Kategorie-Archiv: blogbeitrag

Unterricht in Zeiten von ChatGPT: 10 Thesen

Künstliche Intelligenz, die solide Gebrauchstexte und sogar passable Gedichte schreibt, wirft für Bildungsinstitutionen sehr konkrete Fragen auf, die auf rasche Antworten drängen: Wie kann man in Zukunft noch Texte bewerten? Wie motiviert man Schüler*innen und Student*innen, sich schriftlich auszudrücken, wenn Chatbots besser und schneller texten? Und welche Fähigkeiten werden in ein paar Jahren wirklich gebraucht werden?

"Spieglein, Spieglein an der WAnd ...": die Antwort von GhatGPT ist neutral - und langweilig.

ChatGPT – was nun?

Seit etwa einem Jahrzehnt halten wir jedes Wintersemester einen stundenintensiven Schreibworkshop an der FH der Wirtschaftskammer Wien. Im vergangenen Jahr endete er zeitlich genau mit der Veröffentlichung der ChatGPT-Software und den damit einhergehenden Diskussionen. Wir sind froh, nun einige Monate Zeit zu haben, um zu beobachten, wohin die Reise geht. Die Debatten, was es bedeutet, wenn jede*r sich mit einem Klick, ohne zu plagiieren, Texte erstellen lassen kann, reißen nicht ab. Die Positionen driften weit auseinander. Manche Universitäten und weitere Bildungsinstitutionen wollen die KI einfach verbieten, wobei der Einsatz eines Chatbots nicht sicher nachweisbar ist. Andere verkünden, in Zukunft vermehrt auf mündliche Prüfungen und handschriftliche Tests zu setzten. Wieder andere teilen mit, die Software in den Unterricht integrieren und nur mehr an durch sie erstellten Texten arbeiten zu wollen. Alle diese Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile.

Wir kennen die richtige Antwort leider (noch) nicht, aber wir haben viel dazu gelesen, mit Kolleg*innen diskutiert und uns Gedanken gemacht.

Zehn Thesen:
  1. Die Technologie wird nicht mehr verschwinden, auch wenn wir ganz fest die Augen zudrücken. Wenn etwas mit einem Knopfdruck Arbeit erledigt, für die wir Stunden benötigen, hat es Bestand – und seine Berechtigung.
  2. Mag sein, dass sich das sehr bald ändert, aber ChatGPT schreibt derzeit noch recht viel Unsinn, weil es auf dem Informationsstand von Mitte 2021 ist, weil es Wissens- und Verständnislücken mit scheinbar beliebigen Inhalten füllt und weil es keine Quellen angibt. Inhaltlich verlässlich ist das Tool also (noch) nicht.
  3. Nur wer weiß, was guter Stil ist, kann einen solchen auch beurteilen, nur wer eine Ahnung von einer Materie hat, kann den Wert eines Textes inhaltlich einordnen. Die Kompetenz dazu muss man sich folglich weiterhin erarbeiten.
  4. Künstliche Intelligenz kann uns in kurzer Zeit das Produkt liefern, es kann uns nicht das Erlebnis und die Erfahrung, einen Text zu verfassen, ersetzen. Ja, ein Tool wie ChatGPT nimmt uns das Erleben dieses Prozesses sogar.
  5. Verbote, die nicht sehr gut begründet sind, machen Dinge meist noch attraktiver. Elektronische Geräte im Unterricht zu verbieten wird ganz schwer werden, vor allem bei den Jahrgängen, die mit Handy aufgewachsen sind und die Corona-Jahre in Ausbildung verbracht haben.
  6. Es ist zusätzlich schwer, etwas zu feiern und als Zukunft zu verkünden, und gleichzeitig im Unterricht zu kriminalisieren. Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren bis in die Elementarbildung hinein einen enormen Schub erfahren. Ob gut oder schlecht – der Weg ist eingeschlagen.
  7. Schreiben zielt nicht nur auf das fertige Produkt ab, es kann viel mehr: den Geist klären, Gedanken ausdrücken, Kommunizieren, Sorgen ablegen u. v. m. Es ist also eine bewährte Strategie, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen.
  8. Texten hat viel mit Kommunikation zu tun: Kommunikation funktioniert in der Regel besser, wenn ich mir vorher Fragen nach mir als Autor*in, dem Gegenüber (den Leser*innen) und dem Textziel stelle. Je genauer ich darüber vorher nachgedacht habe, desto spezifischer, interessanter und vermutlich auch unverwechselbarer wird der Text sein.
  9. Lernen hat viel mit Beziehung zu tun – zwischen dem/der Lehrenden und den Schüler*innen. Vielleicht sollte die Begleitung durch Lehrende künftig ganz anders aussehen, als Produkte und Leistungen zu beurteilen?
  10. Ein Text aus der Software kann gut sein, aber er kann niemals authentisch sein.
Doch besser selbst schreiben lernen?

Wenn Sie sich in Zukunft nicht auf ChatGPT verlassen wollen, schauen Sie sich doch unsere Angebote zum Thema Schriftliche Kommunikation an.

Kommunikationsverweigerung und Ohnmachtsgefühl

Macht und Ohnmacht im Gespräch, Teil 3:
Für sich selbst sorgen

Manchmal ist Kommunikation nicht möglich und es entstehen Ohnmachtsgefühle, Wut und Trauer. Wie geht man damit um?

Eine Möglichkeit, mit dem Ohnmachtsgefühl bei Kommunikationsverweigerung umzugehen, ist, gut auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu schauen. Und neben die des anderen zu stellen.Auf Whatsapp geblockt, Telefonat mittendrin abgebrochen (früher sagte man: den Hörer aufgelegt), Aussprache verweigert: Solche Situationen lassen uns ohnmächtig zurück. Jede*r geht anders mit dem Ohnmachtsgefühl um, die einen geben sich vielleicht selbst die Schuld, die anderen spüren Wut oder Aggression.

Tatsächlich können wir Kommunikation nicht erzwingen. Und unsere Gefühle, die aus einer Ohnmacht entstehen, verbessern meist weder unsere Gemütslage noch die Kommunikationssituation.

Wenn ich nun besser damit zurechtkommen möchte, kann es sowohl sinnvoll sein, sich die Situation und den Rahmen noch einmal anzusehen (mehr dazu im Blogbeitrag Kommunikationsverweigerung und Rahmenbedingungen), als auch sich mit Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Damit sind einerseits die eigenen Bedürfnisse gemeint (Wie fühle ich mich jetzt gerade? Welches Bedürfnis steckt hinter diesen Gefühlen? Was brauche ich wirklich?) als auch die Bedürfnisse des Gegenübers.

Bedürfnisse

Mit Bedürfnis sind Auslöser für Gefühle gemeint. Sie sind lebensnotwendig, sprich: Wir Menschen haben Bedürfnisse und sie sind die Grundlage für unser elementares Wohlbefinden. (Das, was im Marketing oft Kundenbedürfnis genannt, künstlich erzeugt und mit dem Kauf eines Produkts verknüpft wird, ist damit nicht gemeint. Vielmehr geht es um Grundbedürfnisse körperlicher und seelischer Art, z. B. von Nahrung, Luft und Ruhe bis zu Verbindung oder Wertschätzung.) Wer sich nicht sicher ist, was ein Bedürfnis ist, kann sich ein Baby vorstellen. Es braucht Luft, Wasser, Nahrung, Schutz, Raum, aber auch Nähe, Verbindung, Gesehenwerden, Gehörtwerden, Unterstützung, Struktur, Sicherheit …

Marshall Rosenberg, der Begründer der gewaltfreien Kommunikation, führt im Grunde alles – jegliches Befinden und damit auch alle Kommunikation – auf Bedürfnisse zurück. Sie können erfüllt sein, dann erzeugen sie ein gutes Gefühl; aber sie können eben auch nicht erfüllt sein, dann sind sie Ursache für ein schlechtes Gefühl. Und das gilt für uns alle.

Eigene Bedürfnisse hinter dem Ohnmachtsgefühl erkennen

Wer von der Kommunikation ausgeschlossen ist, weil er oder sie z. B. auf einem Kanal geblockt wurde, ein Missverständnis nicht aufklären durfte (siehe Macht und Ohnmacht im Gespräch, Teil 1) oder weil der/die andere einfach nicht mehr ans Telefon geht, fühlt sich beispielsweise ohnmächtig, traurig, wütend. Ein schlechtes Gefühl. Das bedeutet, (mindestens) ein Bedürfnis ist nicht erfüllt. Um welches Bedürfnis geht es?
Was hier ganz wichtig ist: Kein Bedürfnis ist nur auf eine einzige Art erfüllbar, es ist also nicht von einer bestimmten Situation oder Person abhängig. Bedürfnisse liegen auf einer tieferen Ebene. Das ist das Tröstliche: Bedürfnisse lassen sich auf unterschiedliche Weise verwirklichen.

Dazu muss man sie allerdings erkennen. Es kann heilsam sein, hier genauer hinzusehen und herauszufinden, ob ein Bedürfnis vielleicht anders erfüllbar ist. Geht es um Verbindung? Kann ich diese vielleicht im Kontakt mit anderen Menschen finden oder in einer Unternehmung? Fühle ich mich verletzt und traurig, brauche ich vielleicht Schutz? Dann werde ich diesem Bedürfnis nachkommen und gut auf mich aufpassen. Zusätzlich werde damit auch ich die Person sein, die selbst bestimmt, dass sie den Kontakt (vielleicht vorerst) meidet, und ich werde mich weniger ohnmächtig fühlen – weil ich selbst bewusst entscheide.

Nicht zuletzt ist es bei schwierigen Kommunikationssituationen immer wichtig, gut für sich selbst zu sorgen. Was kann ich mir Gutes tun, das mich stärkt, mich innerlich wieder auffüllt? Brauche ich Ruhe bei einem guten Buch, einem erfrischenden Spaziergang oder einem warmen Bad? Dabei geht es nicht um Ablenkung, sondern darum, mit sich selbst achtsam umzugehen.

Bedürfnisse des/der anderen erkennen

Und jetzt zum schwierigen Teil. Wenn ich mich mit meinen Gefühlen schon auseinandergesetzt habe und (wieder) zur Ruhe gekommen bin, hilft es oft, die Perspektive des anderen einzunehmen. Warum? Damit man sich weniger ärgert oder kränkt – und damit sich die eigene Einstellung ändern kann.

Sehen wir es uns genauer an: Auch das Gegenüber handelt aus bestimmten Motiven – denen Bedürfnisse zugrunde liegen. Er/sie hat die Kommunikation beendet. Welches Gefühl könnte zugrunde liegen? Und welche Bedürfnisse könnten dahinterstecken? Ruhe? Schutz? Klarheit? Wir können es nicht sicher wissen – aber die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen des oder der anderen kann helfen, die Motive des Gegenübers zu verstehen und die Situation anzunehmen, auch wenn wir selbst damit nicht einverstanden sind. Dadurch können wir unsere eigene, vielleicht unversöhnliche Haltung aufgeben. Und das ist meistens sehr heilsam.

Darüber hinaus reißt uns die Reflexion und konstruktive Beschäftigung aus dem Ohnmachtsgefühl – denn wir tun ja etwas. Und das ist auf keinen Fall verkehrt.

Lesen Sie dazu auch die beiden vorangegangenen Blog-Artikel zum Thema:
Teil 1: Macht und Ohnmacht im Gespräch und
Teil 2: Kommunikationsverweigerung & ihre Rahmenbedingungen

Wenn Sie übrigens Ihre Kommunikation in der Praxis verbessern wollen, sind wir gern für Sie da. Entweder mit unseren Coachings für Einzelpersonen oder mit unseren Inhouse-Trainings für Organisationen und Unternehmen.

Kommunikationsverweigerung und ihre Rahmenbedingungen

Macht & Ohnmacht im Gespräch, Teil 2

Wer sich über Kommunikationsverweigerung ärgert, sollte sich die Bedingungen und die Situation ein bisschen näher ansehen. Manchmal lässt sich der Rahmen verändern – oder erweitern.

Im letzten Blog-Artikel haben wir uns ein konkretes Beispiel der Kommunikationsverweigerung angesehen. Wir haben die Situation unter dem Aspekt der Macht analysiert, um herauszufinden, auf welcher Ebene das Gegenüber erreichbar sein kann. Fazit: Das kann, muss aber nicht immer gelingen.

Um bei Kommunikationsverweigerung auf Augenhöhe zu kommen, kann es helfen, die Rahmenbedingungen zu betrachten.
Kommunikationsverweigerung

Denn: Tatsächlich können wir Kommunikation nicht erzwingen. Und wenn jemand nicht mit uns reden will, ärgern wir uns meistens. Meist legen wir uns dann Theorien zurecht, um den eigenen Schmerz – der der hinter dem Ärger steckt – zu lindern. Oft bewerten wir den/die andere/n dabei negativ: Der/die will ja nicht; hat keine Ahnung; glaubt, etwas Besseres zu sein; ist immer so; typisch X …!

Das Blöde an der Sache ist: Diese Strategie lindert selten die eigene Gemütslage – und noch weniger hilft sie, die Kommunikation zu verbessern. Wenn ich also daran interessiert bin, damit fertig zu werden, kann es sinnvoll sein, sich die Situation noch einmal genauer anzusehen.

Rahmen betrachten

Im Beispiel von Teil 1 ging es um einen Vater, der auf einer Polizeiwache mit Beamten anlassbezogen über seinen autistischen Sohn sprechen wollte. Die Beamten wollten ihn nicht hören, verweigerten das Gespräch – und der Vater zog verärgert von dannen.

Sehen wir uns den Rahmen der Kommunikationsverweigerung genauer an:

  • Ort: Polizeiwache
  • Zeit: spontan, ohne Termin
  • Medium/Kommunikationskanal: mündliche Kommunikation vor Ort (ohne Ankündigung)
  • Thema: wurde nur von einer Person bestimmt, die am Gespräch teilnimmt (Vater) – die andere trifft es unvorbereitet
  • Teilnehmende Personen und Beziehung: Polizist*innen vor Ort (Sicherheitsbeamte mit gesetzlichem Auftrag, Amtsinhaber und damit auch „Respektsperson“ in dieser Rolle) und Vater (Bürger in privater Rolle)

Es ist bei einem Gespräch gut möglich, dass ein unpassender Rahmen die Kommunikation schwierig oder unmöglich macht (siehe auch  diesen Blog-Artikel über schwierige Gespräche): Ablenkung oder Lärm vor Ort, Überraschung oder Ärger beim Gegenüber, ein falscher Kommunikationskanal, ein schlecht gewähltes Wort, sodass die Person sich nicht wertgeschätzt fühlt …
Was immer es ist, es liegt vielleicht nicht unbedingt an der Bosheit des Gegenübers, sondern vielleicht an einer Komponente im Rahmen.

Diese Erkenntnis leistet vielleicht schon einen ersten Beitrag, damit wir uns weniger ärgern.

Außerdem könnten wir überlegen, wenn wir unser Thema dennoch weiter kommunizieren wollen: Lässt sich vielleicht etwas am Rahmen verändern? Gibt es andere Möglichkeiten, die Beamten über mein Thema zu informieren? Wäre es zum Beispiel möglich, ein Mail zu schicken (anderer Kanal), um einen Termin zu bitten oder nach einer günstigen Zeit zu fragen (andere Zeit), um anzurufen? Könnten wir andere Beamten darüber informieren als jene, die zufällig gerade vor Ort waren (andere Personen)?

Rahmen erweitern

Und nicht zuletzt: Könnte man den Rahmen vielleicht überhaupt verlassen? Geht es vielleicht um etwas ganz anderes? Ärgert sich der Vater aus unserem Beispiel darüber, dass sein autistischer Sohn in unserer Gesellschaft zu wenig Platz hat, generell zu wenig gehört, gesehen und wertgeschätzt wird? Wenn wir damit außerhalb des Rahmens denken: Könnte er vielleicht etwas ganz anderes tun, um seinen Sohn zu unterstützen, in der Gesellschaft bzw. im öffentlichen Raum stärker gesehen und akzeptiert zu werden?

Das wäre eine Strategie, sich ein Bedürfnis zu erfüllen. In unserem Fall könnte das einerseits das Bedürfnis sein, gesehen und wertgeschätzt zu werden (stellvertretend für den Sohn bzw. als Vater), aber vielleicht auch das Bedürfnis, für den Sohn zu sorgen.

Man muss aber nicht gleich den Rahmen sprengen. Denn es gibt Situationen, in denen am Rahmen nicht zu rütteln und Kommunikation schlicht nicht möglich ist.

Damit man mit seinem Ärger nicht isoliert zurückbleibt, hilft es, den eigenen Motiven und Bedürfnissen auf den Grund zu gehen. Wie das geht, erfahren Sie im dritten Teil dieser Serie.

Lesen Sie dazu auch die beiden anderen Blog-Artikel dieser Serie:
Teil 1: Macht und Ohnmacht im Gespräch und
Teil 3.: Kommunikationsverweigerung & Ohnmachtsgefühl

Wenn Sie übrigens Ihre Kommunikation in der Praxis verbessern wollen, sind wir gern für Sie da. Entweder mit unseren Coachings für Einzelpersonen oder mit unseren Inhouse-Trainings für Organisationen und Unternehmen.

Macht und Ohnmacht im Gespräch

Teil 1: KOMMUNIKATION BEI MACHTGEFÄLLE

Gespräche mit Menschen in Machtpositionen gestalten sich oft schwierig. Was tun, wenn jemand die Kommunikation verweigert?
Über die Faktoren Macht, Beziehung und Interesse in der Kommunikation.

Es ist schwierig mit jemandem zu kommunizieren, der mehr Macht hat und die Kommunikation nicht braucht oder möchte.Neulich erzählte mir mein Freund B von einem Missverständnis im Kontakt seines autistischen Sohnes mit der örtlichen Polizei, das leicht vermieden hätte werden können. Der junge Erwachsene, der sich nicht verbal ausdrücken kann, war laut johlend an der örtlichen Polizeistation vorbeigelaufen. Was für den Jugendlichen Ausdruck purer Lebensfreude ist, wurde von den Beamten als Aggression gedeutet. Sie waren knapp davor einzugreifen, als der Vater die Situation im letzten Moment entschärfen konnte.

Damit so etwas nicht noch einmal passiert, beschloss dieser, auf die Polizeiwache zu gehen und das Gespräch mit den Beamten zu suchen. Es ging ihm dabei darum zu erklären, woran man erkenne, dass es sich um Freude und nicht um Aggression gehandelt habe, aber auch darum, generell Verständnis dafür zu schaffen, wie sich sein autistischer Sohn in der Welt bewegt.

Als er zur Erklärung ansetzte, wollten die Beamt*innen jedoch nichts davon wissen, forderten ihn forsch auf zu gehen und vermittelten ihm auch körpersprachlich, dass sie an einem Gespräch kein Interesse hätten. Ohne zu Wort gekommen zu sein, zog er frustriert ab.

„Was kann ich denn tun, wenn mein Gegenüber die Kommunikation einfach verweigert?“, fragte er.

Die kurze Antwort: nicht sehr viel, aber ein bisschen was könnte schon gehen.

Die lange Antwort:
Sehen wir uns die Situation und die Beteiligten ein wenig genauer an. Bei unserem Beispiel geht es um Kommunikationsverweigerung aus einer Machtposition heraus. Und Macht ist auch bei anderen Gesprächen im Spiel, zum Beispiel beim Verhandeln.

Wenn es ums Verhandeln geht, sind drei Faktoren ausschlaggebend:

  • Macht
  • Interesse (am Thema)
  • Beziehungsebene

Sie bestimmen den Verhandlungsstil – und damit auch den Gesprächsstil – eines Menschen. Ist also eine Person gewohnt, ihre Interessen mit Macht oder Gewalt durchzusetzen, geht es ihr um die eigenen Themen, das Thema des anderen ist ihr egal, es besteht kein Interesse. Auch die Beziehung zum Gegenüber ist ihr gleichgültig (weil die Machtverhältnisse klar sind und sie auf das Gegenüber nicht angewiesen ist). Das heißt, ihre Motivation, die andere Seite zu hören, geht gegen null. Wir können davon ausgehen, dass Polizeibeamte durchaus gewohnt sind, ihre Interessen (bzw. die des Gesetzes oder des Staates) mit Macht durchzusetzen. Deshalb lassen sich die drei Faktoren Macht, Interesse und Beziehungsebene auf diese Situation übertragen.

Macht groß, Interesse klein und Beziehung bedeutungslos

Im Gespräch mit einer Person, deren Macht groß (und nicht veränderbar) ist, bleiben also nur die beiden Komponenten Interesse (am Thema) und Beziehungsebene als mögliche Anknüpfungspunkte. Sind diese beiden auch nicht erreichbar, stehen die Chancen, gehört zu werden, schlecht.

Sehen wir uns jetzt noch einmal unser Beispiel in Hinblick auf Macht, Interesse und Beziehung an.

Der Vater kommt mit seinem Anliegen auf die Polizeiwache. Natürlich sind ihm die Beamten an Macht überlegen. Er hat also nur die Möglichkeit, sie auf der Beziehungsebene zu erreichen oder ihr Interesse zu wecken. Gehen wir davon aus, dass das Interesse am Thema gering war („Ich brauch nicht zu wissen, wie ein Autist Freude ausdrückt“) und an der Beziehung ebenso („Das ist mein Revier, du brauchst hier nicht reinzuschneien, außer du willst eine Anzeige machen.“).

Beziehung herstellen

Der Vater muss seine Strategie damit sehr genau wählen. Trifft er die Beamten etwa bei der Mittagspause an, kann er vielleicht versuchen, über Smalltalk zum Essen eine positive Beziehung herzustellen.
Etwas tiefergehend könnte er versuchen, eine Verbindung über ein Bedürfnis des Gegenübers herzustellen, z. B. nach Wertschätzung: wenn er etwa mit einem Danke beginnt, dass der Polizist im Kontakt mit seinem autistischen Sohn auf Gewalt verzichtet oder auf die Begleitperson in der Situation gehört hat. Auch damit ließe sich Verbindung auf Beziehungsebene schaffen.

Interesse wecken

Interesse zu wecken kann deutlich schwieriger sein; vielleicht findet er die richtigen Worte, um die Polizist*innen dafür zu gewinnen, generell Interesse für die Bewohner*innen im Bezirk ihrer Wache zu entwickeln und daran anzuknüpfen. Vielleicht kann er an die Rolle als Elternteil anknüpfen (ist das Gegenüber vielleicht auch Vater oder Mutter?) und dadurch Interesse am Thema aufbauen. Patentrezept gibt es allerdings keines.

Auf Macht bauen?

Die letzte Komponente, Macht einzusetzen, bleibt ihm nur, wenn er den Rechtsweg beschreitet und hier versucht, die Macht der Beamt*innen zu verringern, indem er etwa selbst Macht auf Basis einer Beschwerde oder Klage ausübt. Es ist aber zu vermuten, dass er sich damit von seinem ursprünglichen Ziel, Verständnis für die Lebensumstände seines Sohnes zu wecken, eher noch weiter entfernen wird.

Kommen wir damit zur ersten, kurzen Antwort von oben: Es geht also nicht viel; aber ein bisschen was (z. B. auf Beziehungsebene) könnte schon gehen.

Die Antwort stimmt Sie unzufrieden? Sie meinen, mit den richtigen Tools müsste man jede Kommunikationssituation drehen können? Falsch gedacht!
Aber eines stimmt schon: Es lässt sich zwar nicht jede Situation drehen, aber wie man selbst mit einer schwierigen Kommunikationssituation umgeht, das lässt sich beeinflussen.

Hier geht’s zur Fortsetzung der Artikelserie:

Wenn Sie übrigens Ihre Kommunikation in der Praxis verbessern wollen, sind wir gern für Sie da. Entweder mit unseren Coachings für Einzelpersonen oder mit unseren Inhouse-Trainings für Organisationen und Unternehmen.

Quellen: Ponschab, Reiner: Kompetitive Verhandlungsstile – wie gehe ich damit um? http://docplayer.org/73278102-Kompetitive-verhandlungsstile-wie-gehe-ich-damit-um.html in: Knapp, Peter: Verhandlungs-Tools. Effiziente Verhandlungstechniken im Business-Alltag. managerSeminare, Bonn 2019, S. 169-173)

Synonyme finden – leicht gemacht

Sieben Tipps, wie Sie Ihren Wortschatz erweitern

Auch für das Wort Synonym gibt es viele Synonyme.Wie jeder Mensch haben Sie einen aktiven und einen passiven Wortschatz. Während Ihr aktiver oder produktiver Wortschatz jene Wörter umfasst, die Ihnen beim Sprechen und Schreiben auch wirklich zur Verfügung stehen, gehören zu Ihrem passiven oder rezeptiven Wortschatz jene, die Sie zwar nicht beim Reden oder Schreiben einsetzen, aber dennoch verstehen.

Es gibt viele Gründe, den aktiven Wortschatz zu vergrößern, zum Beispiel können wir uns präziser ausdrücken, wir vermeiden Wortwiederholungen und wir verhindern, dass sich unsere Leser*innen langweilen.

Grund genug, uns näher anzuschauen, wie wir Wortalternativen oder Synonyme finden:

  1. Ändern Sie die Ebene.

Das ist vor allem bei Nomen (Hauptwörtern) sinnvoll. Ein Hund ist ein Hund, da gibt es wenig daran zu rütteln, allerdings kann ich ihn eine Abstraktionsebene höher als Haustier und eine Abstraktionsebene tiefer zum Beispiel als Bernhardiner oder Struppi bezeichnen.

  1. Denken Sie in Bildern und seien Sie konkret.

Führen Sie sich vor Augen, was Sie wirklich sagen möchten und seien Sie präzise. Der Mann trinkt sein Bier ist ok, aber vielleicht nippt er auch daran, kostet nur oder schüttet es gar hinunter? Wichtig bei Bildern ist: Wer tut was und in welcher Situation?

Und wenn Sie von einem großen Haus sprechen: Meinen Sie vielleicht einen Wolkenkratzer, eine Villa, ein fünfzehnstöckiges Bürogebäude oder eine Hazienda?

  1. Haben Sie Skalen im Kopf.

Gerade bei Verben (Zeitwörtern) ist es oft sinnvoll, eine gedankliche Skala zu Hilfe zu rufen und die Tätigkeit einzuordnen. Natürlich kann das Kind seine Schultasche auf die Bank, die Wanderin ihren Plan auf den Tisch und der Fischer den zu kleinen Fisch zurück in den Teich legen. Oder aber sie nutzen Synonyme: Dann fetzt das Kind vielleicht die Tasche auf die Bank, die Wanderin breitet den Plan aus und der Fischer hebt den Fisch behutsam zurück ins Wasser.

  1. Nutzen Sie Synonym-Lexika.

Wenn Sie sich nicht selbst anstrengen wollen, gibt es online wie auf Papier allerlei Angebote. Unser Tipp: https://synonyme.woxikon.de/

  1. Notieren Sie die entscheidenden Wörter.

In jedem Beruf und in jedem Kontext gibt es Wörter, die besonders oft vorkommen. Hier lohnt es sich, einmal ein paar Minuten zu investieren, um eine Liste mit Synonymen zu finden. Hängen Sie sich diese Liste irgendwo gut sichtbar auf und werfen Sie bei der nächsten Ratlosigkeit einen Blick darauf. Nach und nach wird Ihr Hirn auch ohne dieses Hilfsmittel darauf zurückgreifen.

  1. Trainieren Sie Ihren passiven Wortschatz.

Sie können zum Beispiel bewusst lesen oder hie und da anlasslos Synonyme für ein Wort suchen. Trauen Sie sich – im Rahmen der Übung – ruhig auch ausgefallene, kitschige oder bereichsfremde Alternativen aufzulisten. Es schneit könnte man auch so ausdrücken: Kälte flockt vom Himmel, es regnet Weihnachtsstimmung, eine weiße Glasur legt sich über die Landschaft, im Himmel ist ein Schneemann explodiert.

  1. Erkennen Sie die Grenzen.

Manchmal ist ein Tisch einfach ein Tisch. Und wenn es in einem Text um Tische geht, dann kommen die eben häufig vor. Achten sie in diesem Fall darauf, dass Sie ausreichend Abstände zwischen den gleichen Wörtern herstellen, zum Beispiel indem Sie Personalpronomen einbauen. Und was ist nun der richtige Abstand? Wenn sie den Text laut lesen, sollte das Wort innerlich nicht mehr nachhallen.

Mehr, viel mehr Tipps dieser Art erhalten Sie, wenn Sie ein Schreibcoaching oder ein Inhouse-Seminar zum Thema Schriftliche Kommunikation buchen.

Blogbeiträge zu ähnlichen Themen sind zum Beispiel:

 

Dreierfigur – ein magisches Stilmittel

Was ist eine Dreierfigur? Wie wirkt sie? Und wie baut man sie?

Gut, besser, Gösser - eine wirklich gelungene Dreierfigur.Soeben haben wir ein Youtube-Video zur wunderbaren Ukraine-Rede von Arnold Schwarzenegger an das russische Volk abgeschlossen. Darin zeigen wir, dass seine Ansprache so berührt, weil er sich viel Zeit nimmt, um eine Beziehung zur Zielgruppe aufzubauen, gekonnt Storytelling einsetzt und einige rhetorische Stilmittel einbaut. Eines davon, die Dreierfigur, haben wir in Schwarzeneggers Ansprache gleich sieben Mal gefunden. Was ist und was kann dieses Stilmittel, dass es so einen prominenten Platz einnimmt?

Ein Wort, ein Satzteil, ein Satz

Trikolon leitet sich aus den altgriechischen Wörtern tri und kolon ab. Ersteres heißt, wenig überraschend, drei, zweiteres ist eine semantische und rhythmische Einheit. Ein Kolon kann aus einem einzigen Wort, aus mehreren Wörtern oder auch aus einem ganzen Satz bestehen; dementsprechend sind manche Dreierfiguren kurz (Schwarzenegger: „Your lives, your limbs, your futures“), andere recht lang (Schwarzenegger: „You are my new heroes. You have the strength of Yuri Petrovich Vlasov. You have the true heart of Russia.“)

Wenn Sie die beiden Beispiele in den Klammern laut lesen, werden sie die Magie dieses Stilmittels sofort spüren. Da fehlt nichts, mit drei Elementen ist, richtig gesetzt, alles gesagt. Das ist keine neue Erkenntnis. Drei ist von alters her und in vielen Kulturen eine besondere Zahl, die das Abgerundete, Perfekte oft auch Göttliche symbolisiert. Denken wir im Christentum an die Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und heiligem Geist oder die heiligen drei Könige, im Hinduismus dreht sich alles um die drei Götter Brahma, Vishnu und Shiva, bei den alten Griechen hatten die Götter Zeus, Poseidon und Hades das Sagen und Feen gewähren üblicherweise drei Wünsche – um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Eins, zwei, drei – die Zahl der Elemente

Während ein Element in einem Satz üblicherweise Kraft und Klarheit vermittelt – Ich habe einen Traum, Just do it, Nein – und zwei Elemente für Vergleich und Kontrast stehen – Hänsel und Gretel, Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus, Have a break, have a Kit Kat. –,  vermittelt die Zahl Drei Vollständigkeit und Vollkommenheit. Verliebt, verlobt, verheiratet, Ich kam, ich sah, ich siegte. oder Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gehen ins Ohr und sind auf rhythmische Art einprägsam.

Gekreuzigt, gestorben und begraben

Dem Rhythmus der Dreierfigur wohnt eine Magie inne, der wir in vielen Gebeten und Sprüchen begegnen, etwa im Glaubensbekenntnis: „ empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus“ heißt es da und gleich weiter: „gekreuzigt, gestorben und begraben“. Das ganze Glaubensbekenntnis ist eine einzige Aneinanderreihung von Dreierfiguren.  Wer es weltlicher und doch magisch mag: Bei Harry Potter lernen wir, was es zum Apparieren, für einen magischen Ortswechsel, braucht: „Ziel, Wille, Bedacht“. Und noch zwei ganz und gar säkulare Beispiele aus der Werbung: Rittersport-Schokolade warb einst mit „quadratisch, praktisch, gut“ und ein österreichischer Bierhersteller setzte sein Produkt gar an die Stelle des Superlativs: „Gut, besser, Gösser“.

Wenn Sie also Texte schreiben oder eine Rede vorbereiten, dann setzen Sie das Trikolon bewusst ein: dort, wo es gut klingen soll, vor allem aber dort, wo Sie ein wenig Magie erzeugen möchten. So, wie es Schwarzenegger tut, wenn er fast am Ende seiner Rede drei Sätze an Präsident Putin richtet: „You started this war. You are leading this war. You can stop this war.“

Hier noch einmal der Link zu unserem Video.

Wenn Sie mehr solche Tipps suchen, dann ist vielleicht eines unserer Schreibangebote etwas für Sie.

Anschaulich schreiben: Cyranos Nasen-Monolog zeigt, wie´s geht

Kann uns ein über 120 Jahre alter Text zeigen, wie wir im digitalen Zeitalter lebendig und anschaulich schreiben? Ja! Cyrano von Bergeracs Nasen-Monolog zum Beispiel ist zeitlos gut. Wir zeigen, warum.

Cyrano und Valvert während des berühmten Nasen-Monologs

Die meisten werden, wenn sie Cyrano de Bergerac hören, an Gérard Depardieu denken, wie er in der Verfilmung aus dem Jahr 1990 zu Höchstform auflief. Das Versdrama schrieb der Franzose Edmond Rostand allerdings schon im Jahr 1897. Uns soll hier der berühmte Nasen-Monolog als Beispiel dienen. Er beginnt damit, dass ein gewisser Valvert versucht, den tatsächlich mit einer sehr großen Nase ausgestatteten Cyrano zu beleidigen. Er tut das auf eine sehr direkte Art und Weise:

Valvert: „Ei, Sie haben eine sehr … sehr lange Nase.“

Was nun folgt, ist ein Redeschwall, der stakkatoartig Bilder und unterschiedliche sprachliche Herangehensweisen variiert. Hier der Text als Grundlage. Sie können ihn natürlich überspringen und mit meinen Ausführungen am Ende beginnen. Idealerweise aber lesen Sie ihn sich erst einmal (laut) durch:

Cyrano de Bergerac:
Das war etwas mager.
Fällt ihnen nichts mehr ein? – Mir vielerlei,
Und auch die Tonart lässt sich variieren!
Ausfallend: „Trüg ich diese Nasenmasse,
Ich ließe sie sofort mir amputieren.“
Freundlich: „Trinkt sie nicht mit aus ihrer Tasse?
Aus Humpen schlürfen sollten Sie die Suppe.“
Beschreibend: „Felsgeklüfte, Berg und Tal,
Ein Kap, ein Vorland, eine Inselgruppe.“
Neugierig: „Was ist in dem Futteral?
Ein Schreibzeug oder eine Zuckerzange?“
Anmutig: „Sind Sie Vogelfreund, mein Bester,
Und sorgten väterlich mit dieser Stange
Für einen Halt zum Bau der Schwalbennester?“
Zudringlich: „Wenn Sie Tabak rauchen
Und ihr der Dampf entsteigt zum Firmament,
Schreit dann die Nachbarschaft nicht laut: ,Es brennt‘?“
Warnend: „Sie sollten große Vorsicht brauchen;
Sonst zieht das Schwergewicht Sie noch kopfüber.“
Zartfühlend: „Spannen Sie ein Schutzdach drüber;
Weil sonst im Sonnenschein sie bleichen muss.“
Pedantisch: „Das aristophanische Tier
Hippokampelephantokamelus
Trug ganz unfraglich gleiche Nasenzier.“
Modern: „Wie praktisch diese Haken sind,
Um seinen Hut dran aufzuhängen!“
Begeistert: „Wenn sie niest im scharfen Wind,
Braucht nur ein Teil von ihr sich anzustrengen.“
Tragisch: „Ein Turm von Babel, wenn sie schwillt!“
Bewundernd: „Für Odeur welch Aushängschild!“
Lyrisch: „Ist dies die Muschel des Tritonen?“
Naiv: „Wann wird dies Monument besichtigt?“
Respektvoll: „Wird nicht ein jeder Wunsch beschwichtigt
Durch solch ein Häuschen zum Alleinbewohnen?“
Bäurisch: „Potz Donnerschlag, was sagst du, Stoffel?
Zwergkürbis oder riesige Kartoffel?“
Soldatisch: „Dies Geschütz ist schwer beweglich.“
Geschäftlich: „Haben Sie vielleicht im Sinn,
Sie zu verlosen – erster Hauptgewinn?“
Zuletzt im Stil des Pyramus, recht kläglich:
„Weil sie das Gleichmaß im Gesicht getötet,
Ist sie voll Schuldbewusstsein und errötet.“

Cyrano setzt also der sehr schlichten Behauptung oder Beobachtung, sein Gegenüber habe eine große Nase, ein Feuerwerk von Möglichkeiten entgegen, wie man diese Tatsache kreativer und spannender formulieren hätte können.

Was ist es nun, was den Nasen-Monolog so anschaulich macht?

Zunächst einmal arbeitet er mit Metaphern und Bildern. Hier bringt er als Vergleich Gegenständige ins Spiel, dort wieder Landschaften oder alltägliche Tätigkeiten. Damit verändert er auch in jedem Beispiel die Perspektive der Betrachtung: In einer Variante stellt er in den Raum, was er mit so einer Nase tun würde, dann fragt er, wie es dem Gegenüber damit gehe, oder er stellt die Nase selbst als Subjekt ins Zentrum. Damit können wir auch in Gebrauchstexten des Alltags arbeiten.

Ein wichtiges Stilelement bei Cyrano alias Rostand sind Fragen, etwa: „Trinkt sie nicht mit aus Ihrer Tasse? Was ist in dem Futteral? Wann wird dies Monument besichtigt?“
Fragen sprechen und regen unsere Zielgruppe direkt an. Sie machen aus einem Monolog einen Dialog. Nutzen wir sie!

Cyranos Bilder sind sehr konkret, er vergleicht die Nase nicht mit Gemüse, einem Sammelbegriff, sondern bringt gleich konkrete Beispiele wie „Zwergkürbis oder riesige Kartoffel“, und er argwöhnt nicht nur, dass Dinge in der Nase Platz hätten, sondern er vermutet „Schreibzeug oder eine Zuckerzange“ darin. Konkretes ist immer einprägsamer als Verallgemeinerungen, auch heute noch!

Der Text setzt auf aktive Verben (Zeitwörter), die etwas bewegen und für sich schon Bilder schaffen. Während Valvert in seiner ersten Provokation lediglich auf das Zeitwort „ist“ setzt, greift Cyrano in seinem Nasen-Monolog alleine in den ersten Versen auf Wörter zurück wie „tragen“, „amputieren“, „trinken“ oder „schlürfen“. Das gibt seinem Pamphlet Kraft – und auch jedem heutigen Text, sei es ein Social-Media-Post oder ein Newsletter.

Valverts Beleidigung beruht auf einem einzigen Adjektiv (Eigenschaftswort), nämlich „lang“, Cyranos Beispiele kommen beinahe ohne solche aus. Das Geheimnis liegt in dem kurzen Tipp: Show, don´t tell! Wenn es die Möglichkeit gibt, etwas mit Worten zu zeigen, dann sollten wir es tun – und nicht auf die vielleicht kürzere, aber langweilige Variante zurückgreifen, es einfach nur zu sagen. Zeigen Sie Ihren Leser*innen, was sie meinen, indem Sie Bilder schaffen und Auswirkungen beschreiben; bedienen Sie damit alle Sinne, dann wirken Ihre Texte gleich viel tiefer.

Natürlich ließen sich noch viele zusätzliche Stilmittel ausmachen, etwa die wohlklingende Dreierfiguren „Felsgeklüfte, Berg und Tal“ und „ein Kap, ein Vorland, eine Inselgruppe“, der Ausruf „Potz Donnerschlag“ oder die Reimform. Machen Sie sich mit Stilmitteln vertraut und nützen Sie jene, die Ihnen gefallen: Sie sind der Türöffner für individuelle Texte.

Und schließlich: Es stimmt nicht ganz, dass der Text mit Adjektiven geizt. Rostand lässt Cyrano jedem Beispiel ein Eigenschaftswort voranstellen, das die Richtung vorgibt. Uns zeigt er damit, wie nuanciert wir Sprache einsetzen können, je nach Ziel, Zielgruppe und Textsorte. Soll Ihr Text „respektvoll“ formuliert sein, soll er „freundlich“ klingen oder „warnend“? Für all das warten irgendwo die richtigen Worte. Nur eines sollten sie nie sein: fad.

Sie können sich den Text auch anhören ab Minute 1:35 unter: https://youtu.be/cgHW6fga4k4?t=95

Der oben genannte Nasen-Monolog ist aus:
Edmond Rostand: Cyrano von Bergerac, Stuttgart: Reclam, 1977 (Original: 1897)

Wenn Sie noch mehr solche Tipps und Tricks kennen lernen wollen, dann schauen Sie sich doch unsere Angebote zur schriftlichen Kommunikation an.

 

Schwierige Gespräche meistern – aber wie?

Mutter und Kind im Schwimmbad. Nicht unbedingt der Ort für ein philosophisches Gespräch.Mit Hintergrundwissen und der richtigen Vorbereitung gelingt die Kommunikation.

Mein Sohn war drei Jahre alt. Wir standen eng zwischen vielen, vielen Menschen auf der Treppe zu einer großen Wasserrutsche in einem Hallenbad. Da fragte er plötzlich: „Mama, wie werden Frauen eigentlich schwanger?“ Wenn Sie jetzt gelächelt haben, dann deshalb, weil Sie spüren, dass das eine fordernde Situation für einen Elternteil ist.
Wir erkennen intuitiv, wann ein Gespräch schwierig ist – verstehen aber selten, woran es genau liegt. Und die Frage, wie wir damit umgehen sollen, bereitet uns oft Kopfzerbrechen. Aber gleich wissen Sie mehr!

Wann ist ein Gespräch schwierig?

Natürlich gibt es viele Gründe, die ein Gespräch scheitern lassen. Meistens lassen sich die Ursachen auf drei Bereiche eingrenzen.

  1. Rahmen: Die Situation ist schwierig

Kommen wir zur Situation von oben zurück. Mehrere Rahmenbedingungen erschweren hier eine gelungene Kommunikation zwischen Mutter und Kind, und zwar in Bezug auf Zeit, Raum und den Kommunikationskanal.

  • Der Ort ist eine rutschige Wendeltreppe. Sich sicher zu fühlen ist aber eine Grundbedingung für ein gutes Gespräch. Erste Schwierigkeit.
  • Die Atmosphäre ist alles andere als vertraulich, weil den umstehenden Menschen plötzlich große Ohren wachsen. Das macht es nicht leichter.
  • Der Kommunikationskanal ist nicht störungsfrei: Die beiden sprechen zwar persönlich miteinander, aber Plätschern und Geschrei in der Schwimmhalle lassen den Kopf dröhnen. Es ist hier schwer möglich, klar und ruhig zu sprechen.
  • Die Zeit drängt. Gleich werden die beiden oben auf der Rutsche angekommen sein – das Gespräch ist auf wenige Minuten beschränkt. Dem Thema jetzt gerecht zu werden, ist unrealistisch.
  1. Sachebene: Das Thema ist schwierig oder komplex

Es gibt Themen, bei denen man vielleicht nicht ganz sattelfest ist, die noch Recherche benötigen oder für die man sich Hintergrundinfos besorgen möchte. In unserem Beispiel ist das Thema vor allem eins, das jede*r auf eine persönliche Art angehen wird (siehe oben – geschützter Rahmen ist auf der Rutschentreppe nicht gegeben) und für das der Elternteil vielleicht auch noch gern unterstützendes Material, z. B. Bilder, verwenden würde.

  1. Beziehungsebene: Ist die Beziehung zwischen den Kommunikationspartner*innen schwierig, belastet das auch die Kommunikationssituation. In unserem Beispiel ist das nicht der Fall.

Es kann aber durchaus sein, dass eine Schwierigkeit durch das soziale Gefüge entsteht – wenn etwa eine Tochter das Gespräch mit ihrem Vater sucht, weil sie Sorge hat, dass er an Demenz leidet, ist das Gespräch nicht nur thematisch schwierig, sondern auch weil das gewohnte Autoritätsverhältnis auf den Kopf gestellt wird. Dazu kommen die Emotionen auf beiden Seiten. Hier ist gute Vorbereitung gefragt.

Schwierigkeiten im Gespräch offenlegen

Wenn wir wissen, wo uns Schwierigkeiten begegnen können, ist es auch leichter, damit umzugehen. Wir können z. B. das Gespräch auf einen Zeitpunkt oder an einen Ort verlegen, der besser passt oder darauf hinweisen, dass das Thema noch Vorbereitung braucht. Oder wir weisen in der Situation selbst darauf hin, dass der Rahmen schwierig ist: „Der Ort ist ungünstig, es ist ungemütlich und sehr laut. Lieber würde ich das in Ruhe besprechen. Jetzt gebe ich dir gern eine kurze Antwort.“

Genauso ist es auf Sach- und Beziehungsebene. Wer mögliche Schwierigkeiten anspricht, bietet dem anderen die Chance, darauf zu reagieren. „Ich weiß, das ist vielleicht komisch für dich, weil es ausgerechnet von deiner Tochter kommt.“ Oder „Warte, das Thema ist echt komplex. Ich möchte mich vorher nochmal schlau machen, bevor wir weiterreden.“

Vorbereitung auf ein schwieriges Gespräch mit 3 Fragen

Geht es um ein geplantes Gespräch, das schwierig verlaufen könnte, müssen wir uns vorbreiten. Ein erster Schritt ist zu klären, was das Gespräch schwierig macht – siehe oben.

Dann kann es in die Tiefe gehen. Drei Fragen helfen dabei:

  1. Als wer führe ich das Gespräch?

Was weiß ich in Bezug auf den Rahmen und das Thema? Was brauche ich noch für das Gespräch, um sicher hineinzugehen? In welcher Rolle führe ich das Gespräch? Ich bin Tochter, aber vielleicht auch Mutter, Wissenschafterin, Leserin, Teamleiterin … Welche Ressourcen (Erfahrungen, Werte, Eigenschaften) bringe ich – auch aus den unterschiedlichen Rollen – mit?

  1. Mit wem führe ich das Gespräch?

Was weiß ich über die Person? Führt sie das Gespräch freiwillig? Welche Erwartung hat sie wohl an das Gespräch? Welches Wissen und welche Erfahrungen bringt sie mit? Könnte auch die andere Person Ängste haben? Welche?

  1. Die wichtigste Frage: Was ist das Ziel des Gesprächs?

Ein Gespräch hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn ich weiß, wozu es gut ist. Das kann ein ganz kleines Ziel sein, zum Beispiel: Wir haben wieder ein paar Worte gewechselt. Es kann aber auch größer sein: Wir haben geklärt, was die nächsten Schritte in Bezug auf … sind.

Ziele, die bei der Vorbereitung helfen können, sind:

  • Nachher haben wir uns über … ausgetauscht.
  • Ich habe gehört, wie die Person über … denkt.
  • Die andere Person hat gehört, wie ich darüber denke.
  • Nachher habe ich Klarheit über …

Die Vorbereitung hilft, selbst innerlich klar zu sein. Das wiederum verleiht uns Authentizität und Sicherheit. Und so schaffen wir die Basis, damit ein gutes Gespräch gelingt.

Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, buchen Sie ein Kommunikationstraining von WORT & WEISE, kommen Sie zum Coaching oder besuchen Sie eines unserer Seminare zu Gesprächsführung.

Zu einem konstruktiven Dreh in einem schwierigen Gespräch verhilft auch die Ja-und-Methode.

Filme zum Thema Schreiben

6 Filme rund um das Thema Schreiben

Es gibt viele Wege, sich dem Thema Schreiben zu nähern – einer ist, sich Spielfilme dazu anzusehen. Hier eine Auswahl von Filmen, die wir wirklich empfehlen können.

Club der toten Dichter (1989): Robin Williams legt sich als Literatur-Professor an einem britischen Elite-College mit dem Establishment an und macht dabei Lust auf englische Lyrik.
Ein Klassiker. Wer dabei nicht weint, hat kein Herz.
Trailer von Club der toten Dichter
Der Club der Toten Dichter
Cyrano von Bergerac (1990): Ein sprachmächtiger Klassiker von Edmond Rostand aus dem Jahr 1897, verfilmt mit Gerard Depardieu. Allein der Monolog zu den vielen vergebenen Chancen, wie sein Widersacher Valvert Cyranos Nase hätte beleidigen können, ist das Ansehen wert.
Trailer von Cyrano von Bergerac (Englisch)
Cyrano von Bergerac
Forrester – Gefunden (2000): Sean Connery als alter, verschrobener Autor eines einzigen Bestsellers hilft einem farbigen Jungen aus der Bronx, sein Schreibtalent zu entwickeln und sich in der Welt der Weißen zu behaupten. Im Endeffekt profitieren beide von der Freundschaft.
Große Empfehlung!
Trailer von Forrester
Forrester – Gefunden
Schräger als Fiktion (2006): Ein Mann entdeckt, dass er die Romanfigur einer Schriftstellerin (Emma Thompson) mit Schreibblockaden ist, die seinen Tod plant. Das findet er nicht so gut.
Wie der Titel schon verrät: schräg.
Trailer von Schräger als Fiktion
Schräger als Fiktion
Paterson (2016): Jim Jarmuschs Meisterwerk über einen Busfahrer, der seine Liebe zur Poesie entdeckt. Es passiert nicht viel, das aber zwischen und in den Zeilen.
Langsam, leise, wunderschön!
Trailer von Paterson
Paterson
El Autor (2017): In dieser spanischen Drama-Komödie stellt ein angehender Schriftsteller fest, dass die besten Szenen und Dialoge die realen sind. Die Suche danach entgleitet.
Unterhaltsam und eigenwillig – mit überraschendem Ende.
Trailer von El Autor (Spanisch)
El Autor

 

 

 

 

 

Allparteilich handeln als Moderationspflicht

Warum Alfons Haider völlig zu Recht gescholten wurde, und was er hätte sagen können, wäre er professionell in seiner Moderatoren-Rolle geblieben.

Auf den ersten Blick alles perfekt bei Alfons Haider: Moderationskarten, Mikro, gepflegtes Äußeres. Innerlich geht es allerdings rund bei ihm. Und das hätte er sich nicth anmerken lassen dürfen.Man muss ein wenig ausholen: Das Burgenland feiert Mitte August 2021 sein 100-jähriges Bestehen mit einer Landesausstellung in der Burg Schlaining. 400 Ehrengäste wohnen der Eröffnung bei. Wer im Burgenland Rang und Namen hat, tritt auf. Moderiert wird der Festakt von Alfons Haider – ein Routinier, dem man auch den Opernball und ORF-Shows wie Dancing Stars anvertraut.

Dann bringt der Musiker Alexander Köck ein wenig Irritation in den Abend. Die Duo-Hälfte von Cari Cari thematisiert während seines Gigs die niedrigen Gagen der Auftretenden. Die Orchester-Mitglieder neben ihm, kritisiert er, würden zum Beispiel nur 30 Euro für den Abend bekommen. Das sei besonders seltsam, als sich das Burgenland für seine Seefestspiele Mörbisch gleich zwei Intendanten leiste.

Während seine Worte ein wenig Irritation, aber auch leisen Applaus ernten, kommt der Moderator dazu und schießt sich – hoch emotional und mit falschen Fakten – auf Köck ein. Erst Haiders Worte, das ist förmlich spürbar, verwandeln die kleine Aktion des Musikers in ein wirklich unangenehmes Erlebnis für die Zuschauer.

Und wie hätte Haider richtig reagieren sollen?

Mit seiner Wortmeldung wollte Köck das Publikum, das mit Feierlichkeiten, aber nicht mit offener Kritik gerechnet hat, ganz bewusst wachrütteln, vielleicht sogar etwas vor den Kopf stoßen. Dazu kann man stehen, wie man will, den Rahmen als unpassend erachten oder die Wortwahl als unbedacht. Es gibt auch unterschiedliche Möglichkeiten, darauf als Moderator*in zu reagieren. Eines jedoch darf man keinesfalls tun: auf die Kritik persönlich, verärgert und rechtfertigend kontern, wie Alfons Haider es getan hat.

Wer moderiert, verbündet sich mit dem Ziel

Alfons Haider moderiert seit vielen Jahren. Er hätte wissen müssen, was das oberste Ziel einer Moderation ist: dem Ziel der Veranstaltung zu dienen.

Nehmen wir die konkreten Feierlichkeiten als Beispiel. Das Ziel des Festakts ist vielfältig: Das Burgenland will damit nicht nur seine 100-jährige Zugehörigkeit zu Österreich feiern, sondern das Publikum unterhalten und in der Öffentlichkeit Bewusstsein für die Qualitäten dieses Landes schaffen. Schon allein in dieser kurzen Zielbeschreibung würden zahlreiche Möglichkeiten stecken, als Moderator*in im Sinne des Ziels zu kontern. Etwa, indem man genau dieses Ziel thematisiert und fragt, ob diese Wortmeldung nicht vielleicht in einem anderen Kontext oder Rahmen besser aufgehoben wäre. Oder indem man den Kritikpunkt als gehört aufnimmt, eventuell sogar Verständnis dafür äußert, dass MusikerInnen unter der Corona-Zeit besonders zu leiden hatten, und abermals auf den Rahmen verweist, eventuell verspricht, dem nachzugehen, um dann aber wieder zum Programm überzuleiten. Absurderweise kam genau dieser Impuls dann nicht vom Moderator, sondern vom Kritik übenden Musiker selbst: „Spielen wir weiter.“ Immerhin er hatte dann wieder das gemeinsame Ziel vor Augen.

Wer moderiert, ist allparteilich

Alfons Haider konterte beim Festakt auf einen Vorwurf des Redners, durch den er sich persönlich angegriffen fühlt; zusätzlich hatte er ihn falsch verstanden. Doch selbst wenn er ihn richtig verstanden hätte: Hier stand er nicht als Privatperson und auch nicht als Musikintendant der Seefestspiele Mörbisch, als der er sich angegriffen fühlte, auf der Bühne, sondern als Moderator. Und als der hatte er folgenden Auftrag: Du handelst im Sinne der Auftretenden und legst ihnen den roten Teppich aus; du agierst im Sinne des Publikums, und zwar so, dass die Veranstaltung ihr Ziel beim Publikum erreicht. Diesen Auftrag hat Alfons Haider bei diesem Festakt nicht nur nicht erfüllt, sondern er hat zusätzlich seine Moderationsrolle sträflich missbraucht. Er nützt die Macht des Moderators, das Wort zu ergreifen, rechtfertigt sich aber dann persönlich bzw. als Intendant der Seefestspiele und im Sinne der Veranstalter.

Jetzt könnte man sagen: Klar, die haben ihn ja beauftragt. Richtig. Aber als Moderator steht er eben nicht nur im Dienst der Auftraggeber*innen. Er steht im Dienst des Ziels, das es auch für Auftretende und Publikum zu erfüllen gilt. Ein Moderator ist allen Beteiligten gleichermaßen verpflichtet – das nennt man allparteilich. Er bezieht deshalb auch nicht persönlich Stellung. Wenn er es doch tut,  dann muss er offenlegen, dass er jetzt für sich als Person spricht bzw. in einer anderen Funktion. In Haiders Fall als Intendant der Seefestspiele Mörbisch und nicht als Moderator.

Nicht falsch verstehen: Natürlich muss ein Moderator eingreifen, wenn es Schwierigkeiten gibt. Und zwar dann, wenn er das gemeinsame Ziel der Veranstaltung gefährdet sieht. Es geht hier um das Wie: Wenn der Moderator auf den Rahmen verweist, sich etwa beim Publikum für die Unterbrechung entschuldigt oder ihm für seine Geduld dankt, sachlich darauf hinweist, dass hier zum kritisierten Punkt bestimmt noch eine Aufklärung von anderer Stelle folgen wird und den Musiker dann bittet, weiterzuspielen, handelt er professionell – und allparteilich im Sinne aller Beteiligten. Agiert er auf einer persönlichen Ebene und verlässt seine Rolle, werden alle Beteiligten peinlich berührt sein. Das war letztlich auf Burg Schlaining der Fall.

Was lernen wir daraus?
  • Moderieren ist ein Handwerk mit klaren Regeln, das man lernen kann. Wer sie kennt, tut sich leichter. Allparteilich zu handeln ist eine davon.
  • Im Umgang mit Konflikten erkennt man die Meisterschaft in der Moderation.
  • Und: Prominenz und Bühnenpräsenz allein machen noch lange keinen Moderationsprofi.

Wer sich mit dem neuen Wissen das Ereignis noch einmal ansehen möchte, findet es hier: https://www.youtube.com/watch?v=pi6ru6MiTkQ

Und wir haben zu diesem Thema auch ein Youtube-Video gedreht. Schauen Sie sich das an!

Wer mehr über die Kunst der Moderation lernen möchte, kommt in unser Moderationsseminar (in Präsenz wieder ab Jänner 2022)

Konflikte klären per Chat? Nein, danke!

Konflikte auf Plattformen wie Whatsapp, Telegram oder Signal eskalieren oft. Auf dem Bild sieht man zwei streitende Figuren vor dem Hintergrund der Plattform-Logos.Zwischen Kontakt und Konflikt: Warum Streit über Kanäle wie Whatsapp, Telegram, Signal oder in Online-Foren nur sehr selten konstruktiv, sondern meist mit Austritt eines Mitglieds aus der Gruppe oder Sperren eines Users endet.

Whatsapp und Co. Sind unglaublich praktisch, wir alle nützen sie, um Termine unserer Kinder im Fußballverein zu organisieren, um Kontakt zu Freundinnen im Ausland zu halten oder um im einander im Team über Projektfortschritte am Laufenden zu halten. Das läuft gut, solange es um reine Informationen geht, um sachliche Inhalte, um Fragen, die man mit einem Ja oder Nein beantworten kann. Treten Meinungsverschiedenheiten auf, sind Konflikte auf diesen Plattformen vorprogrammiert, und dafür gibt es Gründe.

Eingeschränkter Kanal

Kommunikation ist vielschichtig. Wenn wir miteinander reden, sind nicht nur Worte im Spiel, sondern wir reagieren immer auch auf die Körpersprache, Mimik und Gestik unseres Gegenübers, auf die Stimme in ihrer Stimmlage und Lautstärke, auf die Sprachmelodie, auf das Tempo, in dem gesprochen wird. Diese Elemente sind weitaus älter als die Worte selbst, deswegen denken wir sie immer mit, auch wenn sie gar nicht da sind – etwa in E-Mails oder eben im Chat.

Wir denken Körpersprache und Stimme automatisch dazu

Das ist kein Problem, solange es um unmissverständliche Fakten ohne Konfliktpotenzial geht und wir uns in einer neutralen oder positiven Gemütslage befinden. Anders sieht es aus, wenn wir im Chat auf Widerspruch stoßen und uns vielleicht ärgern. Da hört unser inneres Ohr schon mal eine unsympathische Fistelstimme, ein hektisch gebrülltes Argument, eine Flut an Argumenten, unter denen unser Empfinden unterzugehen droht. Und wir ärgern uns noch mehr, antworten darauf; der andere liest unseren Beitrag ebenfalls verärgert und unterlegt ihn seinerseits automatisch interpretierend mit passend aggressiver Körpersprache, Gestik und Stimme. Der Konflikt schaukelt sich auf.

Gefangen in der Problem-Trance

Je mehr Argumente über den Screen wandern, desto verfahrener wird die Situation. Warum? Schon im Gespräch gestalten sich Konflikte vor allem dann als schwierig, wenn die jeweiligen Argumente gar nicht richtig gehört werden. Jede Konfliktpartei bastelt dann nur noch an ihren eigenen Argumenten und versuchen zu „gewinnen“, das eigene Argument immer noch und noch stärker zu machen, anstatt auf Basis der Argumente beider Beteiligter eine konstruktive Lösung zu finden. Im Gespräch lässt sich aber eine konstruktivere Basis herstellen, indem man paraphrasiert, das Argument des anderen also noch einmal wiederholt. Man sagt, was man gehört oder verstanden hat. Dann erst schließt man an das Gehörte an. Der Effekt: Wer gehört wird, ist viel eher bereit, auch selbst zuzuhören: der erste Schritt für eine gemeinsame Lösung.

Aber im Chat? Niemand holt uns aus unserer Problemtrance, wir bleiben in unserer Argumentationslinie gefangen – und das Gegenüber ebenso. Je mehr Menschen dann auch noch an diesem Chat beteiligt sind, desto weniger findet wirklicher Austausch statt. Meist verstärkt sich der Ärger bei jeder/jedem Einzelnen nur noch, anstatt zu einer Lösung zu kommen.

Was tun?

Natürlich tauchen im Chat Konflikte auf, kein Mensch kommuniziert immer sachlich und neutral (und wenn, wäre das ziemlich langweilig). Achten Sie aber darauf, dass ein Konflikt nicht eskaliert:

  • Wenn sich Gruppenmitglieder nicht oder kaum kennen, ist ein konstruktives Miteinander schwieriger. Daher: Wenn es möglich ist, sollten sich die Mitglieder einer Gruppe nicht nur im Chat, sondern auch immer wieder real treffen. Das festigt die Bindung und gibt Raum für gemeinsame (positive) Erfahrungen in der Gruppe. Körpersprache und Stimme unterliegen bei echten Begegnungen nicht mehr nur unserer Phantasie.
  • Falls ein Konflikt in einer Chat-Gruppe auftritt: Müssen Sie den Konflikt vor allen klären? Oder wäre es besser, mit der betroffenen Person abseits der Gruppe in Kontakt zu treten?
  • Hören Sie in sich hinein: Wie lesen Sie die Nachricht? Interpretieren Sie den Beitrag schon verärgert? Wie würde eine komplett außenstehende Person den Beitrag lesen?
  • Versuchen Sie, auch bei untergriffigen Kommentaren, die sachlichen Inhalte herauszudestillieren. Antworten Sie auf keinen Fall gleich!
  • Wechseln Sie rechtzeitig den Kanal! Manch Missverständnis ist am Telefon leichter ausgeräumt, und was Menschen schnell mal ins Handy tippen, würden sie vielleicht niemandem ins Gesicht sagen.
    Wenn dann das direkte Gespräch stattfindet, versuchen Sie, dem anderen zuzuhören und an das Gesagte anzuschließen. Das ist oft nicht leicht – aber einen Versuch ist es wert!

Nicht nur, aber auch ums Zuhören  geht’s in unseren Kommunikationstrainings und Seminaren zu Gesprächsführung.  Dort lernen Sie, wie ein Gespräch gelingt – und was Sie alles dafür tun können.
Eine Methode, wie Sie das Zuhören üben können, finden Sie mit der Ja-und-Methode auf unserem Youtube-Kanal.

Ein Satz – eine Aussage, ein Absatz – ein Gedanke

Von einer bestechend einfachen Regel, die Struktur und Ordnung in Ihren Text zaubert es geht um Sätze und Absätze.

Es gibt viele Arten von Absätzen. Diese hier sind dekorativ, aber nicht Thema des Blog-Artikels.Dieser Blogbeitrag beginnt mit einem Satz. Er ist, wie auch dieser zweite Satz, recht kurz. Jetzt lesen Sie schon den dritten Satz und Sie fragen sich vielleicht, wohin das alles führen soll. Danke fürs Durchhalten, immerhin schon vier Sätze und fast einen ganzen Absatz lang. Damit haben Sie mit den einzelnen Sätzen auch verschiedene Aussagen gelesen und mit dem ganzen Absatz einen groben Gedanken.

Verwirrt? Das liegt vielleicht daran, dass Sie zwar wie jeder des Schreibens kundige Mensch mit Sätzen und Absätzen arbeiten, sich aber noch nie oder schon sehr lange keine Gedanken mehr darüber gemacht haben. Dabei ist der bewusste Einsatz von Sätzen und Absätzen die einfachste Form, einen Text zu gliedern und damit unsere Leser und Leserinnen zu führen. Eine gute Gliederung gehört zu den wichtigsten Kriterien für einen verständlichen Text. Und Verständlichkeit streben wir hoffentlich alle an, wenn wir nichts zu verbergen haben.

Darauf sollten Sie bei den Sätzen achten

Verständliche Sätze sind kurz bis mittelang. Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat einmal für Presseaussendungen 20 Wörter als empfohlene und 30 als erlaubte Obergrenze angegeben. Das ist schon sehr streng, aber lesen Sie den zweiten Satz im zweiten Absatz dieses Textes durch: Er hat 32 Wörter. Und ist er nicht schon deutlich schwerer zu verstehen als der Rest?

Oder Sie halten sich an diese Regel: nämlich nur eine Aussage pro Satz zu transportieren. Damit bleiben Sie klar. Viele Nebensätze und wirre Satzkonstruktionen passieren, weil der Autor oder die Autorin zu viel vor den Punkt packen wollte. Schön, wenn es viel zu sagen gibt, aber hintereinander, bitte!

Und das hilft bei der Wahl der Absätze

Mehrere Sätze oder Aussagen bilden einen Absatz, und der wiederum sollte nur einen Gedanken wiedergeben. Vielleicht ist das Wort Gedanke etwas irreführend, gemeint ist ein kohärenter Abschnitt des Textes. Der erste Absatz dieses Blogbeitrags ist natürlich die Einleitung, sie soll neugierig machen und in diesem Fall ein Beispiel liefern. Der zweite Abschnitt wird konkreter und führt zum Thema Verständlichkeit. Dann kommen zwei Absätze mit konkreten Tipps zu Sätzen und Absätzen. Die Abschnitte folgen logisch aufeinander und bilden für sich gedankliche Einheiten. Wie lange ein Absatz sein darf, ist schwer zu sagen, weil es vom Gesamttext abhängt: Ich würde sagen, 20 Zeilen sind schon recht viel. (Ein umgekehrter Zusammenhang zwischen Satzlänge und Absatzlänge, wie ihn Pizzera & Jaus besingen, besteht übrigens aus rein stilistischer Sicht nicht.)

Probieren Sie es aus:  Ob Sie nun ein Mail verfassen, einen Text für Ihre Homepage oder einen Artikel, setzen Sie die mächtigen Werkzeuge Sätze und Absätze bewusst und bewusst ein. Und das war der letzte Absatz – und damit zugleich der Schluss.

War dieser Beitrag für Sie interessant, wollen Sie mehr Tipps zu gutem Stil bekommen? Dann besuchen Sie doch unser Online-Seminar: Schreiben KOMPAKT!

Content finden: die 5-Perspektiven-Methode

Wer regelmäßig Inhalte sucht, für Social Media, Newsletter oder periodisch erscheinende Medien, kennt das Gefühl, schon alles erzählt zu haben. Mit der 5P-Methode kommen Sie zu vielen neuen Ideen.

Die Deadline für den Newsletter steht bevor und das File ist leer. Ist doch erst vor zwei Wochen ein Newsletter rausgegangen, und so viel ist gar nicht passiert in der Zwischenzeit. Was also soll man schreiben?

Kennen Sie das? Keine Sorge, Sie haben genug zu erzählen, sie müssen Ihr Geschichten-Wissen nur anzapfen und die Perspektive verändern. Dazu haben wir von WORT & WEISE eine Methode entwickelt. Wir nennen sie die 5P-Methode. Das P steht für Perspektive und es geht genau darum: nämlich bei der Suche nach Storys und Content fünf Mal komplett die Perspektive zu verändern.

Nehmen wir uns als Illustration ein überschaubares Beispiel: Wir sind ein Zwei-Personen-Unternehmen, das ein kleines Café betreibt. Natürlich ist es wichtig, eine Stammkundschaft aufzubauen und diese entsprechend an uns zu binden. Ein Teil dieser Kundenbindung ist die schriftliche Kommunikation über unsere Social-Media-Kanäle und vielleicht ein Newsletter. Wie helfen uns nun die 5 Perspektiven, Inhalte zu finden?

1. People – Menschen

Wo Menschen sind, warten Geschichten darauf, erzählt zu werden. Wir müssen sie freilich fragen und erzählen lassen. Diese Menschen können wir, die Kaffeehausbetreiber sein, aber auch Kunden und Kundinnen, Lieferantinnen und Helfer, Passanten und Anrainerinnen – reichlich Content für Bilder und Texte. Idealerweise variiere ich in der Form, wie ich die Menschen zu Wort kommen lasse: Mal reicht ein Zitat, mal bringe ich ein kleines Interview und vielleicht passt auch einmal ein Porträt.

2. Places – Orte

Ja, werden Sie als erstes denken, klar, das Kaffeehaus. Aber verändern Sie die Perspektive, es gibt nicht nur DAS Kaffeehaus, es gibt Ecken und Winkel, verschiedene Räume und Einrichtungsgegenstände, es gibt einen Bereich vor dem Café und einen dahinter. Vielleicht warten aber auch Geschichten an ganz andren Orten, etwa dort, wo unser besonderer Bio-Kaffee herkommt, wo wir unsere Torten bestellen oder dieses tolle Geschirr mit den lustigen Motiven besorgt haben.
Stellen Sie sich vor, wir betrachten unser Kaffeehaus durch eine Kamera mit verschiedenen Objektiven, mal von der Nähe, mal von der Ferne, mal mit Weitwinkel, mal ganz nah.

3. Phases – Zeit und Zeiträume

Die Gegenwart ist ein unendlich kurzer Augenblick, deshalb hat jede Geschichte eine zeitliche Perspektive. Die Dimension Zeit hilft, Geschichten zu erzählen, indem sie Veränderungen aufzeigt und Vergleiche zieht. Was hat sich seit unserer Gründung vor drei Jahren verändert? Gibt es etwas, was sich verändern wird? Was kann ich über unser Café erzählen, wenn ich es über ein Jahr betrachte mit seinen Monaten und Jahreszeiten? Oder über eine Woche? Über einen Tag? Content en masse!

4. Products – Produkte

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihr Produkt ist? Wenn Sie Bohrmaschinen herstellen, ist das vielleicht nicht schwer zu beantworten, aber selbst da lautet die Antwort vielleicht nicht nur Bohrmaschinen. Beim Kaffeehaus ist es noch einmal schwieriger: Guter Kaffee? Erholung? Ein Raum zum Ausspannen? Ein anregendes Ambiente? Ein Eck zum Plaudern und Zeitunglesen?  Sehen Sie, überall warten Geschichten. Sammeln Sie die verschiedenen Aspekte, verändern Sie die Perspektive auf Ihre Produkte und erzählen Sie davon!

5. Process – Prozesse

Die fünfte Perspektive ist eine Aufforderung, noch einmal alle bisherigen Perspektiven und Ideen miteinander zu verknüpfen – als Prozess. Wenn man verschiedene Aspekte miteinander verknüpft, entsteht neuer Content!
Nehmen Sie etwa das Zeitunglesen auf der einen Seite und eine längere Perspektive auf der anderen Seite her, dann können Sie zum Beispiel von der österreichischen Tradition der Kaffeehausliteratur erzählen oder sie stellen einen alten Zeitungsständer vor. Wenn Sie einen Lieferanten (People)  mit Ihrem kleinen Lager  (Places) im Hintergrund verbinden, dann widmen Sie doch einen Beitrag einem Danke an den immer pünktlichen und freundlichen Mann, der regelmäßig zu Ihnen kommt. Und vielleicht zitieren Sie die Kundin (People), die sich nun schon drei Mal  (Phases) Ihren Nussstrudel gelobt hat. Natürlich nur mit ihrer Zustimmung.

Da draußen warten unendlich viele Geschichten darauf, erzählt zu werden. Wir übersehen sie gerne, weil wir einen Tunnelblick entwickelt haben und viel zu wenige Fragen stellen. Content gibt es also genug, man muss ihn nur finden – zum Beispiel mit dieser Methode.

Mit Klick auf dieses Bild kommen Sie zu unserem Youtube-Video, in dem wir die Methode Content finden mit den5P erklären.
Content finden mit 5P auf Youtube

3 Tipps für lebendige Verben

Aktive und aussagekräftige Zeitwörter beleben jeden Text. Sie sind die Herzen der Sätze. Hier die drei wichtigsten Tipps, wie Sie den Verben zu ihrem verdienten Platz verhelfen.

Das Verb ist das Herzstück des Satzes., es muss schlagen, pochen und pulsieren.Wären Sätze Organismen, dann entsprächen die Verben den Herzen. Sie müssen schlagen, pochen, wummern, schmerzen und hüpfen – aktiv und lebendig. Keinesfalls sollte man sie einfach nur „haben“, sie sollten nicht „als Pumpe fungieren“ und ganz bestimmt sollten sie nicht passiv „angetrieben werden“.

Beachten Sie diese drei Tipps und hauchen Sie einem blutleeren Text wieder Leben ein:

  1. Schreiben Sie aktiv

Ein Journalist schreibt eine Reportage ist aktiv. Die Reportage wird von einem Journalisten geschrieben oder gar nur Die Reportage wird geschrieben ist passiv.
Ein anderes Wort für das Verb ist „Tunwort“, jemand tut also etwas. Wenn hingegen etwas getan wird, liegt der Fokus auf dem, mit dem etwas geschieht. Das kann sinnvoll sein, wenn es um ein Opfer geht, oder wenn wirklich, wirklich nicht klar ist, wer etwas tut. Meist allerdings greifen wir zum Passiv, weil wir unsicher sind oder zu faul, um konkret zu sein. Und so ersticken da draußen in Mails und Artikeln, in Newsletter und auf Homepages passive Wortungetüme die knappen, schönen Formulierungen wie Efeu eine Rosenhecke.

Passiv ist nichtssagend, uninspiriert und lückenhaft, weil unklar bleibt, wer etwas tut. Wir Lesende wollen erfahren, wer etwas tut, wo sich etwas bewegt und was passiert. Also: Hände weg von werden, es sei denn, es geht um die Zukunft.

  1. Vermeiden Sie Nominalstil

Klaus antwortet Lisa ist Verbalstil. Klaus gibt Lisa eine Antwort Nominalstil, weil ein Nomen, also ein Hauptwort, ins Spiel kommt und dem Verb die Show stiehlt. Aus antworten wurde geben. Texte im Nominalstil sind in der Regel schwerer zu verstehen, sie klingen abgehoben und distanziert. Der Kaiser erteilt die Erlaubnis oder eine Zustimmung, wir aber sollten – wollen wir auf Augenhöhe und verständlich kommunizieren – etwas erlauben und zustimmen. Erstaunt Sie das? Oder versetzt Sie das in Erstaunen?

  1. Nutzen Sie Ihren Sprachschatz

Wir können etwas sagen und manchmal ist dieses neutralste Verb der Kommunikation auch passend. Will ich allerdings Farbe in meinen Text bringen, Bilder zum Leben erwecken und meine Leserschaft unterhalten, dann greife ich auf eine passende Alternative zurück, etwa meinen, unterstreichen oder bestätigen. Zu den hunderten Synonymen für sagen gehören genauso flüstern und schreien, zustimmen und negieren, abschließen und eröffnen, referieren und erläutern. Natürlich passt nicht jedes dieser Wörter für jede Situation, aber genau darum geht es: das richtige zu finden und die gewünschte Aussage damit noch besser zu treffen. Mit nur einem Wort!

Beachten Sie diese drei Tipps und ihr Text wird aufleben. Und nein, das gilt nicht nur in der Literatur, auch in Gebrauchstexten wie Mails oder Jahresberichten sollten die Verben die Herzen der Sätze sein. Und ein Herz muss schlagen. Hört das Herz auf sich zu bewegen, ist der Satz tot.

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Wie lange muss eine Story sein?

Fragen, die uns gerne gestellt werden: Braucht Storytelling nicht sehr viel Zeit und Platz? Wie soll ich auf Sozialen Medien eine ganze Geschichte unterbringen? Was braucht eine Story mindestens?

Ja, es ist möglich, in einem Bild eine Story zu erzählen, wenn die wichtigsten Element des Storytellings vorkommen. Sehen wir uns dazu ein Bild an. Ich habe ein Plakat gewählt, das die Stadt Wien entlang großer Baustellen aufstellt. Es ist Teil einer ganzen Reihe, die Bürgersorgen auffangen sollen. Hier geht es um den Baustellen-Lärm.

Was sehen wir?

Zwei Protagonist*innen, vermutlich Vater und Tochter, wir erfahren also auch etwas über ihre Beziehung. Der Ort: am Rande einer Bausstelle. Die beiden handeln, indem sie einen kurzen Dialog führen. Der Vater zeigt Emotion, er ist von dem Baulärm offensichtlich genervt und fragt: „Hat der Baustellenlärm nie a End?“ Das gut gelaunte Mädchen an seiner Seite kontert: „Sicher – und dann musst du mit mir zum neuen Spielplatz!“

Die beiden bringen somit zwei Zeitperspektiven ins Spiel: das Jetzt, da gearbeitet wird, und die Zukunft, wenn alles fertig ist, wenn also eine Transformation stattgefunden hat. Die Kernbotschaft, unverzichtbar für jede Story: “Hier wird (auch) etwas für dich gebaut.” Damit schafft sie einen neuen Rahmen (Frame) oder eine neue Blickrichtung.

Zielgruppe dort abholen, wo sie ist

Was hier auch gut gelungen ist: Die Kampagne stülpt nicht einfach eine neue Perspektive über den Ärger, sondern sie holt zunächst die Emotionen und damit die Zielgruppe dort ab, wo sie ist: Ja, der Lärm ist lästig, aber er ist irgendwann vorbei und dann haben wir etwas für dich gebaut.

Wir sehen, man kann also auch mit wenig Platz, ja sogar auf nur einem einzelnen Bild, eine relativ komplexe Geschichte erzählen, wenn die wichtigsten Elemente des Storytellings vorkommen:

  • Ein/e Protagonist/in oder Held/in (VAter und Tochter),
  • der oder die ein wenig ausgestattet wird und handelt (Gewand, Mimik, Gestik, Sprechblasen),
  • ein Ort  (vor der Baustelle),
  • irgendeine Art der Änderung, eine Überwindung eines Feindes oder einer Schwierigkeit (Ärger über den Lärm hin zu Einsicht oder Akzeptanz, weil man auch etwas davon hat),
  • eine Kernbotschaft (Wir bauen hier auch für dich.).

Voilà, eine Geschichte – oder zumindest der Ansatz einer solchen. Natürlich ist das noch keine Heldenreise mit 12 Stationen oder das Skript für einen eineinhalbstündigen Film. Aber dafür ist oft auch kein Platz.

Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, besuchen Sie doch unser Webinar Storytelling KOMPAKT oder suchen Sie sich eines unserer anderen Angebote rund um Storytelling aus.