Kategorie-Archiv: Kommunikation

KORREKT? RESPEKT!

Warum ein fehlerfreier Text Ausdruck von Respekt ist

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einem Vorstellungsgespräch. Sie möchten bei Ihrem Gegenüber nicht nur mit dem, was Sie sagen, sondern Sie wollen insgesamt einen guten Eindruck machen. Werden Sie ein zerknittertes Sakko mit Fettflecken am Revers anziehen, schmutzige, löchrige Jeans und irgendwelche Bequemlatschen, weil Sie in die halt schnell reinschlupfen konnten? Nein? Eben!

Dem/der Kommunikationspartner/in respektvoll zu begegnen, bedeutet unter anderem auch, nicht nur auf die eigene Bequemlichkeit zu achten, sondern auch dem letzten Schliff ein wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Und ganz genau so ist es bei schriftlicher Kommunikation.

 

Grobe Fehler im Text sind wie Flecken am Sakko

Wer – im beruflichen Kontext – mit einem Text überzeugen will, sollte sich nicht nur überlegen, was das Textziel ist, welchen Kanal er/sie wählt und wie er/sie seine Botschaft in Worte fasst! Eine letzte Prüfung auf Verständlichkeit, vor allem im Satzbau, auf korrekte Schreibung und Komma-Regeln vermeidet Doppeldeutigkeiten, Missverständnisse – und nicht zuletzt Ärger bei den Leserinnen und Lesern des Textes.

Wir reden hier nicht von einem Posting auf Social Media, einer Status-Meldung oder einem Mini-Kommentar in einem Forum, wo es um kurze persönliche Statements an die Allgemeinheit geht. Klar wäre auch hier korrektes Deutsch schön, aber das Ziel ist ein anderes als etwa in einem Geschäftsbrief oder -mail, einer Werbeanzeige oder einem Newsletter. Hier will ich mein Gegenüber erreichen, Kundinnen und Kunden ansprechen, Interesse wecken – und überzeugen. Und hier sind wir wieder am Beginn: Sakko mit Fettflecken, zerknitterte Jeans …?

Noch einmal Drüberlesen bringt’s!

Erweisen Sie den Leserinnen und Lesern Ihrer Aussendungen Respekt. Gehen Sie noch einmal drüber!

  • Bringen Sie den Text in Form und prüfen Sie ihn auf Fehler.
  • Lesen Sie ihn laut und drucken Sie ihn in einer anderen Schriftart oder Formatierung aus. Das schafft einen neuen Blick und hilft beim Korrekturlesen.
  • Schlagen Sie im Zweifelsfall nach.
  • Frischen Sie doch einmal die Regeln zu Kommasetzung, Groß- und Kleinschreibung und Doppel-S auf. Und wenn Sie dafür keine Zeit haben und sich nicht sicher sind:
  • Formulieren Sie doch einfach um! Komplexe Wortgebilde und wilde Satzkonstruktionen führen oft zu Missverständnissen – das lässt sich vermeiden.
  • Machen Sie einfachere Sätze, wenn Sie die Regeln zur Beistrichsetzung nicht parat haben. Ihre Texte werden davon profitieren – und die Beziehung zu Ihren Kundinnen und Kunden auch!

Eine respektvolle Begegnung ist auch schriftlich in einfacher Sprache möglich – aber korrekt muss sie sein.*

Wenn Sie Unterstützung bei der Auffrischung der Regeln zu Rechtschreibung und Kommasetzung brauchen, kommen Sie doch einfach in unseren Workshop „Richtig schreiben – Fehler vermeiden“.

*Anmerkung: Ich beziehe mich in diesem Artikel auf Texte, bei denen man muttersprachliche Kompetenz voraussetzt, nicht auf Übungstexte oder solche, die von Menschen anderer Muttersprache verfasst werden.

Jetzt hört halt mal zu!

Über das schlechte Image des Zuhörens – und warum es trotzdem so wichtig ist.

Dass Zuhören mehr als die halbe Miete ist, wenn es um Kommunikation geht, ist heutzutage den meisten bekannt. Forschungen sprechen von 51 Prozent: Zu mehr als der Hälfte hängt also das Gelingen eines Gesprächs vom Zuhören ab.
Nur – wenn wir das alle wissen, warum ist es dann so schwer? Wieso klingt für viele zuhören langweilig? Und warum gilt es oft als vernachlässigbarer Soft Skill, auf den wohl nur jene pochen, die rhetorisch halt nichts auf die Reihe kriegen?

Zeit, das schlechte Image des Zuhörens näher zu beleuchten.

Herrschende Meinung

Zuhören klingt halt gar so oft nach etwas, das man muss, auch wenn man gar nicht will – aus vielen Bereichen kennen wir es: Der König, die Vorgesetzte, der Lehrer spricht – das niedere Volk, die Untergebenen, die Kinder hören zu. Grund eins für ein schlechtes Image.

Grund zwei: Oft ist zuhören Teil einer unangenehmen Pflicht. Erst muss ich zuhören, dann muss ich tun, was ich nicht will; das beginnt mit Zimmer aufräumen und Hausübung machen in der Kindheit und reicht bis zum Ausräumen des Geschirrspülers in der Partnerschaft.

Und dann gibt es noch ein Problem: Meist kommt der Wunsch des Gegenübers, gehört zu werden, nicht als Bitte, sondern bereits als Vorwurf bei uns an: „Jetzt hör mir doch endlich zu!“ Wir wissen dann: „Ui, ich hab‘ schon etwas falsch gemacht“, fühlen uns schuldig – und mit diesem Gefühl im Bauch wird Zuhören zu einer beinahe unmöglichen Aufgabe. Denn wer wirklich zuhört, ist voll präsent und in Gedanken beim anderen. Wer mit unangenehmen Gefühlen beschäftigt ist, tut sich damit schwer. Klar, oder?

Aber auch die Sprachwurzel bestätigt den Eindruck, hören hätte immer auch etwas mit gehorchen zu tun. Schon im Mittelhochdeutschen wurde [hoeren] auch für „auf etwas hören, einem Rat oder einer Aufforderung nachkommen“ gebraucht. Daraus entwickelt hat sich das Horchen und in weiterer Folge auch das Ge-horchen. Hören und Gehorsam sind also auch sprachlich eng miteinander verwandt. Dass die Rolle des/der Hörenden da nicht unbedingt immer positiv besetzt ist, scheint logisch. Selbstbestimmte moderne Menschen horchen nicht gern, gehorchen auch nicht unbedingt jemandem – und gehören (auch dieselbe Wurzel) schon gar nicht!

Und schon die Lateiner wussten: Wer schweigt, stimmt zu. Da hat man doch schnell mal Angst, der/die andere könnte im Gespräch meinen, man würde zu allem ja und Amen sagen, wenn man nicht sofort widerspricht! Da können noch so viele Kommunikationspsychologinnen und -psychologen erklären, dass zuhören nicht mit zustimmen ident ist. Irgendwie scheinen wir das unterschwellig zu glauben. Wie, nur wie bekommen wir diesen (Aber-)Glauben weg? Schließlich könnten wir ja gut zuhören – und nachher immer noch widersprechen, nicht wahr?

Die Bedeutung an der Wurzel packen

Also gehen wir noch einen Schritt weiter zurück, vor das Althochdeutsche: Dort treffen wir auf die indogermanische Sprachwurzel [keu], aus der sich das Hören entwickelt hat. Keu beinhaltet folgende Bedeutungen: auf etwas achten, merken, bemerken, hören, sehen. Da kommen wir der Sache doch schon näher! Auf etwas achten, unser Gegenüber wirklich wahrnehmen, bemerken, hören und sehen – ja, das wollen wir im Gespräch. Da kann man gut und gern auch anderer Meinung sein; ja, vielleicht hilft es sogar bei einer Replik, wenn man vorher wirklich verstanden hat, was der/die andere gesagt hat, auch wenn man nicht einverstanden ist.

Aktiv aufnehmen, was vom Gegenüber kommt, was er wirklich meint, fühlt und transportieren will – ja, das ist zuhören. Wenn wir auf die tiefere Bedeutung zurückgreifen, dann kommen wir dem wertvollen Zuhören, das ein Gespräch zum Erfolg führt, viel näher, und können all die anderen alten, vielleicht negativ besetzten Bedeutungen hinter uns lassen. Aktiv, selbstbestimmt – also ganz bei sich – und zugleich ganz aufmerksam beim anderen sein. Das, ja, das ist zuhören.

Ausprobieren

Beim nächsten Gespräch, das Sie führen: Versuchen Sie, bewusst zuzuhören! Wie das geht?

1. Nicht sofort antworten, wenn Ihr Gegenüber etwas erzählt: keine Bewertungen, keine Tipps. Hören Sie eine Zeit einfach nur zu. Natürlich können Sie Gesten oder Äußerungen machen, um zu signalisieren, dass Sie dem Gesagten folgen.

2. Achten Sie nicht nur auf den Inhalt. Wie geht es der Person, die gerade spricht? Ist sie glücklich? Zufrieden? Verärgert?

3. Bevor Sie antworten, fassen Sie kurz zusammen, was Sie verstanden haben. So manches Missverständnis lässt sich dadurch vermeiden!

4. Das können Sie übrigens auch tun, wenn das Gespräch zu einem Monolog zu werden scheint. Fragen Sie freundlich nach, ob Sie kurz zusammenfassen dürfen, was Sie bisher verstanden haben.

Nicht nur ums Zuhören  geht’s in unserem Seminar Gespräche auf Augenhöhe.  Dort lernen Sie, wie ein Gespräch gelingt – und was Sie alles dafür tun können.

Stellt mehr Fragen!

Goethes Gretchen und die Sphinx tun es, Hamlet und Handke, Kinder und Kant, Sokrates und Journalisten, Narren wie Rebellen: Fragen stellen und hinterfragen. Wir sollten es ihnen nachmachen.

„Eine richtige Frage stellte ich mir vor als Geschenk!“
Peter Handke, Spiel vom Fragen

Haben Sie schon einmal über Fragen nachgedacht? Sie sind ein selbstverständlicher Teil der Sprache, und deshalb hinterfragen wir selten, was wir da tun. Dabei können Fragen viel mehr als „nur“ Wissen in Erfahrung zu bringen. Sie beziehen Zuhörer/innen oder Leser/innen ein. Sie helfen Coaching-Kund/inn/en auf die Sprünge. Sie zwingen Briefing-Geber/innen zu genaueren Angaben und Selbstreflexion. Sie fungieren als Türöffner oder um genauer nachzuforschen. Sie können provozieren und aufdecken.

Welche Fragen gibt es?

Wir kennen viele unterschiedliche Arten von Fragen. Für Journalist/inn/en sind zum Beispiel die Fragen nach den sechs Ws (Wer, was, wann, wo, wie und warum) ein wichtiges Handwerkszeug und Interviewer/innen setzen personen-, sach- und meinungszentrierte Fragen ein. Menschen in therapeutischen oder beratenden Berufen haben es etwa mit skalierenden, zirkulären oder reflexiven Fragen zu tun. Und es gibt noch viel mehr: absurde, berechtigte, drängende, einfache, knifflige, peinliche, persönliche, unbequeme, entscheidende …
Eines haben sie fast alle gemeinsam. Sie helfen – wenn sie nicht versteckte Antworten sind – aufzumachen und Räume zu schaffen, während Antworten eher schließen und beenden. Deshalb haben Antworten tendenziell auch etwas Starres. Antworten schränken eher ein, Fragen machen auf. „Hin und wieder ist es sinnvoll, ein Fragzeichen hinter Dinge zu setzen, die wir schon lange für selbstverständlich nehmen“, riet der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell. Wer nach Veränderung trachtet, stellt Fragen. Wer einzementieren möchte, gibt ausschließlich Antworten.

Was ist eine gute Frage?

Aber was macht eine gute Frage aus? Das hängt natürlich von der Situation ab, aber mit Sicherheit ist es eine, die wertschätzend formuliert ist. Eine, die nicht drängt, die Zeit lässt, die nicht nur eine Antwort zulässt. Deshalb sind offene Fragen auch viel interessanter als geschlossene Fragen. Wenn der NS-Propagandaminister Goebbels fragt „Wollt ihr den totalen Krieg?“, so ist das keine offene Frage, es ist eine rhetorische Frage und in der Situation auch keine, die mehrere Antworten erlaubt oder zur Reflexion anregt.

Für den Kommunikationswissenschaftler Neil Postman waren Fragen das wichtigste Denkwerkzeug des Menschen überhaupt. Wir können das aus unserer langjährigen Arbeit mit den unterschiedlichsten Formen der Kommunikation nur bestätigen: Ob schriftlich oder mündlich, ob im Kontakt mit einzelnen Menschen oder mit Gruppen, ob es um neue Ideen oder gute Gespräche geht, Fragen helfen weiter. Wenn irgendwo keine Fragen gestellt werden (dürfen), ist das höchst fragwürdig.

Also: Stellen Sie Fragen! Fragen Sie nach! Stellen Sie Selbstverständliches in Frage! Alles klar?

In allen unseren Seminar stellen Fragen eine wichtige Rolle.  Schauen Sie sich unser Angebot an, vielleicht ist etwas für Sie dabei.

Stilvolle Storys statt gehaltlose G’schichteln

Der Begriff Storytelling ist in aller Munde, es werden ihm zahlreiche Wunder nachgesagt, dennoch gibt es Grenzen. Storytelling kann viel, aber nicht alles.

 Treffen sich vier Freunde abends auf ein Bier. Jeder von ihnen hat ein Buch über Storytelling gelesen, aber jeder ein anders. Der erste sagt: „In meinem Buch steht, ich kann mit der richtigen Story mein Produkt besser verkaufen.“ Darauf der zweite: „Ach, das ist ja gar nichts. Mein Buch weiß, wie ich mit einer Story mein Produkt finde.“ „Ha, wie bescheiden!“, lacht da der dritte. „Mein Buch behauptet, dass die Story mein Produkt ist.“ Der vierte hat ruhig zugehört und ergänzt nun gelassen: „Die Essenz meines Buches: Ich bin die Story.“

Die Geschichte hat sich so nie zugetragen, aber wenn vier Menschen vier Bücher zu dem Thema lesen, könnte das schnell einmal passieren. Denn der Begriff ist angesagt, wird immer breiter eingesetzt und weckt dementsprechend Erwartungen. Dabei geht im Kraut-und-Rüben-Meer schon einmal unter, worum es wirklich geht: um das Erzählen von Geschichten. Der Begriff mag gerade hipp sein, die Methode ist so alt wie die Menschheit.

Was Storys können – und was nicht

Dass das Erzählen von Geschichten eine der ältesten Kulturtechniken überhaupt ist, hat Gründe. Geschichten unterhalten Menschen. Sie sprechen die Emotionen an. Man merkt sie sich besser. Sie helfen, sich mit einer Person oder einer Sache zu identifizieren. Deshalb begegnen uns reale und fiktive Geschichten ja so häufig – in der Werbung, in der Unterhaltungsindustrie, bei Präsentationen und Reden, im therapeutischen Kontext oder beim narrativen Management, um nur einige Anwendungsgebiete zu nennen

Aber: Storys sind kein Ersatz für Fakten, für Qualität oder für Authentizität. Ich muss wissen, als wer ich etwas erzähle, wem ich etwas erzähle, was ich erzähle und warum ich etwas erzähle. Erst dann sollte ich mein Augenmerk darauf lenken, welche Story ich wähle und wie ich etwas erzähle.

Die Firmenchefin, die glaubt, ihren Angestellten mit einer Story die anstehenden Kündigungen schmackhaft zu machen, hat nichts verstanden. Der Verkäufer, der mit einer Story Defizite eines Produktes wegerzählen möchte, liegt falsch. Genauso wie der Liebhaber, der seiner Angebeteten die absurdesten Geschichten erzählt. Das geht – aber nur kurz.

Immer wieder kommen Kunden in unser Storytelling-Seminar, die schon einige solche Seminare besucht haben. Dort hat man Ihnen tolle Beispiele gezeigt von Produkten, die angeblich dank einer tollen Story zum Verkaufshit wurden. Das Tückische an diesen Erfolgsgeschichten: Sie analysieren immer im Nachhinein, warum etwas, z. B. die Werbekampagne, funktioniert hat. In den einschlägigen Seminaren erfährt man dann immer: Storytelling war das Erfolgsrezept. Aber: Hat man einen Hammer in der Hand, sieht alles aus wie ein Nagel. Ein Erfolg kann durchaus auf einer guten Story basieren. Er muss aber nicht. Er kann auch andere Gründe haben. Und: Im Nachhinein analysieren ist oft leichter, als die eigene Story zu verfassen.

In unserem eineinhalbtägigen Seminar „Geschichten erzählen – die passende Sprache wählen“ geben wir Ihnen deshalb das Werkzeug in die Hand, selbst Geschichten zu erzählen. Das funktioniert und macht Spaß. Aber Vorsicht: So mancher geht auch ernüchtert. Storytelling ist nicht der Wunderwuzzi, der Klarheit ersetzt. Eine tolle Methode ist es allemal.

Augenhöhe – eine Begriffsrettung

 

augenhöheWarum der Begriff Augenhöhe zwar oft missbräuchlich verwendet wird, aber alles andere als ein Mythos ist.

Es gibt ein häufig zu beobachtendes Phänomen: Journalisten oder Journalistinnen nehmen einen Begriff, verstehen ihn falsch oder stellen fest, dass er falsch verwendet wird, und diskreditieren ihn dann – erklären ihn etwa zum „Mythos“. So führte es Karin Bauer unlängst in einem Standardartikel mit dem Begriff Augenhöhe vor.

Leider greift die Autorin, wenn es darum geht, die Bedeutung des Begriffs Augenhöhe zu erfassen, auf Vergleiche zurück, die jegliche Differenzierung vermissen lassen, argumentiert polemisch und urteilt pauschal. Augenhöhe wird bei ihr mit einem naiven Konzept von Gleichheit und Hierarchielosigkeit in Verbindung gebracht. In einer differenzierten Auseinandersetzung hat der Begriff der Augenhöhe aber mit den in Karin Bauers erwähnten einfachen Lösungen, einem Wohlfühldiskurs und einer Ikea-Politik so viel gemeinsam wie ein Pfau mit einem Pfauenauge.

Ja, nicht alle, die behaupten, anderen auf Augenhöhe zu begegnen, tun das auch. Ja, gerade bei der eben angelobten Regierung sehen auch wir viele Gründe, skeptisch zu sein. Und ja: Auch in der Wirtschaft wird der Begriff mitunter missbräuchlich eingesetzt.

Haltung, nicht Mythos

In Wirklichkeit ist Augenhöhe eine innere kommunikative Haltung und – hier hat die Autorin im letzten Satz Recht – ein dauerhaftes Bemühen um einen Dialog; nicht jedoch um ein krampfhaft erzeugtes Wir, einen faulen Kompromiss oder um ein Aufweichen der eigenen Position. Im Gegenteil.

Auf Augenhöhe bedeutet, dass ich mir meines Wertes und meiner Position bewusst bin und zugleich die Fähigkeit entwickle, auch den Wert und die Position des anderen als genauso gerechtfertigt anzuerkennen wie die eigene. Das muss nicht bedeuten, meine Position aufzugeben, aber ich stelle zwei Meinungen, Personen, Ansichten gleichwertig und gleichberechtigt nebeneinander und bin daran interessiert, die Ursachen für die Meinung meines Gegenübers und seine Bedürfnisse zu sehen und anzunehmen. Dann, erst dann kann man von Augenhöhe sprechen. Mit „Ich bin einer von euch“ hat das genau nichts zu tun.

Denn wenn der Chef, wie Karin Bauer schreibt, das 30-fache seiner Angestellten verdient, tut sich zwar eine unangemessene Gehaltsschere auf, es verhindert aber nicht, dass er der Mitarbeiterin zuhört, ihre Bedürfnisse wahrnimmt und ihre Interessen wahrt beziehungsweise in Entscheidungen einbezieht.

Und dass eine Vorgesetzte mit ihrem Team Gespräche auf Augenhöhe sucht, heißt auch noch lange nicht, dass sie nicht willens wäre, ihre Führungsfunktion wahrzunehmen und Entscheidungen zu treffen. Aber Kommunikation auf Augenhöhe kann die Basis für ihre Entscheidungen sein und ist ein unverzichtbares Element ethischen Führens.

Das Konzept der Augenhöhe gibt es bereits, es muss nicht aus dem Mythos oder der „Sehnsucht danach etwas Neues entstehen“ – dieses Neue ist bereits da, man muss es nur korrekt wiedergeben.

Elisabeth Gräf und Roman Kellner sind Trainer für schriftliche und mündliche Kommunikation in Wien, www.wortundweise.at

Von Queenie Goldstein lernen: Verbindung herstellen durch Empathie

queenie_180Queenie Goldstein aus den „Phantastischen Tierwesen“ ist die Gabe der Legilimentik angeboren. Im Gegensatz zu Vertretern dunkler Magie verknüpft sie diese  Kunst mit Empathie. Von ihr können auch Muggel viel lernen.*

Im Universum von Joanne K. Rowling tritt Legilimentik als die Gabe auf, in die Gefühls- und Gedankenwelt anderer Personen einzudringen. In den Potter-Romanen steht diese Kunst durch Zauberer, die sich in ihrem Eigeninteresse gewaltsam Zutritt zum Geist anderer verschaffen, in schlechtem Ruf, weil sie ausschließlich manipulativ genutzt wird.

Eine gänzlich andere Art, Legilimentik einzusetzen, als einen regelrechten Angriff auf das Innenleben anderer zu starten, praktiziert Rowlings Charakter Queenie Goldstein im Film „Phantastische Tierwesen“. Der außergewöhnlichen New Yorker Magierin ist die Gabe, die mehr umfasst, als nur Gedanken zu lesen, angeboren. Allerdings setzt sie diese Fähigkeit außer in Notsituationen niemals zu ihrem eigenen Nutzen ein, sondern zur Unterstützung ihres jeweiligen Gegenübers. Ihr gelingt es, mit Feingefühl, Sanftmut und einem Hauch Naivität eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, in der eine echte positive Verbindung zwischen ihr und ihrem Gegenüber entsteht.
Queenie agiert immer gewaltfrei. Ihr geht es nicht darum, mittels Wissen über eine Person Macht zu gewinnen, sondern sie teilt die Gefühle der anderen, vermittelt Geborgenheit und lebt mit. Die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Mitmenschen erschließt sich ihr unwillkürlich; manchmal scheint es, als würden durch ihre Präsenz vermehrt intensive, vielleicht bedrohliche, jedenfalls aber bedeutsame Erlebnisse und Gefühle in den Menschen wach, die sie sich vielleicht sonst nicht eingestehen. Mit ihrer achtsamen Haltung und indem sie Gefühle und Gedanken nicht bewertet oder beurteilt, unterstützt Queenie sie dabei.

 Legilimentik à la Queenie ist für Muggel Empathie

Die Fähigkeit, eine positive Verbindung – auch über gedankliche Grenzen hinweg – herzustellen, ist nicht nur Hexen und Zauberern vorbehalten, es gibt sie auch in der Muggelwelt: Wir kennen sie als Empathie: die Fähigkeit, mit dem Gegenüber mitzuempfinden.
Wie bei der Legilimentik kommt es auf die innere Haltung an, wenn Empathie im Spiel ist. Wer empathisch ist, urteilt nicht über Gefühle, es gibt auch keine Hierarchie zwischen Gefühlszuständen („Der Arme! Ihm geht es so schlecht – Gott sei Dank geht es mir besser.“). Empathie ist die Bereitschaft, wie Queenie Goldstein mit dem anderen ein Stück weit in seinem Gefühl mitzugehen, sich darauf in ganzer Präsenz einzulassen, ihn zu begleiten, ganz anzunehmen, was er oder sie gerade empfindet, und vielleicht dazu beizutragen, dass er selbst dieses besser erkennen oder gar annehmen kann.

Was also können wir von Queenie lernen?

  1. Echte Empathie schafft Verbindung, urteilt nicht und kann Unterstützung bedeuten. Urteile stehen ihr im Weg. Jene Zauberer, die Legilimentik nur über den Kopf und ohne Herz betreiben, dringen gewaltsam in die Gedanken ihres Gegenübers ein und tun dies zu ihrem eigenen Vorteil. Auch dieses Phänomen gibt es in der Muggelwelt, etwa wenn Verkaufstrainer vermeintlich auf die Bedürfnisse ihres Gegenübers eingehen oder sogar bewusst bestimmte Gefühle erzeugen, nur um ein bestimmtes Produkt zu verkaufen oder Einfluss zu üben. Das hat natürlich mit Empathie nichts zu tun.
    Wahre Empathie im Sinne Queenie Goldsteins bietet die Möglichkeit, über das Herz Kontakt zu einer anderen Person aufzunehmen und sich in ihr Denken, Fühlen und Erleben hineinzuversetzen. Sie kennt keinen Eigennutzen und stellt keine negative Grenzüberschreitung dar, sondern besteht im ehrlichen Interesse am anderen und macht so eine Verbindung möglich. Diese Haltung zu erlernen, ist vielleicht fast so schwer wie zu zaubern. Die Wirkung kann jedoch ebenfalls magisch sein.
  2. Wer empathisch wie Queenie Goldstein sein will, sollte mit den eigenen Gefühlen ins Reine kommen und das auch wollen, was bedeutet, auch den eigenen Empfindungen offen zu begegnen und nicht über sich selbst zu urteilen.
    Die hohe Kunst erlernt, wer die eigenen Bedürfnisse ganz wie die positiven Vertreter der Legilimentik nicht aburteilt und dann auch die des Gegenübers akzeptieren kann.
  1. Anhand von Queenies Beispiel lässt sich gut erkennen, dass Empathie nicht bedeutet, die Gefühle oder auch Probleme des anderen zu den eigenen zu machen. Queenie ist sich ihrer eigenen Gefühle und auch ihrer eigenen Werte ganz bewusst. Wenn sie mit anderen mitfühlt, bedeutet das nicht, dass sie deren Gefühlswelt, Meinungen oder Probleme übernimmt. Sie geht nicht im Gegenüber auf.

Die Haltung macht den Unterschied – bei Muggeln wie bei Zauberern

Natürlich kommen nur die wenigsten als Legilimentiker auf die Welt. Und für Muggel ist diese Kunst weder erlernbar noch vielleicht wirklich erstrebenswert. Doch von Queenies Haltung lernen wir: Jemandem in Empathie zu begegnen, schafft eine ganz andere Basis, ob für ein Gespräch, eine gemeinsame Unternehmung oder auch für die Zusammenarbeit. Wichtig ist dabei nicht, für den anderen Probleme zu lösen, zu überzeugen, Hilfe anzubieten oder sich eine Strategie für ihn ausdenken, sondern einzig, die Person in ihrem Gefühl zu begleiten.

Denn in einer einfühlsamen Begegnung ist nicht selten eine andere Form von Lösung möglich: Oft löst sich beim Gegenüber allein durch eine achtsame Begleitung in die eigene Gefühlswelt etwas. Er oder sie ist dann vielleicht weniger angespannt, kann vielleicht besser durchatmen, etwas loslassen, weil er/sie sich nicht rechtfertigen oder erklären muss, sondern sich verstanden fühlt. Das hilft dabei, die Situation anzunehmen oder sogar einmal Ideen für einen nächsten Schritt zu entwickeln. Das muss aber auch nicht sein.
Wichtig ist, dass zwei Menschen gerade voll und ganz präsent und gegenwärtig sind. Und solche Momente sind kostbar, ja, magisch vielleicht.

*Dieser Text ist die Kurzfassung eines Kapitels für eine geplante, erweiterte Neuauflage unseres Buches „Ziele und Zaubersprüche“, das derzeit leider nur als E-Book erhältlich ist. Mehr dazu auf ZIELE UND ZAUBERSPRÜCHE.

Quellen:

https://ew.com/article/2016/08/05/fantastic-beasts-queenie/

https://de.harry-potter.wikia.com/wiki/Legilimens

https://www.zeit.de/kultur/2017-06/empathie-gefuehle-achtsamkeit-training-10nach8

https://twitter.com/jk_rowling/status/809156500023341057?lang=de

https://www.hp-lexicon.org/character/salazar-slytherin/

https://de.harrypotter.wikia.com/wiki/Pukwudgie_(Haus)

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Spielregeln bei Moderationen und Workshops

grundregeln_groß„Was mache ich, wenn die Leute einander bei Diskussionen nicht ausreden lassen?“ „Wie soll ich mit schwierigen Teilnehmern umgehen?“ „Wie halte ich den roten Faden?“

Für die häufigsten Fragen in unseren Moderationsseminaren gibt es kein Patentrezept. Aber in vielen Fällen hilft schon ein einfacher Tipp: Ein/e Moderator/in oder ein/e Workshopleiter/in hat es leichter, wenn er oder sie sich schon vor Beginn der gemeinsamen Arbeit mit der Gruppe auf Regeln verständigt hat.

Regeln verbessern die Zusammenarbeit
In der Ratgeberliteratur finden Sie dazu häufig den Tipp, gemeinsam mit der Gruppe Spielregeln zu erarbeiten. In einer Zeit, in der in Workshops, Klausuren und Arbeitsgruppen etwa dreimal so viele Themen in der halben Zeit bearbeitet werden soll, ist das aber unrealistisch.

Auf Regeln des Zusammenspiels  sollten Sie dennoch keinesfalls verzichten! Warum? Steht schon vor Beginn der gemeinsamen Arbeit auf einem Flipchart, dass Handys ausgeschaltet oder stumm bleiben, haben Sie beim ersten Telefonläuten die ganze Gruppe hinter sich, wenn Sie die betreffende Person höflich darauf hinweisen.

Spielregeln sorgen für Klarheit – auch bei Ihnen
Wenn es Spielregeln gibt, gibt es auch einen Spielleiter – der sind Sie, wenn Sie moderieren. Das bedeutet, Sie müssen die Regeln kennen, befolgen und einfordern können. Schreiben Sie daher nicht Regeln aus einem Moderationsratgeber ab – die Regeln müssen zu Ihrem Workshop, Ihrem Stil und nicht zuletzt dem Ziel der Arbeitsgruppe passen.

  1. Überlegen Sie sich schon in der Vorbereitung, welche Regeln für Sie zum Arbeiten mit der Gruppe wichtig sind. Am besten beschränken Sie sich auf drei, maximal fünf Punkte.
  2. Bringen sie diese in eine Form, die Sie der Gruppe zu Beginn des Workshops (nach der Begrüßung, vor dem Arbeitsteil) präsentieren können (Flipchart, Ausdruck, Powerpoint).
  3. Erklären Sie diese Regeln, bevor die thematische Arbeit beginnt. Bitten Sie die Gruppe um Ergänzungen („Gibt es noch etwas, was auf das Plakat soll, damit Sie gut arbeiten können? Fehlt für Sie noch etwas als Grundregel?“)
  4. Achten Sie darauf, dass es nicht zu viele Regeln werden. Lieber drei oder vier wirkungsvolle Abmachungen als ein dickes Regelwerk, an das sich keine/r hält.
    Um auf die beiden Eingangsfragen zurückzukommen: „Wir lassen einander ausreden“ könnte ein Satz sein, der als Grundregel notiert wird. Vergessen Sie in diesem Fall nicht auf einen weiteren Satz. Der/die Moderator/in darf unterbrechen! Das ist wichtig – denn sonst werden sich Vielredner/innen unter Verweis auf die Regeln nicht stoppen lassen!
  5. Lassen Sie sich von jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin diese Regeln abnicken. Nur dann haben Sie eine Chance, dass Sie in der Situation dann auch wirkungsvoll auf die Vereinbarungen hinweisen können („Das haben Sie ja nur da hingepinnt. Ich hab‘ nie ja dazu gesagt!“)

Was passt zur Gruppe?
Halten Sie sich nicht sklavisch an diese Empfehlungen, sondern finden Sie das Richtige für die Gruppe. Um beim Begriff Spielregeln zu bleiben – im Umgang mit ernsthafteren Persönlichkeiten empfehlen wir eine andere Wortwahl, etwa Grundregeln, Basisregeln oder Kommunikationsregeln. Und dann gibt es Gruppen, die schreiend davonlaufen, wenn Sie mit einem Regel-Flipchart antanzen. Verzichten Sie in diesem Fall trotzdem nicht auf Ihre Grundsätze, auch wenn Sie vielleicht keine Basisregeln aufhängen. Machen Sie diese aber zumindest in der Einleitung klar. Auch das hilft bereits. Haben Sie schon einmal erwähnt:„Für eine gute Diskussion ist es nötig, dass Sie einander ausreden lassen. Ich als Moderatorin nehme mir dabei das Recht heraus, zu unterbrechen, weil … “, ist die Sache für alle von vornherein klar. Und für Klarheit zu sorgen ist eine wichtige Aufgabe eines Moderators oder einer Moderatorin.

Mehr solche Tipps, viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren Moderationsseminaren. Infos dazu finden Sie HIER.

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Menschen vor Methoden

methodenMethoden sind wichtig, aber Menschen, ihre Bedürfnisse und Ziele sind wichtiger.

Manche Akquisegespräche führen nicht zu Aufträgen und das ist auch gut so. Ich erinnere mich noch genau an ein Gespräch mit dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Wir waren eingeladen, mit ihm über ein Moderationsseminar in seiner Firma zu verhandeln.

Schon bald war klar: Der Mann war ein Trophäen-Sammler. Seine Trophäen bestanden aus verbrauchten TrainerInnen und eingesetzten Methoden. Tatsächlich zeigte er uns eine Mappe, in der alle TrainerInnen aufgelistet waren, die schon für ihn gearbeitet hatten. Keiner war gut genug gewesen. Von uns wollte er vor allem etwas Neues, eine neue Methode, einen neuen Ansatz. Wenig überraschend: Das Gespräch war bald zu Ende, wir haben uns nie wieder gesehen.

Nicht, weil wir nicht ein paar Namen von Methoden hätten fallen lassen können, von denen der Geschäftsführer noch nie gehört hätte, sondern weil wir bei dem durchschaubaren Spiel nicht mitmachen wollten.

Nie um der Methode willen

Wenn Sie einmal in die Situation kommen, dass Sie eine neue Methode kennen gelernt haben und die unbedingt ausprobieren wollen, dann seien Sie bitte nicht ungeduldig, sondern warten Sie auf den richtigen Zeitpunkt, sie einzusetzen. Es passt einfach nicht jede Technik für jede Situation! Methoden sind wichtig, und viele Methodenpfeile im Köcher zu haben macht flexibel und garantiert, dass den TeilnehmerInnen und einem selbst nicht fad wird. Aber Methoden dürfen nie Selbstzweck sein. Und es bringt auch nichts, sie als Trophäen zu betrachten. Sie sind ein Werkzeug, um ein Ziel zu erreichen. Es gibt aber Situationen, da reichen eine einfache Diskussion, geduldiges Zuhören oder ein paar Fragen, um Wunder zu bewirken.

Entscheidend ist, wer in einem Seminar, einem Gespräch oder sonst einer kommunikativen Situation das Gegenüber ist. Was will und was braucht die Person oder Gruppe? Und was ist das Ziel einer Moderation, eines Gespräches, eines Workshops? Erst wenn das geklärt ist, kann ich den Methodenkoffer öffnen und schauen, was zu dieser Person oder Gruppe und zu diesen Zielen passt. Halte ich diese Reihenfolge nicht ein, sehe ich überall Karotten, weil ich eine neue Karottenreibe habe, oder – als Bild berühmter – überall Nägel, weil ich nur einen Hammer besitze.

Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren wollen, besuchen Sie doch eines unserer Seminare.

Kleider machen Leute. Vom richtigen Outfit für Präsentation, Moderation und Seminare.

beine2Was soll ich als Moderatorin nur anziehen ? Und was als Teilnehmerin?

Ich erinnere mich gut, als ich vor ein paar Jahren an einem Fortbildungsseminar der Wirtschaftskammer teilnahm. Das erste, was ich von der Vortragenden sah und sich mir sofort ins Gehirn brannte, waren ihre roten, extrem hochhackigen Lacklederpumps, deren Absätze stricknadelgroße Löcher in den Teppichboden bohrten. Ich starrte diesen Inbegriff von Selbstbewusstsein an und begann, mich vor der Trainerin zu fürchten. Zu Recht.

Als es zur Vorstellungsrunde kam und ich in kurzen, zugegeben etwas schüchternen Worten mein Tätigkeitsfeld umriss, unterbrach sie mich: „So stellt man sich nicht vor.“ Es fühlte sich an, als hätte sich einer der Absätze in mein Herz gebohrt. Beschämt starrte ich an meinen Jeans zu meinen löchrigen Converse hinunter. Die Frau hatte mich nicht ernst genommen. Nicht, weil ich nicht gut vor Publikum sprechen konnte. Nein, auch damals schon blickte ich auf über ein Jahrzehnt Bühnenerfahrung zurück. Einerseits hatte mich mein Gewand deklassiert: Alte Jeans, ein Pulli und löchrige Converse – so jemand konnte in den Augen der Lack-Stöckelfrau keine Ahnung davon haben, wie man sich selbst präsentiert. Andererseits hatte ihr Outfit bereits seine vollständige abschreckende Wirkung bei mir entfaltet: Die Dame im Business-Kostüm mit den super hochhackigen Lacklederpumps wirkte auf mich so arrogant und selbstgefällig, dass ich mich schon unwohl fühlte, bevor das Seminar überhaupt begonnen hatte.

Was also ist die richtige Kleidung? Das, worin man sich wohl fühlt? Dann hätte ich in Jeans und Converse ja brillieren müssen – denn das ist für mich Wohlfühlkleidung pur. Und hat sich die Trainerin in ihren Lieblingsschuhen nicht vielleicht auch superwohl, weil superschick gefühlt?
Wahrscheinlich ist beides falsch. Grundregel für Vortragende: Sei immer einen Tick besser gekleidet als dein Publikum. Das bedeutet, der/die Vortragende sollte einschätzen können, welches Publikum zu seinem/ihrem Vortrag kommt. Im Zweifelsfall hat man noch ein edleres Sakko oder elegantere Schuhe mit, die man noch rasch vorher wechseln kann, sollte man underdressed sein. Bei aller Schönheit: Wichtig ist immer, dass man sich im Gewand auch wohlfühlt. Das schickste Kleid wird mir nicht helfen, wenn ich darin nicht atmen oder die Arme nicht heben kann – im Gegenteil, ich werde nicht so authentisch rüberkommen, wie ich das vielleicht möchte.
Gewand verleiht Status. Wenn man sein Publikum erreichen möchte, ist es also hilfreich, stilmäßig nicht allzu weit von den TeilnehmerInnen entfernt zu sein. Im beschriebenen Beispiel hat die Vortragende ihren Status durch die Wahl eines sehr selbstbewussten Business-Outfits mehr als unterstrichen – den Kontakt zu den TeilnehmerInnen hat dieser Auftritt nicht verbessert.

Und als TeilnehmerIn? Auch hier muss ich mich fragen: Als wer gehe ich dorthin? Wer wird noch dort sein? Und wie will ich gesehen werden? Wenn ich also bei einem Seminar nicht als unscheinbare Studentin wahrgenommen werden will, sollte ich dort vielleicht auch nicht unbedingt in alten Jeans, Pulli und Sneakers aufkreuzen. Und umgekehrt: Wenn ich ein Seminar für Studierende halte und für sie nahbar bleiben möchte, werde ich mich nicht voll in Schale werfen, aber eventuell habe ich zu den Jeans noch irgendein Teil dabei, das meinem Outfit einen seriöseren Anstrich verleiht – vielleicht nicht unbedingt hochhackige rote Lacklederpumps.

Wenn Sie an mehr, an viel mehr solchen Tipps interessiert sind, dann besuchen Sie doch unsere Moderationsseminar für die  Bühne „Mut Zur Moderation“ oder unser Moderationsseminar für Gruppenprozesse und Klausuren „Mit Moderation zum Ziel“.

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Ja, und …

480_neu_Ja, undRichtig „ja“ sagen ist schwierig. Dass wir oft „ja“ sagen, aber „nein“ meinen, zeigt eine kleine Übung, die wir oft mit unseren TeilnehmerInnen im Moderationsseminar machen. Dabei geht es darum, bedingungslos zu dem, was der Gesprächspartner vorschlägt, „ja“ zu sagen und dem noch etwas hinzuzufügen. Die Übung kommt aus dem Improvisationstheater, der Theaterform, die bedingungslos „ja“ zur aktuellen Situation sagt. Dieses Theater entsteht aus dem Moment und dem konstruktiven Zusammenspiel zwischen den SpielerInnen. Wer im Impro-Theater „ja, und“ sagt, meint: Ich nehme die Situation so an, wie du sie kreiert hast. Ein Beispiel: Eine Person betritt die Bühne und hebt den Arm. Sie denkt, sie stellt eine Malerin vor ihrem Bild dar. Jetzt kommt der zweite Spieler dazu und sagt: „Halt! Nicht schießen!“ – denn er hat in der Geste einen Speerwerfer gesehen. Die Ja-und-Regel anzuwenden würde nun bedeuten, dass die Spielerin einfach annimmt, was vom Gegenüber kommt und als Speerwerferin weitermacht, anstatt mit „Ja, aber ich bin doch eine Malerin und male grade ein Bild!“ zu kontern. Was das bringt? Es setzt die beiden AkteurInnen in Beziehung, sie einigen sich auf ein Grundmuster und bringen so die Handlung voran.

Was das in einem Moderationsseminar verloren hat? Ganz einfach: Als ModeratorInnen sind wir ständig mit Situationen konfrontiert, die vielleicht so nicht geplant waren. Der Scheinwerfer setzt aus, ein Redner spricht zu lang, der Beamer funktioniert nicht. Für das Publikum ist nichts schlimmer, als wenn nun eine lange Entschuldigung folgt und eine Erklärung, was jetzt an dieser Stelle eigentlich hätte sein sollen und warum das jetzt nicht geht, weil ja eigentlich … NEIN! Der Moderator sagt: „Ja! Und!“ Er oder sie sagt mit vollem Herzen „ja“ zur aktuellen Situation. Und dann kann er/sie darauf reagieren, etwas draufsetzen, etwas verändern.

Auch in Diskussionen kann es hilfreich sein, ein „Ja, und“ einmal ehrlich zu meinen, anstatt immer mit einem „Ja, aber“ zu kontern. Denn das „Aber“ killt das „Ja“. Weg ist es! Was bleibt ist: Blödsinn, das geht nicht! Wer in einer Diskussion „ja, und“ sagt, stimmt im ersten Schritt wirklich mit seinem Gegenüber überein: Ja. Ich erkenne deinen Standpunkt an. Ja, ich höre deinen Vorschlag. Ja, das ist deine Meinung.
Und dann kann ich etwas hinzufügen. Etwas, das den Vorschlag vielleicht ergänzt oder erweitert. Mein/e Gesprächspartner/in wird mir eher zuhören. Er/sie wird merken, dass er/sie wirklich gehört worden ist. Wenn ich es auch wirklich so meine.

Denn „ja“ und zu sagen, aber in Wirklichkeit „ja, aber“ und damit eigentlich „nein“ zu meinen, wird langfristig nicht erfolgreich sein. Wer das „Ja, und“ benützt, um andere zu manipulieren, wird die Gesprächsbasis dauerhaft schädigen. Und wer eigentlich „ja, aber“ meint, sollte am besten gleich höflich, ehrlich und freundlich „nein“ sagen.

Unlängst hat Magdalena Vachova vom Kurier über diese Methode einen kurzen Kommentar geschrieben und dabei auf WORT & WEISE Bezug genommen.

Wenn Sie an mehr solchen Tipps Interesse haben, besuchen Sie doch eines unserer Seminare.

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Lampenfieber

versteckDie Hände schwitzen und das Herz pocht, als ob es Signale nach draußen senden möchte. Der Kopf hämmert „nein“, der Widerwille, die Stimme zu erheben, ist übergroß. Dann die ersten Worte: Und gleich im ersten Satz ein Versprecher. Kennen Sie das?

Sie sind damit nicht allein. Immer wieder zeigen Studien, dass für viele Menschen die Angst vor dem Reden den Top-Platz unter allen möglichen Ängsten einnimmt, noch vor Krankheiten, Schlangen oder gar dem Tod. Und unzählige prominente Persönlichkeiten haben sich öffentlich zu ihrer Nervosität vor Auftritten bekannt, etwa Peter Alexander, Maria Callas oder John Lennon. Der Burgtheater-Schauspieler Peter Simonischek erzählte in einem Interview in der Wiener Zeitung einmal, dass die Aufregung nicht nur den Moment vor dem Auftritt betrifft: „Es ist immer ein gewisser Anspannungspegel da. Schon morgens, wenn ich aufstehe, ist der Tag, an dem ich abends eine Vorstellung habe, nicht der gleiche wie der Tag, an dem ich nicht spiele. Der ganze Tag ist ausgerichtet auf den Moment, wenn am Abend der Vorhang hochgeht. Wer bereit ist, was zu riskieren, der hat auch Lampenfieber.“

Das ist doch schon mal gut, wenn wir das Lampenfieber mit prominenten und erfolgreichen Menschen, die viel auf Bühnen stehen, teilen. Das beweist, dass dieser Zustand einen erfolgreichen Auftritt offenbar nicht verhindert. Und tatsächlich ist der wichtigste Ratschlag, Nervosität nicht zu bekämpfen, sondern sie eher zu akzeptieren. Physiologisch betrachtet ist sie ein Erregungs- und/oder Hemmungszustand, der zu Hormonausschüttungen führt – wie bei drohender Gefahr. Und wie bei dieser hat er seine Funktion, er macht uns wach und aufmerksam. Vor mehr Menschen als gewöhnlich etwas vorzutragen ist ein Ausnahmezustand, das Gefühl dazu ist es auch.

Hier ein paar Tipps zum Umgang mit allzu großem Lampenfieber:

  • Nutzen Sie die Energie, sie ist etwas Positives. Lassen Sie sich aber von Ihr nicht das Tempo vorgeben, indem Sie etwa schneller sprechen als normal.
  • Finden Sie möglichst viel über den Auftritt und das Setting heraus. Wenn Sie zum Beispiel den Raum schon kennen, in dem Sie eine Rede halten müssen, kann Ihnen das Sicherheit geben.
  • Bereiten Sie sich rechtzeitig gut vor. Proben sie zumindest die ersten zwei bis drei Sätze mehrmals vorab. Üblicherweise legt sich die Aufregung mit der Zeit.
  • Lenken Sie sich ab, wenn es davor nichts mehr zu tun gibt. Es bringt nichts, wie das erschreckte Kaninchen auf die Schlange zu starren.
  • Schauen Sie, was Ihnen unmittelbar vor dem „Auftritt“ hilft. Vielleicht gibt Ihnen eine bestimmte Musik die nötige Kraft, vielleicht ein paar tiefe Atemzüge, vielleicht ein Spaziergang.
  • Wählen sie ein Outfit, in dem Sie sich wohlfühlen. Der Nutzen des superengen Anzugs oder der riskanten High Heels ist geringer als das Risiko, dass sie Ihnen den nötigen Atem oder die Standfestigkeit nehmen.
  • Betrachten Sie das Publikum nicht als Feind, sondern als Verbündeten. Richten Sie Ihr Augenmerk von Beginn an auf zwei oder drei gut im Raum verteilte wohlwollende Gesichter. Und vertrauen Sie darauf, dass Zuhörer/innen Ihre Aufregung nie in dem Maße mitbekommen wie Sie glauben.
  • Freuen Sie sich auf den Auftritt. Ja, es ist eine Herausforderung, das heißt, dass Sie Ihre Komfortzone verlassen. Aber daran wachsen Sie. Danach werden Sie stolz sein, dass Sie sich getraut oder es gemeistert haben

Mehr Tipps, Tricks und Techniken zu Präsentationen und Auftreten vor Publikum gibt es in unserem Seminar „Mut zur Moderation“.

Drei Grad

temperatur_breitÜber Bedürfnisse zu diskutieren, ist ein sinnloses Unterfangen.

Wir arbeiten im selben Raum an unseren Computern. Ich trage ein T-Shirt, von meiner Partnerin sieht man nur die Augen. Sie rollen knapp oberhalb des Rollkragenrandes hin und her – auf der Suche nach einer siebenten Schicht, in die sie sich hüllen könnte. Auch in der Nacht ist es nicht anders: Decke ich mich auf Grund nächtlicher Hitzewallungen ab, schnappt sie sofort die Tuchent, weil zwei Decken und die gesamte Winterschlaf-Kollektion mehrerer Gewandkataloge noch nicht ausreichen.

Die Wohlfühltemperatur meiner Partnerin liegt drei Grad über der meinen, mindestens. Darüber lässt sich streiten und darüber haben wir gestritten. Allein: die Diskussionen führen zu nichts. Die eigenen Bedürfnisse stehen denen eines anderen Menschen gegenüber. Eine Wirklichkeit trifft auf eine andere Wirklichkeit.

Argumente versus Bedürfnisse
Da hilft es auch nicht – glauben Sie mir, ich habe es versucht –, mit Heizkosten oder Statistiken zu argumentieren. Ihnen kann ich es ja verraten: Ein Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent der Heizkosten. Aber das zählt als Argument nicht, wenn nur einer das Opfer bringt, wenn einem, in dem Fall einer, einfach kalt ist.

Daher: Versuchen Sie nie, den oder die andere/n von etwas zu überzeugen, was einer subjektiven Empfindung entgegensteht. Eine Temperatur-Diskussion zwischen einer Schnee-Eule und einem Känguru würde schließlich auch nichts bringen.

Kompromisse und Lösungen
Sie fragen sich, wie man das aushalten kann? Wie ich überlebe, ohne zu schmelzen? Nun: Leiden, damit nur der oder die andere sich wohl fühlt, ist keine Lösung. Und wahrscheinlich haben Sie es schon vermutet: Einfache Lösungen gibt es selten. Aber es gibt sie, die Möglichkeiten. Sie befinden sich allerdings jenseits der Zone „Recht haben/Recht bekommen“. In unserem Fall wäre das: Finden Sie Kompromisse und kreative Lösungen. Arbeiten Sie in getrennten Zimmern. Setzen Sie die hitzige Person näher zum Fenster. Denken Sie sich zeitliche Regelungen aus. Arbeiten Sie nicht gleichzeitig. Schaffen Sie eine Warm- und eine Kühlzone. Wie auch immer die Lösung in Ihrem Fall aussehen könnte: Stehen Sie zur Ihren Bedürfnissen. Aber akzeptieren Sie die Bedürfnisse des/der anderen als gleichwertig. Das vermeidet Streit. Und schafft manchmal ein ganz neues Arbeitsklima.

Neugierig geworden auf mehr Tipps und Tricks, wie Sie als Paar oder Team gut zusammenarbeiten, dann besuchen Sie doch unser Seminar „Tools für Teams“.

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Partizipation

pyramide_partizipationPartizipation – alle reden davon und jeder meint etwas anderes

Ein Unternehmen möchte die interne Kultur verbessern und startet den Prozess mit einer MitarbeiterInnenversammlung. Eine Organisation legt Fragebögen auf, um eine Veranstaltung zu evaluieren. Eine Bürgerinitiative fordert Mitsprache bei einem Straßenprojekt.

Was haben diese drei Beispiele gemeinsam? Der Titel verrät es bereits, in allen drei Fällen geht es um Partizipation. Und sie zeigen: Partizipation ist ein weites Feld. Die lateinischen Herkunftswörter pars (Teil) und capere (fangen, ergreifen, nehmen) führen zu einem Begriff, unter dem alles Mögliche verstanden wird, immer geht es aber um eine Form der Einflussnahme, der Mitbestimmung und der Teilhabe.

In unseren Seminaren und Beratungen rund um Themen wie Moderation, Kreativität und Kommunikation ist Partizipation ein zentrales Thema, zu dem viele Fragen auftauchen: Wann beginnt Partizipation? Wieviel Partizipation ist möglich oder erwünscht? Mit welchen Methoden binde ich meine MitarbeiterInnen bestmöglich ein?

Die Partizipationspyramide
Gaby Straßburger und Judith Rieger stellen in ihrem Buch „Partizipation kompakt“ die verschiedenen Grade der Partizipation sehr anschaulich als Pyramide dar. Das Modell ist von zwei Seiten zu lesen, von der „institutionell-professionellen Perspektive“ (etwa einer Gemeinde) und von der Perspektive der BürgerInnen (bzw. anderer Partizipierenden) aus. Die drei Reihen an der Basis (rot) nennen sie „Vorstufen der Partizipation“, weil der Grad der Einflussnahme noch sehr gering ist: Ganz unten geht es lediglich um Information, darüber werden die Meinungen eingeholt und auf Stufe drei wird immerhin die Lebensweltexpertise der Betroffenen erfragt.

Darüber folgen drei Stufen echter Partizipation (orange): Es wird schon abgestimmt, etwas höher sogar Entscheidungskompetenz abgegeben und schließlich auf Stufe sechs die Entscheidungsmacht völlig übertragen. Die Fachkräfte unterstützen und begleiten in diesem Fall nur mehr.

Die Spitze schließlich ist zivilgesellschaftlichen Eigenaktivitäten vorenthalten. All das also, was BürgerInnen, MitarbeiterInnen oder andere Betroffene gemeinschaftlich organisieren und eigenständig verwirklichen. Deshalb ist die gelbe Spitze auch nur halb, weil hier nur mehr die Perspektive der BürgerInnen (MitarbeiterInnen etc.) eine Rolle spielt. Die institutionell-professionelle AkteurInnen-Perspektive endet mit Stufe sechs.

Missverständnisse vermeiden
Es ist nur ein Modell, das Möglichkeiten abbildet, es geht nicht darum, zu bewerten, wie viel Partizipation genau richtig ist. Das hängt von den Umständen der zu treffenden Maßnahmen oder Entscheidungen ab. Ganz wichtig ist allerdings, dass alle Beteiligten dasselbe unter Partizipation verstehen und dass sich die Erwartungen der TeilnehmerInnen mit den Angeboten decken. Wenn MitarbeiterInnen davon ausgehen, dass sie mitbestimmen dürfen, dann aber lediglich um ihre Einschätzung gebeten werden, ist böses Blut garantiert.

Natürlich hat es viele Vorteile, wenn ich Betroffene, ob in der Gemeinde, im Unternehmen oder in der Schule bei Entscheidungen mit ins Boot hole. Das führt, wenn es richtig gemacht wird, zu einer höheren Identifikation mit Lösungen und damit zu besseren, verbindlicheren und nachhaltigeren Beschlüssen. Umgekehrt können partizipative Prozesse langwierig sein, falsche Erwartungen wecken und, wenn sie scheitern oder zu hochschwellig angesetzt sind, zu Frustration führen.

Welche Methoden für einen partizipativen Prozess am besten passen, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Gruppengröße, der Zeit- und Raumressourcen und natürlich vom Ziel ab. Dazu werden Sie vielleicht in dem einen oder anderen Blog-Beitrag fündig, ganz sicher aber in unseren Seminaren.

Lesetipp: Gaby Straßburger/Judith Rieger (Hg.): Partizipation kompakt – Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe, Weinheim und Basel: Beltz Juventa 2014.

 

Arbeiten als Paar

buecher_resizedEgal, welche Arbeit man vor sich hat: Es ist wichtig zu wissen, was danach anders sein soll. Und das ist oft gar nicht so einfach. Angenommen, ich bin gerade dabei, einen Nagel einzuschlagen. Was ist mein Ziel? Ein gerade und korrekt eingeschlagener Nagel? Dass das Bild hängt? Ein schöneres Wohnzimmer? Oft bestimmt das Ziel, wie ich an eine Sache herangehe. Und hier wird es als Paar ganz besonders interessant. Schon allein ist es manchmal schwierig zu wissen, was man denn genau mit dem, was man tut, erreichen möchte. Zu zweit kann es eine echte Herausforderung sein.

Ein Buch, zwei Vorstellungen davon
Ich erinnere mich an unseren ersten gemeinsamen Buchversuch im Jahr 2004. Uns war klar, wir schreiben ein Buch über Verhörer, also Missverständnisse im Verstehen. Vermeintlich ein klares gemeinsames Ziel. Als die Arbeit jedoch nicht vorankam, mir nichts passte, was mein Partner schrieb und die Unzufriedenheit zunahm, wurde mir langsam klar: Ich fände zwar ein Verhörerbuch spannend, aber ich hätte es gern viel wissenschaftlicher. Kein nettes Büchlein mit anekdotisch verpackten, gesammelten Verhörern, sondern etwas, das mir als Sprachwissenschafterin gefiel. Und ich wollte, dass mein Partner dieses Ziel teilte. Ihm schwebte hingegen ein unterhaltsames, nettes Geschenkbuch für alle Gelegenheiten vor, ein wissenschaftliches Kapitel nur unter ferner liefen. Erst nach und nach begriffen wir: Wir teilten nicht dieselbe Vorstellung vom Endprodukt. Wir versuchten uns zu einigen, allerdings brachte ich keine Energie auf, mich einem Buchprojekt zu widmen, zu dem ich nicht hundertprozentig stand. Das gemeinsame Projekt konnte nicht stattfinden. Kooperation gab es letztlich trotzdem: Roman schrieb sein Geschenkbuch – und ich ließ mein Wissen in ein Kapitel mit sprachwissenschaftlichem Hintergrund fließen. Das gemeinsame Schreiben, das gemeinsame Arbeiten an einem geteilten Ziel war jedoch vorerst gescheitert – unsere Vorstellungen vom Endprodukt waren zu unterschiedlich gewesen.

Neues Buch, neuer Versuch
Wie groß war also unsere Freude sechs Jahre später, als wir feststellten, dass wir die nächste Buch-Idee mit ähnlichen Zielvorstellungen angingen. Wir waren außerdem aus Erfahrung klug geworden. Jeder legte noch vor Projektbeginn offen, welche Vorstellungen er/sie in Bezug auf Umfang, Stil, Aufbau, Themen und Zielgruppe hatte. Im Gespräch konnten wir strittige Punkte ausräumen oder entsprechend der Kompetenzen verteilen. Je klarer die Ziele wurden, auch für die einzelnen Kapitel, desto eher konnten wir auch auf die Vorlieben des einzelnen achten – all das unter der Beachtung einer gemeinsamen, geteilten Vorstellung vom Endprodukt. Nie war arbeiten so schön. Wenn sich die Bilder beider Partner vom Ziel decken, ja, dann fällt die Arbeit mehr als doppelt so leicht.

Zu den Büchern:

Roman Kellner: Von Eisbärsalat bis Knöchelverzeichnis. Die besten Verhörer der deutschen Sprache, Wien: Ueberreuter 2005.
Das Buch hat zwei Auflagen erlebt und ist derzeit leider vergriffen. Es wird aber vermutlich demnächst als E-Book wieder auferstehen.

Elisabeth Gräf/Roman Kellner: Ziele und Zaubersprüche. Von Harry Potter und seiner Welt lernen, Potsdam: ÖkoSysteme-Verlag 2011.
Näheres unter: www.zieleundzaubersprueche.com

Seminartipp:

Wenn Sie das Thema interessiert, dann sind Sie auch in unserem Seminar für Teamarbeit „Tools für Teams“ richtig.

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