Alle Artikel von Roman Kellner

Froh texten dank Rohtexten

forresterWarum es Zeit spart, beim Texten den Umweg über ein Rohfassung zu nehmen – und was das mit Sean Connery zu tun hat.

Frank hatte zwei Stunden für den Text veranschlagt, ausreichend Zeit für 1.500 Zeichen, dachte er. Doch nach einer Stunde bastelte er immer noch am ersten Satz herum, die Delete-Taste glühte vom häufigen Gebrauch und Frank zweifelte an seinen schreiberischen Fähigkeiten.

Was war schiefgelaufen? Nun, Frank wollte vom ersten Satz an die fertige Version texten. Und gerade der Einstieg eines Textes, so viel weiß Frank, ist wichtig.

Nur: So funktioniert der Schreibprozess nicht. Bei jedem Text, der länger als ein paar Sätze ist, empfiehlt es sich, mit einer Rohfassung zu beginnen, also einer ungeschliffenen Version.

Im sehenswerten Film „Finding Forrester“ rät Sean Connery als alternder Literat seinem Schüler Jamal, die erste Version eines Textes mit dem Herzen zu schreiben, die zweite mit dem Hirn. Das ist ein guter Tipp, weil am Beginn die Intuition das Ruder übernehmen sollte, das Hirn aber schnell die anfangs destruktive Rolle des Zensors spielt.

Tippen statt Denken

Tippen (oder kritzeln) Sie also wild drauflos, heben Sie sich Ansprüche auf den perfekten Text für später auf oder noch besser: Verbannen Sie diese endgültig. Beginnen Sie irgendwie. Wenn Sie keine Idee für den ersten Satz haben, dann schreiben Sie genau das hin: „Hier fehlt mir noch ein erster Satz.“ Damit ist die gähnende Leere der Word-Datei durchbrochen und es kann losgehen. Lassen Sie die Wörter und Sätze aus sich herausbrechen, verschwenden Sie in dieser Phase keine Zeit an Grammatik und korrekte Schreibweise. Lassen Sie Brüche und Gedankensprünge zu. Enden sie erst, wenn Ihnen nichts mehr einfällt.

Erst dann geht es an den Feinschliff, ans Verschieben, Ausformulieren und Kürzen. Manchmal liest sich der erste Entwurf, wie es die amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates beschreibt „als schöbe man eine Erdnuss mit der Nase über einen völlig verdreckten Boden“. Dann wieder fehlt vielleicht gar nicht so viel am Weg zur Endfassung. In jedem Fall wird etwas da sein, mit dem Sie arbeiten können. Verpassen Sie nun dem Text den letzten Schliff. Finden Sie auch einen guten ersten Satz, denn der ist wichtig, in jedem Text. Aber nicht von Beginn an.

Mehr, viel mehr solche Tipps erwarten Sie in unseren Schreibcoachings und Schreibseminaren.

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Menschen vor Methoden

methodenMethoden sind wichtig, aber Menschen, ihre Bedürfnisse und Ziele sind wichtiger.

Manche Akquisegespräche führen nicht zu Aufträgen und das ist auch gut so. Ich erinnere mich noch genau an ein Gespräch mit dem Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Wir waren eingeladen, mit ihm über ein Moderationsseminar in seiner Firma zu verhandeln.

Schon bald war klar: Der Mann war ein Trophäen-Sammler. Seine Trophäen bestanden aus verbrauchten TrainerInnen und eingesetzten Methoden. Tatsächlich zeigte er uns eine Mappe, in der alle TrainerInnen aufgelistet waren, die schon für ihn gearbeitet hatten. Keiner war gut genug gewesen. Von uns wollte er vor allem etwas Neues, eine neue Methode, einen neuen Ansatz. Wenig überraschend: Das Gespräch war bald zu Ende, wir haben uns nie wieder gesehen.

Nicht, weil wir nicht ein paar Namen von Methoden hätten fallen lassen können, von denen der Geschäftsführer noch nie gehört hätte, sondern weil wir bei dem durchschaubaren Spiel nicht mitmachen wollten.

Nie um der Methode willen

Wenn Sie einmal in die Situation kommen, dass Sie eine neue Methode kennen gelernt haben und die unbedingt ausprobieren wollen, dann seien Sie bitte nicht ungeduldig, sondern warten Sie auf den richtigen Zeitpunkt, sie einzusetzen. Es passt einfach nicht jede Technik für jede Situation! Methoden sind wichtig, und viele Methodenpfeile im Köcher zu haben macht flexibel und garantiert, dass den TeilnehmerInnen und einem selbst nicht fad wird. Aber Methoden dürfen nie Selbstzweck sein. Und es bringt auch nichts, sie als Trophäen zu betrachten. Sie sind ein Werkzeug, um ein Ziel zu erreichen. Es gibt aber Situationen, da reichen eine einfache Diskussion, geduldiges Zuhören oder ein paar Fragen, um Wunder zu bewirken.

Entscheidend ist, wer in einem Seminar, einem Gespräch oder sonst einer kommunikativen Situation das Gegenüber ist. Was will und was braucht die Person oder Gruppe? Und was ist das Ziel einer Moderation, eines Gespräches, eines Workshops? Erst wenn das geklärt ist, kann ich den Methodenkoffer öffnen und schauen, was zu dieser Person oder Gruppe und zu diesen Zielen passt. Halte ich diese Reihenfolge nicht ein, sehe ich überall Karotten, weil ich eine neue Karottenreibe habe, oder – als Bild berühmter – überall Nägel, weil ich nur einen Hammer besitze.

Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren wollen, besuchen Sie doch eines unserer Seminare.

Fünf Fachtipps für viele Verfasser

zu-zweit-schreiben2Viele Verfasser verderben einen Text – nicht unbedingt

Ein Text und mehrere Verfasser: Kann das gutgehen? Ja, aber beherzigen Sie folgende Ratschläge. Dann schreiben Sie ein Buch, eine Broschüre oder eine Studie im Kollektiv, ohne dass dabei gleich Beziehungen oder Teams in Brüche gehen.

  1. Verständigen Sie sich über das Ziel

Beantworten Sie diese Fragen gemeinsam im Team oder einzeln und tragen Sie die Antworten dann zusammen. Sie vermeiden damit Überraschungen im Nachhinein.

  • Als wer schreiben Sie? Welche Rollen haben Sie? Was erwarten Sie sich von dem Produkt?
  • Wen wollen Sie mit dem Printprodukt erreichen? Was wissen Sie über Ihre Zielgruppe? Welche Sprache ist angemessen?
  • Wozu schreiben Sie den Text? Was soll nach dem Lesen passieren? Sind die Leser/innen lediglich informiert? Oder sollen Sie etwas tun oder etwas Bestimmtes über Sie denken?
  1. Klären Sie, welcher Stil passt

Jeder Mensch schreibt ein wenig anders, weil in Geschriebenes immer auch ein Stück der Persönlichkeit fließt. Das ist OK. Arbeiten Sie an einem Sammelband, hat es vielleicht sogar seinen Reiz, dass die Texte ganz verschieden daherkommen. Soll der Text aber aus einem sprachlichen Guss sein, ist es wichtig, dass Sie im Groben wissen, welcher Stil der richtige ist oder zumindest, wie sie verschiedene Stile kombinieren. Wenn A auf wissenschaftliche Sprache setzt und B in Anekdoten schreibt, liegen A und B vermutlich zu weit auseinander. Klären sie auch, ob und wie Sie gendern und wie Sie mit Abkürzungen oder Fachausdrücken umgehen wollen.

  1. Setzen Sie auf Ping-Pong

Klären Sie, wer was am besten kann. Jede/r sollte mit dem Teil beginnen, bei dem er/sie am meisten zu sagen hat oder bei dem er/sie am ehesten beginnen kann. Wenn der Schreiber oder die Schreiberin nicht mehr weiter weiß, wandert der Text weiter. Danach wieder zurück oder an die dritte Person. Wir haben oft erlebt, dass man am Ende gar nicht mehr sagen kann, wer welchen Text verfasst hat. Das ist gut, wenn es erwünscht ist.

  1. Oder bestimmen Sie eine letztverantwortliche Person

Im Idealfall gibt es eine/n Redakteur/in, der/die alles zusammenfasst und in einen Guss bringt. Steht so jemand nicht zur Verfügung, braucht es dennoch jemanden, der das letzte Wort hat, idealerweise jene Person, die am besten die deutsche Rechtschreibung beherrscht. Ihre Aufgabe ist es, die Texte zusammen zu führen, sie zu korrigieren und allzu große Unebenheiten zu bügeln.

  1. Stecken Sie Eitelkeiten zurück

Wenn zwei Menschen einen Schneemann bauen, sollte sich in der Skulptur die Handschrift von zwei Schneemannbauer/inne/n finden. Das ist normal und schön. Das heißt aber auch, dass sich nicht eine/r durchsetzen kann, sonst ist es besser, man baut gleich zwei Schneemänner nebeneinander. So ist es auch mit einem Schriftwerk. Akzeptieren Sie, dass es ein wenig anders wird, als wenn Sie es alleine geschrieben hätten.

Mehr, viel mehr solche Tipps erwarten Sie in unseren Schreibcoachings und Schreibseminaren.

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Perspektivenwechsel wozu?

KreisWas ist auf dem Bild dargestellt? Was ist Ihre erste Assoziation?

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Eine Beilagscheibe, werden manche denken, eine Schallplatte andere. Vielleicht aber auch ein Dichtungsring, eine Röhre, ein Zylinder, der Buchstabe O, ein Schwimmreifen, eine Zielscheibe, eine Werbung für einen Mobilfunkbetreiber oder ein Autoreifen.

Was stimmt nun? Jede Antwort ist richtig, denn es ist, was der oder die Betrachter/in darin sieht. Wer offen Möglichkeiten sammelt, wird bald noch viel mehr Interpretationen als die angeführten finden. Wer sich aber früh für eines entscheidet und dabei bleibt, wird seine Wahl vielleicht verteidigen und immer mehr davon überzeugt sein, es könne nur dieses eine darstellen.

Wer viel mit Autos zu tun hat, wird eventuell zuerst einen Reifen darin sehen, wer noch nie ein Auto zu Gesicht bekommen hat, etwas ganz anderes. Wem Farben wichtig sind, für den hat es vielleicht mehr Bedeutung, dass der Kreis einen dicken schwarzen Umriss hat, als für jemanden, für den die Form im Vordergrund steht. Wir haben immer einen bestimmten Blickwinkel auf die Dinge und wir sehen immer nur einen Ausschnitt. Denn unsere  Persönlichkeit und unsere Erfahrungen haben einen Einfluss darauf,  wie wir die Welt wahrnehmen.

Wenn aber nun jede/r die Welt ein wenig anders wahrnimmt – ja, müsste es dann nicht möglich sein, die eigene Wahrnehmung auch zu verändern, vielleicht zu steuern? Ja, es ist möglich: Wir können den Blickwinkel verändern  und dadurch auch den Ausschnitt, den wir wahrnehmen. Wir sehen das Bild von einer anderen Seite oder einen vergrößerten oder verkleinerten Ausschnitt. Wenn wir wollen.

Viele Coaching-Methoden oder Kreativitätstechniken arbeiten so, sie verändern die Betrachtungsebene, den Ausschnitt oder die Fragestellung, um Raum für neue Perspektiven zu schaffen. Warum man das tut? Weil sich scheinbar unlösbare Probleme oder einzementierte Meinungen manchmal in einem anderen Licht zeigen – und damit den Blick auf die eine oder andere mögliche Lösung freigeben. Oder einfach nur das Verständnis für das Gegenüber fördern – als ersten Schritt einer Versöhnung oder zumindest eines Waffenstillstands.

Mehr dazu gibt es in unserem Seminar „Ideenlos? Ideen, los!

 

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Lampenfieber

versteckDie Hände schwitzen und das Herz pocht, als ob es Signale nach draußen senden möchte. Der Kopf hämmert „nein“, der Widerwille, die Stimme zu erheben, ist übergroß. Dann die ersten Worte: Und gleich im ersten Satz ein Versprecher. Kennen Sie das?

Sie sind damit nicht allein. Immer wieder zeigen Studien, dass für viele Menschen die Angst vor dem Reden den Top-Platz unter allen möglichen Ängsten einnimmt, noch vor Krankheiten, Schlangen oder gar dem Tod. Und unzählige prominente Persönlichkeiten haben sich öffentlich zu ihrer Nervosität vor Auftritten bekannt, etwa Peter Alexander, Maria Callas oder John Lennon. Der Burgtheater-Schauspieler Peter Simonischek erzählte in einem Interview in der Wiener Zeitung einmal, dass die Aufregung nicht nur den Moment vor dem Auftritt betrifft: „Es ist immer ein gewisser Anspannungspegel da. Schon morgens, wenn ich aufstehe, ist der Tag, an dem ich abends eine Vorstellung habe, nicht der gleiche wie der Tag, an dem ich nicht spiele. Der ganze Tag ist ausgerichtet auf den Moment, wenn am Abend der Vorhang hochgeht. Wer bereit ist, was zu riskieren, der hat auch Lampenfieber.“

Das ist doch schon mal gut, wenn wir das Lampenfieber mit prominenten und erfolgreichen Menschen, die viel auf Bühnen stehen, teilen. Das beweist, dass dieser Zustand einen erfolgreichen Auftritt offenbar nicht verhindert. Und tatsächlich ist der wichtigste Ratschlag, Nervosität nicht zu bekämpfen, sondern sie eher zu akzeptieren. Physiologisch betrachtet ist sie ein Erregungs- und/oder Hemmungszustand, der zu Hormonausschüttungen führt – wie bei drohender Gefahr. Und wie bei dieser hat er seine Funktion, er macht uns wach und aufmerksam. Vor mehr Menschen als gewöhnlich etwas vorzutragen ist ein Ausnahmezustand, das Gefühl dazu ist es auch.

Hier ein paar Tipps zum Umgang mit allzu großem Lampenfieber:

  • Nutzen Sie die Energie, sie ist etwas Positives. Lassen Sie sich aber von Ihr nicht das Tempo vorgeben, indem Sie etwa schneller sprechen als normal.
  • Finden Sie möglichst viel über den Auftritt und das Setting heraus. Wenn Sie zum Beispiel den Raum schon kennen, in dem Sie eine Rede halten müssen, kann Ihnen das Sicherheit geben.
  • Bereiten Sie sich rechtzeitig gut vor. Proben sie zumindest die ersten zwei bis drei Sätze mehrmals vorab. Üblicherweise legt sich die Aufregung mit der Zeit.
  • Lenken Sie sich ab, wenn es davor nichts mehr zu tun gibt. Es bringt nichts, wie das erschreckte Kaninchen auf die Schlange zu starren.
  • Schauen Sie, was Ihnen unmittelbar vor dem „Auftritt“ hilft. Vielleicht gibt Ihnen eine bestimmte Musik die nötige Kraft, vielleicht ein paar tiefe Atemzüge, vielleicht ein Spaziergang.
  • Wählen sie ein Outfit, in dem Sie sich wohlfühlen. Der Nutzen des superengen Anzugs oder der riskanten High Heels ist geringer als das Risiko, dass sie Ihnen den nötigen Atem oder die Standfestigkeit nehmen.
  • Betrachten Sie das Publikum nicht als Feind, sondern als Verbündeten. Richten Sie Ihr Augenmerk von Beginn an auf zwei oder drei gut im Raum verteilte wohlwollende Gesichter. Und vertrauen Sie darauf, dass Zuhörer/innen Ihre Aufregung nie in dem Maße mitbekommen wie Sie glauben.
  • Freuen Sie sich auf den Auftritt. Ja, es ist eine Herausforderung, das heißt, dass Sie Ihre Komfortzone verlassen. Aber daran wachsen Sie. Danach werden Sie stolz sein, dass Sie sich getraut oder es gemeistert haben

Mehr Tipps, Tricks und Techniken zu Präsentationen und Auftreten vor Publikum gibt es in unserem Seminar „Mut zur Moderation“.

Drei Grad

temperatur_breitÜber Bedürfnisse zu diskutieren, ist ein sinnloses Unterfangen.

Wir arbeiten im selben Raum an unseren Computern. Ich trage ein T-Shirt, von meiner Partnerin sieht man nur die Augen. Sie rollen knapp oberhalb des Rollkragenrandes hin und her – auf der Suche nach einer siebenten Schicht, in die sie sich hüllen könnte. Auch in der Nacht ist es nicht anders: Decke ich mich auf Grund nächtlicher Hitzewallungen ab, schnappt sie sofort die Tuchent, weil zwei Decken und die gesamte Winterschlaf-Kollektion mehrerer Gewandkataloge noch nicht ausreichen.

Die Wohlfühltemperatur meiner Partnerin liegt drei Grad über der meinen, mindestens. Darüber lässt sich streiten und darüber haben wir gestritten. Allein: die Diskussionen führen zu nichts. Die eigenen Bedürfnisse stehen denen eines anderen Menschen gegenüber. Eine Wirklichkeit trifft auf eine andere Wirklichkeit.

Argumente versus Bedürfnisse
Da hilft es auch nicht – glauben Sie mir, ich habe es versucht –, mit Heizkosten oder Statistiken zu argumentieren. Ihnen kann ich es ja verraten: Ein Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent der Heizkosten. Aber das zählt als Argument nicht, wenn nur einer das Opfer bringt, wenn einem, in dem Fall einer, einfach kalt ist.

Daher: Versuchen Sie nie, den oder die andere/n von etwas zu überzeugen, was einer subjektiven Empfindung entgegensteht. Eine Temperatur-Diskussion zwischen einer Schnee-Eule und einem Känguru würde schließlich auch nichts bringen.

Kompromisse und Lösungen
Sie fragen sich, wie man das aushalten kann? Wie ich überlebe, ohne zu schmelzen? Nun: Leiden, damit nur der oder die andere sich wohl fühlt, ist keine Lösung. Und wahrscheinlich haben Sie es schon vermutet: Einfache Lösungen gibt es selten. Aber es gibt sie, die Möglichkeiten. Sie befinden sich allerdings jenseits der Zone „Recht haben/Recht bekommen“. In unserem Fall wäre das: Finden Sie Kompromisse und kreative Lösungen. Arbeiten Sie in getrennten Zimmern. Setzen Sie die hitzige Person näher zum Fenster. Denken Sie sich zeitliche Regelungen aus. Arbeiten Sie nicht gleichzeitig. Schaffen Sie eine Warm- und eine Kühlzone. Wie auch immer die Lösung in Ihrem Fall aussehen könnte: Stehen Sie zur Ihren Bedürfnissen. Aber akzeptieren Sie die Bedürfnisse des/der anderen als gleichwertig. Das vermeidet Streit. Und schafft manchmal ein ganz neues Arbeitsklima.

Neugierig geworden auf mehr Tipps und Tricks, wie Sie als Paar oder Team gut zusammenarbeiten, dann besuchen Sie doch unser Seminar „Tools für Teams“.

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das Protokoll

protokoll großGanz zu Beginn, weil wir das oft gefragt werden: Nein, es ist nicht sinnvoll, dass der/die Moderierende auch protokolliert, außer es handelt sich um ein Flipchart-Protokoll, das den Vorteil hat, dass es gleich für alle sichtbar ist.

Wer immer für das Protokoll zuständig ist, muss vorher die Frage nach der Zielgruppe und dem Ziel beantworten (lassen): Wird es für die Anwesenden als Erinnerung verfasst oder eher für jene, die nicht da waren, zum Nachlesen? Sollen damit To-dos festgehalten werden? Dient es dazu, eine Chronologie von Entscheidungen zu dokumentieren? Sollen Prozesse für abwesende Personen transparent gemacht werden?

Ob ein Arbeitsprotokoll in Stichworten oder in ganzen Sätzen, als Formular oder in freier Form verfasst wird, am Papier oder gleich am Laptop – womöglich sogar gleich für alle zum Mitlesen –, ist Geschmackssache. Viel wichtiger sind die Fragen, was hineinkommt, sprich, was von diesem Prozess für die Nachwelt festgehalten werden soll. Und das wird wohl nicht sein, Herr Müller hat dies gesagt und dann Frau Meier jenes.
Ein Protokoll hält Entscheidungen und eventuell die Art, wie sie gefunden wurden, konkrete Aufgaben und relevante Inhalte fest, nur dann wird es auch gelesen werden. Meist sind Protokolle zu lang und rein dokumentarisch ohne Klarheit und ohne Ziel verfasst.

Protokolle als Selbstzweck können, wenn  sie ohne Ziel geschrieben werden und keine Ergebnisse festhalten, zu Frust führen. Wenn Ergebnisse in der Sitzung ausbleiben, sollte man im Protokoll festhalten, ob die Ziele des Meetings verändert, eine Entscheidung vertagt oder die Bearbeitung eines Themas für ein weiteres Meeting  aufgehoben wurde (Themenspeicher). Dann erfüllt es seinen Zweck.

Wenn Sie es schwierig finden, in einem Protokoll den roten Faden zu halten, hilft Ihnen vielleicht  die Einteilung in folgende fünf Kategorien, um auf das Wesentlich zu fokussieren:

1. Rahmen: Wer, wann, wo?
2. Was wurde beschlossen?
3. Arbeitsaufträge: Wer macht was bis wann?
4. Infos und Termine
5. Themenspeicher

Mehr, viel mehr solche Tipps erwarten Sie in unseren Schreibcoachings und Schreibseminaren.

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Partizipation

pyramide_partizipationPartizipation – alle reden davon und jeder meint etwas anderes

Ein Unternehmen möchte die interne Kultur verbessern und startet den Prozess mit einer MitarbeiterInnenversammlung. Eine Organisation legt Fragebögen auf, um eine Veranstaltung zu evaluieren. Eine Bürgerinitiative fordert Mitsprache bei einem Straßenprojekt.

Was haben diese drei Beispiele gemeinsam? Der Titel verrät es bereits, in allen drei Fällen geht es um Partizipation. Und sie zeigen: Partizipation ist ein weites Feld. Die lateinischen Herkunftswörter pars (Teil) und capere (fangen, ergreifen, nehmen) führen zu einem Begriff, unter dem alles Mögliche verstanden wird, immer geht es aber um eine Form der Einflussnahme, der Mitbestimmung und der Teilhabe.

In unseren Seminaren und Beratungen rund um Themen wie Moderation, Kreativität und Kommunikation ist Partizipation ein zentrales Thema, zu dem viele Fragen auftauchen: Wann beginnt Partizipation? Wieviel Partizipation ist möglich oder erwünscht? Mit welchen Methoden binde ich meine MitarbeiterInnen bestmöglich ein?

Die Partizipationspyramide
Gaby Straßburger und Judith Rieger stellen in ihrem Buch „Partizipation kompakt“ die verschiedenen Grade der Partizipation sehr anschaulich als Pyramide dar. Das Modell ist von zwei Seiten zu lesen, von der „institutionell-professionellen Perspektive“ (etwa einer Gemeinde) und von der Perspektive der BürgerInnen (bzw. anderer Partizipierenden) aus. Die drei Reihen an der Basis (rot) nennen sie „Vorstufen der Partizipation“, weil der Grad der Einflussnahme noch sehr gering ist: Ganz unten geht es lediglich um Information, darüber werden die Meinungen eingeholt und auf Stufe drei wird immerhin die Lebensweltexpertise der Betroffenen erfragt.

Darüber folgen drei Stufen echter Partizipation (orange): Es wird schon abgestimmt, etwas höher sogar Entscheidungskompetenz abgegeben und schließlich auf Stufe sechs die Entscheidungsmacht völlig übertragen. Die Fachkräfte unterstützen und begleiten in diesem Fall nur mehr.

Die Spitze schließlich ist zivilgesellschaftlichen Eigenaktivitäten vorenthalten. All das also, was BürgerInnen, MitarbeiterInnen oder andere Betroffene gemeinschaftlich organisieren und eigenständig verwirklichen. Deshalb ist die gelbe Spitze auch nur halb, weil hier nur mehr die Perspektive der BürgerInnen (MitarbeiterInnen etc.) eine Rolle spielt. Die institutionell-professionelle AkteurInnen-Perspektive endet mit Stufe sechs.

Missverständnisse vermeiden
Es ist nur ein Modell, das Möglichkeiten abbildet, es geht nicht darum, zu bewerten, wie viel Partizipation genau richtig ist. Das hängt von den Umständen der zu treffenden Maßnahmen oder Entscheidungen ab. Ganz wichtig ist allerdings, dass alle Beteiligten dasselbe unter Partizipation verstehen und dass sich die Erwartungen der TeilnehmerInnen mit den Angeboten decken. Wenn MitarbeiterInnen davon ausgehen, dass sie mitbestimmen dürfen, dann aber lediglich um ihre Einschätzung gebeten werden, ist böses Blut garantiert.

Natürlich hat es viele Vorteile, wenn ich Betroffene, ob in der Gemeinde, im Unternehmen oder in der Schule bei Entscheidungen mit ins Boot hole. Das führt, wenn es richtig gemacht wird, zu einer höheren Identifikation mit Lösungen und damit zu besseren, verbindlicheren und nachhaltigeren Beschlüssen. Umgekehrt können partizipative Prozesse langwierig sein, falsche Erwartungen wecken und, wenn sie scheitern oder zu hochschwellig angesetzt sind, zu Frustration führen.

Welche Methoden für einen partizipativen Prozess am besten passen, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Gruppengröße, der Zeit- und Raumressourcen und natürlich vom Ziel ab. Dazu werden Sie vielleicht in dem einen oder anderen Blog-Beitrag fündig, ganz sicher aber in unseren Seminaren.

Lesetipp: Gaby Straßburger/Judith Rieger (Hg.): Partizipation kompakt – Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe, Weinheim und Basel: Beltz Juventa 2014.

 

Kreativität den Weg bereiten

kreatives-pensum2014 hat Mason Currey in seinem Buch „Für mein kreatives Pensum gehe ich unter die Dusche“ die Rituale und Gewohnheiten von rund 80 berühmten Künstlern zusammengetragen. Der Autor lässt Joyce, Eco, Fellini, Austen, Picasso, Tolstoi und viele mehr zu Wort kommen und erzählen, wie und wo sie am kreativsten sind. Wenn sich eines sagen lässt, dann das: Es gibt kein Patentrezept für Kreativität. Gut, es kommen erstaunlich oft Alkohol und Kaffee vor, aber das war es auch schon.

Marcel Proust arbeitete zum Beispiel am liebsten in der Nacht, für Günther Grass war das undenkbar und William Faulkner bevorzugte den frühen Morgen.

Stephen King schreibt jeden Tag, ausnahmslos, selbst an Geburts- und Feiertagen hämmert er in die Tasten, sein tägliches Minimum beträgt 2.000 Wörter. Jean-Paul Sartre ging es da deutlich relaxter an und Gertrude Stein reichte überhaupt eine halbe Stunde pro Tag.

Igor Strawinski konnte nur bei geschlossenem Fenster komponieren, Pjotr I. Tschaikowski, Sören Kierkegaard oder Ludwig van Beethoven schwörten dagegen auf ausgedehnte Spaziergänge, um ihre Kreativität in Schwung zu bringen. Friedrich Schiller sagt man nach, er hätte faulige Äpfel in einer Schublade seines Schreibtisches gelagert, weil ihn der Geruch des Verderbens anregte, und Edith Sitwell schrieb fast nur im Bett.

Sie sehen: So viele Menschen, so viele Zugänge zur Kreativität. Aber ganz bestimmt gibt es etwas, das auch Ihnen hilft, kreativ zu sein. Brauchen Sie eher wie Francis Bacon das Chaos oder wie Thomas Hobbes oder Twyla Tharp den exakten Ablauf und die Ordnung? Ist die Stille das Ihre oder die anregende Geräuschkulisse durch Musik oder einen laufenden Fernseher? Ist es die Energie des Morgens oder jene des Abends, die Ihnen bei ihrem Projekt hilft?

Was brauchen Sie, um kreativ zu sein? Wie muss Ihr idealer Arbeitsplatz aussehen? Was muss vorher passiert sein? (Aber Vorsicht vor Prokrastination! Müssen die Fenster wirklich geputzt sein, bevor sie mit der Arbeit beginnen können?) Was hilft Ihnen? Die Tasse Tee oder Kaffee, das offene Fenster, die Sicherheit, dass niemand sie stört, ein klärendes Gespräch?

Sie sind der Experte/die Expertin für sich, also hören Sie auf und in sich. Vielleicht kommt Ihnen ja auch bei der Lektüre von Mason Currey der eine oder andere Gedanke.

Literatur:
Mason Currey: „Für mein kreatives Pensum gehe ich unter die Dusche“, Zürich und Berlin: Kein & Aber 2014.

Mittlerweile gibt es einen Folgeband:
Mason Currey/Arno Frank: „Am kreativsten bin ich, wenn ich bügle“, Zürich und Berlin: Kein & Aber 2015.

Seminartipp:
Wenn Sie dieser Beitrag interessiert hat, dann sind Sie auch in unserem Seminar für Kreativitätstechniken „Ideenlos? Ideen, los!“ richtig.

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Von Nestroy zum Touchscreen

marikae_fuerNL_540px_mitc-e1358276858695Sie kennen bei Geräten mit Touchscreen sicher die Funktion, Bilder mit einer kleinen Fingerbewegung größer oder kleiner zu zoomen. Rund 150 Jahre vor der Verbreitung dieser Technologie hatte Nestroy gemeint, zum Glück gäbe es nur zwei Wege: „Entweder sich so hoch erheben, dass einem die Welt kleinwinzig erscheint, oder sich niederlassen in eine tiefe Furche, wo einem jeder Grashalm unserer Umgebung als etwas Großes erscheint.“

Es geht um dasselbe: Der Bildausschnitt bzw. die Perspektive verändert sich. Dieses bewusste Einengen oder Erweitern der Sichtweise ist auch eine bewährte Strategie bei der Suche nach Lösungen.
Vielleicht ist ein Problem zu vielschichtig oder eine Aufgabe zu groß? Dann kann es helfen, sich ein Detail anzusehen oder erst einmal nur einen kleinen ersten Schritt zu machen. Umgekehrt kann die Erweiterung des Blickwinkels Probleme relativieren und damit vielleicht die Dramatik nehmen. Ein größerer Zeithorizont lässt Sorgen oft schrumpfen. Der Blick auf ein übergeordnetes Ziel bringt nicht selten Orientierung zurück.

Lemminge4_540px_mitcDas Hinauf- und Hinunter-Chunken, wie es Vertreter des NLP auch nennen, machen wir unbewusst immer wieder. Gewöhnlich liegt einem eine Perspektive näher, je nachdem, ob man sich lieber pitzelig der Ausarbeitung von Details widmet oder ganz im Gegenteil große Entwürfe liebt und sich auch von Vorhaben, die einen großen Zeitraum umfassen, nicht stressen lässt (und dafür mitunter Details übersieht).

Spannend und hilfreich wird es, wenn man die unterschiedlichen Perspektiven auch bewusst einsetzt. In einen größeren Kontext gesetzt würde das z. B. heißen: Wie werde ich über das Problem in fünf Jahren denken? Oder: Wie sieht es aus der Vogelperspektive aus? Herangezoomt könnte man fragen:  Was kann ich im Detail erkennen? Was ist charakteristisch dafür, wo gibt es Gemeinsamkeiten mit etwas anderem? Kann ich eine konkrete Aufgabe erkennen?

Probieren Sie es aus. Vergrößern oder verkleinern Sie das nächste Mal, wenn Sie irgendwo gedanklich feststecken, ganz bewusst den Ausschnitt und nutzen Sie die veränderte Wahrnehmung zur Suche nach einer Lösung

Seminartipp:
Mehr, viel mehr solche Tipps warten in unserem Kreativitätstechniken-Seminar „Ideenlos? Ideen, los!“ auf Sie.

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Der einsilbige Goethe

mark-twain_kleinFolgen Sie diesen drei Schreibtipps, und Ihre LeserInnen werden es Ihnen danken, zum Beispiel indem Sie Ihren Text zu Ende lesen.

1. Kurze Wörter sind gute Wörter. Sie machen Ihren Text verständlicher und deshalb noch lange nicht unseriös. Goethes Ballade „der Fischer“ besteht zu 76 Prozent aus einsilbigen Wörtern. Klar, damit musste er auf Buchstabenmonster wie Wirksamkeitsprüfstand, Telekommunikationsdienstleistungen oder Komponentenwiederherstellungszeitplan verzichten. Aber das tun Ihre LeserInnen auch gerne. Und übrigens: Es gibt keinen Unterschied zwischen Witterungsbedingungen und Wetter, zwischen Aufgabenstellung und Aufgabe, zwischen Thematik und Thema …

2. Suchen Sie Bewegungen. Es ist viel interessanter zu lesen, wer etwas tut als mit wem etwas geschieht. Legen Sie daher Ihr Augenmerk auf Bewegungen, auf starke Verben und vermeiden Sie den Gebrauch des Passivs, wo es nicht wirklich sinnvoll ist. Es gibt wunderschöne Alternativen zu den langweiligen Wörtern „haben“ und „sein“. Und bevor etwas „geschieht“, „vorgenommen wird“, „sich ereignet“ oder „passiert“, suchen Sie besser nach etwas Konkretem, das weniger einschläfernd wirkt.

3. Schreiben Sie abwechslungsreich. Die deutsche Sprache ist reich an Möglichkeiten. Nutzen Sie ihre Fülle, sei es bei den Satzzeichen, bei rhetorischen Figuren oder beim Gebrauch von Synonymen. Variieren Sie die Satzlänge, spielen Sie mit den LeserInnen, indem Sie Ihnen rhetorische Fragen stellen, wechseln Sie Perspektiven und nutzen Sie sprachliche Bilder (aber nie mehr als eines pro Satz).

Mehr, viel mehr solche Tipps erwarten Sie in unseren Schreibcoachings und Schreibseminaren.

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