen Gegnern sein soll oder ob Sie der anderen Person auf Augenhöhe schreiben möchten. Ist für den Adressaten eher autoritäre Distanz oder partnerschaftlicher Austausch adäquat?

Wenn die andere Person ein Gegner ist, der per Mail besiegt oder mundtot gemacht werden soll, schreiben Sie wie im Beispiel oben.

Wenn Sie aber eine positive Beziehung aufbauen wollen, wählen Sie keine Wörter, die nie in Gebrauch sind und dadurch Distanz schaffen, sondern solche, die Sie auch beim Sprechen verwenden. Verzichten Sie in Ihrer Kundenkorrespondenz auf nichtssagende Floskeln, hochkomplizierte Satzkonstruktionen und verstaubte Formulierungen. Passen Sie die Sprache an das Ziel Ihres Schreibens und die jeweiligen Empfänger an. Und denken Sie daran: Sie können auch höflich sein, wenn Sie einfach, klar und verständlich schreiben.

Wenn Sie sich beim Verfassen von Mails sicher fühlen möchten, dann besuchen Sie doch unser eintägiges Seminar „Mühelos Mailen“.

Lesen Sie doch noch andere Blogbeiträge zum Thema Mails, zum Beispiel „Ein Mail – zwei Ebenen“, „Kleiner E-Mail-Knigge“ oder „Kleiner E-Mail-Knigge II“.

KORREKT? RESPEKT!

Warum ein fehlerfreier Text Ausdruck von Respekt ist

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einem Vorstellungsgespräch. Sie möchten bei Ihrem Gegenüber nicht nur mit dem, was Sie sagen, sondern Sie wollen insgesamt einen guten Eindruck machen. Werden Sie ein zerknittertes Sakko mit Fettflecken am Revers anziehen, schmutzige, löchrige Jeans und irgendwelche Bequemlatschen, weil Sie in die halt schnell reinschlupfen konnten? Nein? Eben!

Dem/der Kommunikationspartner/in respektvoll zu begegnen, bedeutet unter anderem auch, nicht nur auf die eigene Bequemlichkeit zu achten, sondern auch dem letzten Schliff ein wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Und ganz genau so ist es bei schriftlicher Kommunikation.

Grobe Fehler im Text sind wie Flecken am Sakko

Wer – im beruflichen Kontext – mit einem Text überzeugen will, sollte sich nicht nur überlegen, was das Textziel ist, welchen Kanal er/sie wählt und wie er/sie seine Botschaft in Worte fasst! Eine letzte Prüfung auf Verständlichkeit, vor allem im Satzbau, auf korrekte Schreibung und Komma-Regeln vermeidet Doppeldeutigkeiten, Missverständnisse – und nicht zuletzt Ärger bei den Leserinnen und Lesern des Textes.

Wir reden hier nicht von einem Posting auf Social Media, einer Status-Meldung oder einem Mini-Kommentar in einem Forum, wo es um kurze persönliche Statements an die Allgemeinheit geht. Klar wäre auch hier korrektes Deutsch schön, aber das Ziel ist ein anderes als etwa in einem Geschäftsbrief oder -mail, einer Werbeanzeige oder einem Newsletter. Hier will ich mein Gegenüber erreichen, Kundinnen und Kunden ansprechen, Interesse wecken – und überzeugen. Und hier sind wir wieder am Beginn: Sakko mit Fettflecken, zerknitterte Jeans …?

Noch einmal Drüberlesen bringt’s!

Erweisen Sie den Leserinnen und Lesern Ihrer Aussendungen Respekt. Gehen Sie noch einmal drüber!

  • Bringen Sie den Text in Form und prüfen Sie ihn auf Fehler.
  • Lesen Sie ihn laut und drucken Sie ihn in einer anderen Schriftart oder Formatierung aus. Das schafft einen neuen Blick und hilft beim Korrekturlesen.
  • Schlagen Sie im Zweifelsfall nach.
  • Frischen Sie doch einmal die Regeln zu Kommasetzung, Groß- und Kleinschreibung und Doppel-S auf. Und wenn Sie dafür keine Zeit haben und sich nicht sicher sind:
  • Formulieren Sie doch einfach um! Komplexe Wortgebilde und wilde Satzkonstruktionen führen oft zu Missverständnissen – das lässt sich vermeiden.
  • Machen Sie einfachere Sätze, wenn Sie die Regeln zur Beistrichsetzung nicht parat haben. Ihre Texte werden davon profitieren – und die Beziehung zu Ihren Kundinnen und Kunden auch!

Eine respektvolle Begegnung ist auch schriftlich in einfacher Sprache möglich – aber korrekt muss sie sein.*

Wenn Sie Unterstützung bei der Auffrischung der Regeln zu Rechtschreibung und Kommasetzung brauchen, kommen Sie doch einfach in unseren Online-Workshop Richtig schreiben – Fehler vermeiden: Rechtschreibung KOMPAKT.

*Anmerkung: Ich beziehe mich in diesem Artikel auf Texte, bei denen man muttersprachliche Kompetenz voraussetzt, nicht auf Übungstexte oder solche, die von Menschen anderer Muttersprache verfasst werden.

Schlag nach bei … ja, wo eigentlich?

Wie man das Österreichische Wörterbuch richtig benutzt, haben wir in der Volksschule gelernt. Und wo schlagen wir heute nach, wenn wir nach der richtigen Schreibung oder Rechtschreibregeln suchen?

Man muss nicht alles wissen, aber man sollte wissen, wo man sich das fehlende Wissen holt..„Wenn ich nicht weiß, wie man etwas schreibt, such ich’s im Internet!“ Geht es um die richtige Schreibung von Datums- oder Währungsangaben, von Abkürzungen oder um die Gliederung von Zahlen, kann man bei der Suche im Netz seine blauen Wunder erleben. Wer Glück hat, findet zu einem der Themen Blogbeiträge von Expert/inn/en, die alle Variantenschreibungen auflisten und erklären. Mit etwas Pech landet er aber auf einer Seite selbsternannter Sprachpolizisten, die ihre Lieblingsschreibweise  herauspicken und sie für die einzig richtige erklären. Im schlimmsten Fall ist sie sogar falsch. Und, was machen wir dann?

An welche Normen will oder muss ich mich halten?

Eines vorweg: Verbindlich an die Rechtschreibregeln müssen Sie sich dann halten, wenn Sie amtliche Texte verfassen oder für eine Bildungsinstitution schreiben. Maßgeblich dafür ist das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung mit Regeln und Wörterverzeichnis. Grundregeln und Neuerungen der Rechtschreibreform(en) finden sich darin.

Vieles jedoch, was Menschen bei ihrer täglichen Arbeit mit Texten brauchen, ist dort nicht geregelt. Rechtschreibregeln für den Schriftverkehr finden sich etwa in der – rechtlich nicht bindenden – Norm DIN 5008. Da diese für Deutschland erstellt wurde, darf natürlich eine eigene ÖNORM nicht fehlen, die ÖNORM A 1080. Damit nicht genug, gibt es auch noch die ISO – die weltweite Vereinigung offizieller Normungsinstitute. Sie regelt etwa internationale Währungscodes, die in bestimmten Kontexten verbindlich sind. Und dann gibt es ja auch noch Wörterbücher wie den Duden oder das Österreichische Wörterbuch. Wikipedia wäre auch eine Quelle. Und woran halten wir uns jetzt?

Klarheit über alles

Hilfreich ist zuerst einmal zu wissen, ob es im Unternehmen oder der Organisation, für die man schreibt, eine Norm gibt, an die man sich halten muss. Ein Handelsunternehmen mit viel Korrespondenz im deutschen Sprachraum wird sich vielleicht an der DIN 5008 orientieren, ein amtliches Dokument hingegen muss etwa bei Währungsangaben den ISO-Standards folgen. Österreichische Unternehmen orientieren sich in Fragen des Schriftverkehrs meist an der ÖNORM A 1080. Weiß man darüber einmal Bescheid, hat man einen ersten Leitfaden, wenn man etwas im Regelwerk für deutsche Rechtschreibung nicht findet.

Arbeit mit dem Duden

In jedem Fall aber ist es günstig, ein Wörterbuch, am ehesten wohl den aktuellen Duden, im Haus zu haben. Warum? Der Duden ist zwar nicht (mehr) die verbindliche Instanz, wenn es um Rechtschreibung geht, aber er folgt natürlich dem Regelwerk. Zusätzlich bietet er Empfehlungen, falls man nicht genau weiß, für welche Variante man sich entscheiden soll, wenn ein Wort mehrere mögliche Schreibungen (z. B. in: du hast Recht oder du hast recht) erlaubt.

Zusätzlich finden sich bei schwierigen Wörtern rot unterlegte Kästen, die die Varianten oder unterschiedliche Redewendungen, in denen dieses Wort (vielleicht in unterschiedlicher Schreibung) vorkommt, auflisten. Das hilft vor allem dann, wenn man innerhalb einer Organisation zu einheitlichen Schreibungen kommen möchte – man einigt sich praktischerweise auf die Duden-Empfehlung. Zusätzlich sind im vorderen Teil des Wörterbuchs alle Rechtschreibregeln zusammengefasst – wer also Komma-Regeln nachlernen will, kann das auch mit Hilfe eines Duden tun.

Nicht zuletzt gibt es eine Redaktion, die neue Wörter in den Duden aufnimmt und uns empfiehlt, wie man etwa geliket oder downgeloadet schreibt (so nämlich). Natürlich können Sie auch auf andere Wörterbücher zurückgreifen. Wichtig ist nur, dass man sich innerhalb eines Unternehmens auf dasselbe einigt. Und wenn Sie nach Schreibungen von Zahlen, Wochentagen oder Monaten suchen, hier noch ein Tipp: immer beim ersten Vertreter im Alphabet nachsehen. Wenn Sie also nach Verbindungen mit Zwanzig suchen, werden Sie vermutlich bei Achtzig fündig. Für Freitag bei Dienstag. Und für Oktober … na, wo müssen Sie nachschlagen?

Wenn Sie Lust auf mehr Tipps haben und Antworten auf Ihre ganz persönlichen Rechtschreibfragen suchen: Die gibt’s in unserem Workshop „Richtig schreiben – Fehler vermeiden. Workshop zur Auffrischung von Rechtschreibung und Zeichensetzung.“

Worte, die wir für uns schreiben

Ein Block, ein Stift, mehr braucht es nicht.Freewriting ist eine bewährte Methode, die Gedankenschleusen zu öffnen und ohne Eigenzensur Buchstaben zu Papier zu bringen. Das tut dem Schreibenden gut – und oft auch dem Text.

Schon in einem früheren Blog-Beitrag haben wir uns des schönen Films „Forrester – Gefunden!“ (engl.: Finding Forrester) bedient. Damals zitierten wir den Satz „Die erste Version schreibt man mit dem Herzen, die zweite mit dem Verstand.“ Nun haben wir den Film wieder einmal in der letzten Einheit unseres Textworkshops mit den FH-StudentInnen angesehen und sind auf ein weiteres Juwel gestoßen: „Warum sind Worte, die wir für uns schreiben, immer besser als Worte, die wir für andere schreiben?“, fragt Sean Connery als alternder Autor William Forrester den jungen Jamal Wallace.

Die Antwort liegt auf der Hand: Ist ein Text für niemanden bestimmt, haben die Zensoren Pause. Wer kennt sie nicht? Die kleinen unsichtbaren Männchen, die da links und rechts auf der Schuler sitzen und einem ins Ohr flüstern: „Der Text wird sicher schlecht!“, „“So kannst du das nicht schreiben!“, „Was werden die Leser/innen denken?“

Natürlich haben die Kerle auch eine Funktion, sie helfen uns irgendwann, Texte noch besser zu machen, bewahren uns vielleicht davor, einen allzu schlechten Text abzugeben. Aber sie können auch wirklich lästig sein, vor allem am Beginn des Schreibprozesses, wenn es um die Rohfassung geht.

Hat ein Text aber keine Zielgruppe, entsteht er für die Schublade, ist er frei von solchen Ängsten. Warum sind die Abschiedsreden von Politiker/innen oft die besten? Weil sie frei sind von Zwängen und Pflichten, weil sie von Herzen kommen. So ist es auch bei Texten, die einfach so entstehen.

Seit den 1960er-Jahren nennt man diese Methode Freewriting, tatsächlich ist sie viel, viel älter. Allerdings verstecken sich hinter dem Fachbegriff zahlreiche unterschiedliche Ansätze: Vera F. Birkenbihl zum Beispiel nannte das Schreiben für die Seele „Kläranlage des Geistes“, sie empfahl, abends vor dem Schlafengehen zu einem Stift zu greifen, um Belastendes zu Papier und damit aus dem Kopf zu bringen. Susan Cameron spricht in ihrem Bestseller „Der Weg des Künstlers“ von Morgenseiten und rät zu einem zwölfwöchigen Schreibritual in der Früh. Während diese beiden eher das Schreiben ohne Thema propagieren, gibt es andere, die sehr wohl auch ein Thema an den Anfang stellen. Allen aber ist gemeinsam, dass es ein Schreiben ohne Innehalten, Bewerten und Nachdenken sein soll.

Und so geht’s

Stellen Sie eine Uhr, Ihr Handy oder den Herd so ein, dass es nach zehn oder fünfzehn Minuten läutet. Nun brauchen Sie sich um die Zeit nicht weiter zu kümmern. Nehmen Sie einen Block und ein Schreibgerät zur Hand und legen Sie los. Zur Hand ist tatsächlich besser für den Schreibfluss, aber natürlich können Sie auch eine Tastatur verwenden. Schreiben Sie nun alles auf, was Ihnen durch den Kopf geht – ohne abzusetzen. Sie müssen nicht bei einem Thema bleiben, sie müssen auch keine Gedanken fertig denken, Sie müssen gar nichts. Doch: eines, weiterschreiben. Wenn Ihnen ein Gedanke dazwischenfährt, schreiben Sie ihn auf. Stoppen Sie nie, um nachzudenken oder das Geschriebene durchzulesen. Das können Sie nach der abgelaufenen Zeit tun – oder auch nicht.

Wenn Sie sich auf das Freewriting einlassen, dann erleben Sie vielleicht das, was gerne Flow genannt wird, oder sie stoßen auf einen interessanten Gedanken oder auf die Erkenntnis, dass Sie tatsächlich zehn oder fünfzehnt Minuten am Stück schreiben können. Und das ist doch schon etwas! Wenn Sie das nämlich können, dann schreiben Sie beim nächsten Mal vielleicht auch einen verlangten Text mit mehr Lockerheit und zeigen den Zensoren ganz einfach die Zunge.

Zum Abschluss noch ein Tipp und noch einmal William Forrester: „Hau in die Tasten, verdammt!“

Mehr solche Tipps, viel mehr solche Tipps bekommen Sie in unseren Schreibseminaren.

 

Stellt mehr Fragen!

Goethes Gretchen und die Sphinx tun es, Hamlet und Handke, Kinder und Kant, Sokrates und Journalisten, Narren wie Rebellen: Fragen stellen und hinterfragen. Wir sollten es ihnen nachmachen.

„Eine richtige Frage stellte ich mir vor als Geschenk!“
Peter Handke, Spiel vom Fragen

Fragen bringen oft mehr als Antworten.Haben Sie schon einmal über Fragen nachgedacht? Sie sind ein selbstverständlicher Teil der Sprache, und deshalb hinterfragen wir selten, was wir da tun. Dabei können sie viel mehr als „nur“ Wissen in Erfahrung zu bringen. Sie beziehen Zuhörer/innen oder Leser/innen ein und helfen Coaching-Kund/inn/en auf die Sprünge. Briefing-Geber/innen helfen sie zu genaueren Angaben und Selbstreflexion. Sie fungieren als Türöffner oder um genauer nachzuforschen. Sie können provozieren und aufdecken.

Welche Fragen gibt es?

Wir kennen viele unterschiedliche Arten. Für Journalist/inn/en sind zum Beispiel die Fragen nach den sechs Ws (Wer, was, wann, wo, wie und warum) ein wichtiges Handwerkszeug und Interviewer/innen setzen personen-, sach- und meinungszentrierte Fragen ein. Menschen in therapeutischen oder beratenden Berufen haben es etwa mit skalierenden, zirkulären oder reflexiven Fragen zu tun. Und es gibt noch viel mehr: absurde, berechtigte, drängende, einfache, knifflige, peinliche, persönliche, unbequeme, entscheidende …
Eines haben sie fast alle gemeinsam. Sie helfen – wenn sie nicht versteckte Antworten sind – aufzumachen und Räume zu schaffen, während Antworten eher schließen und beenden. Deshalb haben Antworten tendenziell auch etwas Starres. Antworten schränken eher ein, Fragen machen auf. „Hin und wieder ist es sinnvoll, ein Fragzeichen hinter Dinge zu setzen, die wir schon lange für selbstverständlich nehmen“, riet der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell. Wer nach Veränderung trachtet, stellt Fragen. Wer einzementieren möchte, gibt ausschließlich Antworten.

Was ist eine gute Frage?

Das hängt natürlich von der Situation ab, aber mit Sicherheit ist es eine, die wertschätzend formuliert ist. Eine, die nicht drängt, die Zeit lässt, die nicht nur eine Antwort zulässt. Deshalb sind offene Fragen auch viel interessanter als geschlossene. Wenn der NS-Propagandaminister Goebbels fragt „Wollt ihr den totalen Krieg?“, so ist das keine offene Frage, es ist eine rhetorische und in der Situation auch keine, die mehrere Antworten erlaubt oder zur Reflexion anregt.

Für den Kommunikationswissenschaftler Neil Postman waren Fragen das wichtigste Denkwerkzeug des Menschen überhaupt. Wir können das aus unserer langjährigen Arbeit mit den unterschiedlichsten Formen der Kommunikation nur bestätigen: Ob schriftlich oder mündlich, ob im Kontakt mit einzelnen Menschen oder mit Gruppen, ob es um neue Ideen oder gute Gespräche geht, sie helfen weiter. Wenn irgendwo keine gestellt werden (dürfen), ist das höchst fragwürdig.

Also: Stellen Sie Fragen! Fragen Sie nach! Stellen Sie Selbstverständliches in Frage! Alles klar?

In allen unseren Seminar stellen Fragen eine wichtige Rolle.  Schauen Sie sich unser Angebot an, vielleicht ist etwas für Sie dabei.