Alle Artikel von Roman Kellner

Ein Satz – eine Aussage, ein Absatz – ein Gedanke

Von einer bestechend einfachen Regel, die Struktur und Ordnung in Ihren Text zaubert es geht um Sätze und Absätze.

Es gibt viele Arten von Absätzen. Diese hier sind dekorativ, aber nicht Thema des Blog-Artikels.Dieser Blogbeitrag beginnt mit einem Satz. Er ist, wie auch dieser zweite Satz, recht kurz. Jetzt lesen Sie schon den dritten Satz und Sie fragen sich vielleicht, wohin das alles führen soll. Danke fürs Durchhalten, immerhin schon vier Sätze und fast einen ganzen Absatz lang. Damit haben Sie mit den einzelnen Sätzen auch verschiedene Aussagen gelesen und mit dem ganzen Absatz einen groben Gedanken.

Verwirrt? Das liegt vielleicht daran, dass Sie zwar wie jeder des Schreibens kundige Mensch mit Sätzen und Absätzen arbeiten, sich aber noch nie oder schon sehr lange keine Gedanken mehr darüber gemacht haben. Dabei ist der bewusste Einsatz von Sätzen und Absätzen die einfachste Form, einen Text zu gliedern und damit unsere Leser und Leserinnen zu führen. Eine gute Gliederung gehört zu den wichtigsten Kriterien für einen verständlichen Text. Und Verständlichkeit streben wir hoffentlich alle an, wenn wir nichts zu verbergen haben.

Darauf sollten Sie bei den Sätzen achten

Verständliche Sätze sind kurz bis mittelang. Die Deutsche Presseagentur (dpa) hat einmal für Presseaussendungen 20 Wörter als empfohlene und 30 als erlaubte Obergrenze angegeben. Das ist schon sehr streng, aber lesen Sie den zweiten Satz im zweiten Absatz dieses Textes durch: Er hat 32 Wörter. Und ist er nicht schon deutlich schwerer zu verstehen als der Rest?

Oder Sie halten sich an diese Regel: nämlich nur eine Aussage pro Satz zu transportieren. Damit bleiben Sie klar. Viele Nebensätze und wirre Satzkonstruktionen passieren, weil der Autor oder die Autorin zu viel vor den Punkt packen wollte. Schön, wenn es viel zu sagen gibt, aber hintereinander, bitte!

Und das hilft bei der Wahl der Absätze

Mehrere Sätze oder Aussagen bilden einen Absatz, und der wiederum sollte nur einen Gedanken wiedergeben. Vielleicht ist das Wort Gedanke etwas irreführend, gemeint ist ein kohärenter Abschnitt des Textes. Der erste Absatz dieses Blogbeitrags ist natürlich die Einleitung, sie soll neugierig machen und in diesem Fall ein Beispiel liefern. Der zweite Abschnitt wird konkreter und führt zum Thema Verständlichkeit. Dann kommen zwei Absätze mit konkreten Tipps zu Sätzen und Absätzen. Die Abschnitte folgen logisch aufeinander und bilden für sich gedankliche Einheiten. Wie lange ein Absatz sein darf, ist schwer zu sagen, weil es vom Gesamttext abhängt: Ich würde sagen, 20 Zeilen sind schon recht viel. (Ein umgekehrter Zusammenhang zwischen Satzlänge und Absatzlänge, wie ihn Pizzera & Jaus besingen, besteht übrigens aus rein stilistischer Sicht nicht.)

Probieren Sie es aus:  Ob Sie nun ein Mail verfassen, einen Text für Ihre Homepage oder einen Artikel, setzen Sie die mächtigen Werkzeuge Sätze und Absätze bewusst und bewusst ein. Und das war der letzte Absatz – und damit zugleich der Schluss.

War dieser Beitrag für Sie interessant, wollen Sie mehr Tipps zu gutem Stil bekommen? Dann besuchen Sie doch unser Online-Seminar: Schreiben KOMPAKT!

Content finden: die 5-Perspektiven-Methode

Wer regelmäßig Inhalte sucht, für Social Media, Newsletter oder periodisch erscheinende Medien, kennt das Gefühl, schon alles erzählt zu haben. Mit der 5P-Methode kommen Sie zu vielen neuen Ideen.

Die Deadline für den Newsletter steht bevor und das File ist leer. Ist doch erst vor zwei Wochen ein Newsletter rausgegangen, und so viel ist gar nicht passiert in der Zwischenzeit. Was also soll man schreiben?

Kennen Sie das? Keine Sorge, Sie haben genug zu erzählen, sie müssen Ihr Geschichten-Wissen nur anzapfen und die Perspektive verändern. Dazu haben wir von WORT & WEISE eine Methode entwickelt. Wir nennen sie die 5P-Methode. Das P steht für Perspektive und es geht genau darum: nämlich bei der Suche nach Storys und Content fünf Mal komplett die Perspektive zu verändern.

Nehmen wir uns als Illustration ein überschaubares Beispiel: Wir sind ein Zwei-Personen-Unternehmen, das ein kleines Café betreibt. Natürlich ist es wichtig, eine Stammkundschaft aufzubauen und diese entsprechend an uns zu binden. Ein Teil dieser Kundenbindung ist die schriftliche Kommunikation über unsere Social-Media-Kanäle und vielleicht ein Newsletter. Wie helfen uns nun die 5 Perspektiven, Inhalte zu finden?

1. People – Menschen

Wo Menschen sind, warten Geschichten darauf, erzählt zu werden. Wir müssen sie freilich fragen und erzählen lassen. Diese Menschen können wir, die Kaffeehausbetreiber sein, aber auch Kunden und Kundinnen, Lieferantinnen und Helfer, Passanten und Anrainerinnen – reichlich Content für Bilder und Texte. Idealerweise variiere ich in der Form, wie ich die Menschen zu Wort kommen lasse: Mal reicht ein Zitat, mal bringe ich ein kleines Interview und vielleicht passt auch einmal ein Porträt.

2. Places – Orte

Ja, werden Sie als erstes denken, klar, das Kaffeehaus. Aber verändern Sie die Perspektive, es gibt nicht nur DAS Kaffeehaus, es gibt Ecken und Winkel, verschiedene Räume und Einrichtungsgegenstände, es gibt einen Bereich vor dem Café und einen dahinter. Vielleicht warten aber auch Geschichten an ganz andren Orten, etwa dort, wo unser besonderer Bio-Kaffee herkommt, wo wir unsere Torten bestellen oder dieses tolle Geschirr mit den lustigen Motiven besorgt haben.
Stellen Sie sich vor, wir betrachten unser Kaffeehaus durch eine Kamera mit verschiedenen Objektiven, mal von der Nähe, mal von der Ferne, mal mit Weitwinkel, mal ganz nah.

3. Phases – Zeit und Zeiträume

Die Gegenwart ist ein unendlich kurzer Augenblick, deshalb hat jede Geschichte eine zeitliche Perspektive. Die Dimension Zeit hilft, Geschichten zu erzählen, indem sie Veränderungen aufzeigt und Vergleiche zieht. Was hat sich seit unserer Gründung vor drei Jahren verändert? Gibt es etwas, was sich verändern wird? Was kann ich über unser Café erzählen, wenn ich es über ein Jahr betrachte mit seinen Monaten und Jahreszeiten? Oder über eine Woche? Über einen Tag? Content en masse!

4. Products – Produkte

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihr Produkt ist? Wenn Sie Bohrmaschinen herstellen, ist das vielleicht nicht schwer zu beantworten, aber selbst da lautet die Antwort vielleicht nicht nur Bohrmaschinen. Beim Kaffeehaus ist es noch einmal schwieriger: Guter Kaffee? Erholung? Ein Raum zum Ausspannen? Ein anregendes Ambiente? Ein Eck zum Plaudern und Zeitunglesen?  Sehen Sie, überall warten Geschichten. Sammeln Sie die verschiedenen Aspekte, verändern Sie die Perspektive auf Ihre Produkte und erzählen Sie davon!

5. Process – Prozesse

Die fünfte Perspektive ist eine Aufforderung, noch einmal alle bisherigen Perspektiven und Ideen miteinander zu verknüpfen – als Prozess. Wenn man verschiedene Aspekte miteinander verknüpft, entsteht neuer Content!
Nehmen Sie etwa das Zeitunglesen auf der einen Seite und eine längere Perspektive auf der anderen Seite her, dann können Sie zum Beispiel von der österreichischen Tradition der Kaffeehausliteratur erzählen oder sie stellen einen alten Zeitungsständer vor. Wenn Sie einen Lieferanten (People)  mit Ihrem kleinen Lager  (Places) im Hintergrund verbinden, dann widmen Sie doch einen Beitrag einem Danke an den immer pünktlichen und freundlichen Mann, der regelmäßig zu Ihnen kommt. Und vielleicht zitieren Sie die Kundin (People), die sich nun schon drei Mal  (Phases) Ihren Nussstrudel gelobt hat. Natürlich nur mit ihrer Zustimmung.

Da draußen warten unendlich viele Geschichten darauf, erzählt zu werden. Wir übersehen sie gerne, weil wir einen Tunnelblick entwickelt haben und viel zu wenige Fragen stellen. Content gibt es also genug, man muss ihn nur finden – zum Beispiel mit dieser Methode.

Mit Klick auf dieses Bild kommen Sie zu unserem Youtube-Video, in dem wir die Methode Content finden mit den5P erklären.
Content finden mit 5P auf Youtube

3 Tipps für lebendige Verben

Aktive und aussagekräftige Zeitwörter beleben jeden Text. Sie sind die Herzen der Sätze. Hier die drei wichtigsten Tipps, wie Sie den Verben zu ihrem verdienten Platz verhelfen.

Das Verb ist das Herzstück des Satzes., es muss schlagen, pochen und pulsieren.Wären Sätze Organismen, dann entsprächen die Verben den Herzen. Sie müssen schlagen, pochen, wummern, schmerzen und hüpfen – aktiv und lebendig. Keinesfalls sollte man sie einfach nur „haben“, sie sollten nicht „als Pumpe fungieren“ und ganz bestimmt sollten sie nicht passiv „angetrieben werden“.

Beachten Sie diese drei Tipps und hauchen Sie einem blutleeren Text wieder Leben ein:

  1. Schreiben Sie aktiv

Ein Journalist schreibt eine Reportage ist aktiv. Die Reportage wird von einem Journalisten geschrieben oder gar nur Die Reportage wird geschrieben ist passiv.
Ein anderes Wort für das Verb ist „Tunwort“, jemand tut also etwas. Wenn hingegen etwas getan wird, liegt der Fokus auf dem, mit dem etwas geschieht. Das kann sinnvoll sein, wenn es um ein Opfer geht, oder wenn wirklich, wirklich nicht klar ist, wer etwas tut. Meist allerdings greifen wir zum Passiv, weil wir unsicher sind oder zu faul, um konkret zu sein. Und so ersticken da draußen in Mails und Artikeln, in Newsletter und auf Homepages passive Wortungetüme die knappen, schönen Formulierungen wie Efeu eine Rosenhecke.

Passiv ist nichtssagend, uninspiriert und lückenhaft, weil unklar bleibt, wer etwas tut. Wir Lesende wollen erfahren, wer etwas tut, wo sich etwas bewegt und was passiert. Also: Hände weg von werden, es sei denn, es geht um die Zukunft.

  1. Vermeiden Sie Nominalstil

Klaus antwortet Lisa ist Verbalstil. Klaus gibt Lisa eine Antwort Nominalstil, weil ein Nomen, also ein Hauptwort, ins Spiel kommt und dem Verb die Show stiehlt. Aus antworten wurde geben. Texte im Nominalstil sind in der Regel schwerer zu verstehen, sie klingen abgehoben und distanziert. Der Kaiser erteilt die Erlaubnis oder eine Zustimmung, wir aber sollten – wollen wir auf Augenhöhe und verständlich kommunizieren – etwas erlauben und zustimmen. Erstaunt Sie das? Oder versetzt Sie das in Erstaunen?

  1. Nutzen Sie Ihren Sprachschatz

Wir können etwas sagen und manchmal ist dieses neutralste Verb der Kommunikation auch passend. Will ich allerdings Farbe in meinen Text bringen, Bilder zum Leben erwecken und meine Leserschaft unterhalten, dann greife ich auf eine passende Alternative zurück, etwa meinen, unterstreichen oder bestätigen. Zu den hunderten Synonymen für sagen gehören genauso flüstern und schreien, zustimmen und negieren, abschließen und eröffnen, referieren und erläutern. Natürlich passt nicht jedes dieser Wörter für jede Situation, aber genau darum geht es: das richtige zu finden und die gewünschte Aussage damit noch besser zu treffen. Mit nur einem Wort!

Beachten Sie diese drei Tipps und ihr Text wird aufleben. Und nein, das gilt nicht nur in der Literatur, auch in Gebrauchstexten wie Mails oder Jahresberichten sollten die Verben die Herzen der Sätze sein. Und ein Herz muss schlagen. Hört das Herz auf sich zu bewegen, ist der Satz tot.

War dieser Beitrag für Sie interessant, wollen Sie mehr Tipps zu gutem Stil bekommen, klicken Sie doch einmal auf unser Online-Seminar: Schreiben KOMPAKT.

Was ist ein Hauptsatz, was ist ein Nebensatz?

Wie man Haupt- und Nebensatz unterscheidet – kurz erklärt.

Der Hauptsatz endet, wo der Nebensatz beginnt. Ein Komma trennt sie.

Es gibt Fragen, die stellt man nicht.
Warum? Weil eine Stimme im Hinterkopf sagt: Damit blamierst du dich! Das müsstest du längst wissen!
Die Frage, was einen Hauptsatz und was einen Nebensatz ausmacht, ist so eine.
Dabei wäre es so praktisch, es zu wissen, wenn man sich etwa mit Kommaregeln beschäftigt oder beschäftigen muss. Schließlich heißt es doch so oft: Das Komma trennt Haupt- und Nebensatz voneinander.
Ups! Und was ist jetzt …?

Deshalb hier kurz und knapp, ein für allemal der Unterschied zwischen Hauptsatz und Nebensatz.

 

Hauptsatz

  • Harry fliegt auf einem Besen.
  • Fliegt Harry auf einem Besen?
  • Flieg schneller, Harry, und fang den Schnatz!
Das macht alle drei Sätze oben zu Hauptsätzen:
  1. Die Bedeutung ist ohne eine weitere Ergänzung erkennbar, der Satz kann alleinstehen. Man braucht also keine Erklärung oder auch Frage davor, um den ganzen Inhalt zu verstehen. Und:
  2. Das Prädikat steht an erster oder zweiter Stelle.
    (Okay, und was ist jetzt ein Prädikat? Das ist das Zeitwort, das sich in Person, Zahl, Zeit verändern lässt und die Hauptaussage des Satzes trägt, also bezeichnet, wer etwas tut. In unserem Beispiel ist das „fliegt“.)

Ich persönlich finde ja, dass das die zweite die klarere der beiden Regeln ist. Denn sobald ein Hauptsatz und ein Nebensatz zusammen ein so genanntes Satzgefüge bilden, ist auf den ersten Blick manchmal gar nicht so klar, wer von den beiden da jetzt ohne weitere Erklärung Sinn ergibt. Halten Sie sich also im Zweifelsfall daran, an welcher Stelle im Satz das Prädikat zu finden ist.

Probieren wir es aus:

Nebensatz

  • Madame Hooch sieht, dass Harry auf einem Besen fliegt.

Madame Hooch ist das Subjekt, sieht ist das Prädikat, es steht an zweiter Stelle. Deshalb ist das der Hauptsatz.
Nach dem Komma steht nun noch etwas, nämlich „dass Harry auf einem Besen fliegt“. Das Prädikat („fliegt“) befindet sich am Ende. Das ist der Gliedsatz oder Nebensatz. Bei einem Nebensatz steht also das Prädikat an letzter Stelle.

Übrigens: Auch wenn wir den Nebensatz vor den Hauptsatz stellen, ist das so.

  • Weil er Draco verfolgt, fliegt Harry auf einem Besen.

Verfolgt steht an letzter Stelle –> Nebensatz.
Fliegt steht an erster Stelle –> Hauptsatz.

Und wenn wir ganz sicher sein wollen, schauen wir genauer hin.

Die Charakteristika eines Nebensatzes sind:
  • Das Prädikat steht an letzter Stelle.
  • Er kann nicht alleinstehen, ohne dass er eingeleitet bzw. ergänzt wird (es fehlt etwas Sinnhaftes). Er heißt auch Gliedsatz, weil er an einen anderen Satz angegliedert ist, in unserem Fall hängt er sich an den Hauptsatz „fliegt Harry auf einem Besen“ an.
  • Es gibt ein Wort, das den Satz einleitet, z. B. ein Bindewort (dass, weil, während …), ein Fragewort (warum, wer …) oder ein Relativpronomen (der, die, welches …)

Wenn jetzt noch Fragen offen sind (das ist der Nebensatz), freuen wir uns darüber in den Kommentaren (das ist der Hauptsatz). 😉

Wer skeptisch ist oder einfach mehr wissen will: Auf zum Duden, und zwar zur genauen Erklärung von Haupt- und Nebensatz:

Viel mehr Antworten auf Fragen zum Thema Rechtschreibung  gibt es im Webinar Rechtschreibung KOMPAKT und Wissenswertes rund ums Schreiben in unseren Spezial-Seminaren und Webinaren zum Thema schriftliche Kommunikation. 
Gern begrüßen wir Sie jederzeit für ein Einzelcoaching  in unserem Wiener Büro im 2. Bezirk. Vereinbaren Sie einfach per Mail einen Termin.

 

Story auf engem Raum

Fragen, die uns gerne gestellt werden: Wie viel Platz brauche ich, um eine Story zu erzählen? Wie soll ich auf Sozialen Medien eine ganze Geschichte unterbringen? Was braucht eine Story mindestens?

Ja, es ist möglich, in einem Bild eine Story zu erzählen, wenn die wichtigsten Element des Storytellings vorkommen. Sehen wir uns dazu ein Bild an. Ich habe ein Plakat gewählt, das die Stadt Wien entlang großer Baustellen aufstellt. Es ist Teil einer ganzen Reihe, die Bürgersorgen auffangen sollen. Hier geht es um den Baustellen-Lärm.

Was sehen wir?

Zwei Protagonist*innen, vermutlich Vater und Tochter, wir erfahren also auch etwas über ihre Beziehung. Der Ort: am Rande einer Bausstelle. Die beiden handeln, indem sie einen kurzen Dialog führen. Der Vater zeigt Emotion, er ist von dem Baulärm offensichtlich genervt und fragt: „Hat der Baustellenlärm nie a End?“ Das gut gelaunte Mädchen an seiner Seite kontert: „Sicher – und dann musst du mit mir zum neuen Spielplatz!“

Die beiden bringen somit zwei Zeitperspektiven ins Spiel: das Jetzt, da gearbeitet wird, und die Zukunft, wenn alles fertig ist, wenn also eine Transformation stattgefunden hat. Die Kernbotschaft, unverzichtbar für jede Story: Hier wird auch etwas für dich gebaut. Damit schafft sie einen neuen Rahmen (Frame) oder eine neue Blickrichtung.

Zielgruppe dort abholen, wo sie ist

Was hier auch gut gelungen ist: Die Kampagne stülpt nicht einfach eine neue Perspektive über den Ärger, sondern sie holt zunächst die Emotionen und damit die Zielgruppe dort ab, wo sie ist: Ja, der Lärm ist lästig, aber er ist irgendwann vorbei und dann haben wir etwas für dich gebaut.

Wir sehen, man kann also auch mit wenig Platz, ja sogar auf nur einem einzelnen Bild, eine relativ komplexe Geschichte erzählen, wenn die wichtigsten Elemente des Storytellings vorkommen:

  • Ein/e Protagonist/in oder Held/in,
  • der oder die ein wenig ausgestattet wird und handelt,
  • ein Ort,
  • irgendeine Art der Änderung, eine Überwindung einer Schwierigkeit,
  • eine Kernbotschaft.

Voilà, eine Geschichte – oder zumindest der Ansatz einer solchen. Natürlich ist das noch keine Heldenreise mit 12 Stationen oder das Skript für einen eineinhalbstündigen Film. Aber dafür ist oft auch kein Platz.

Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, besuchen Sie doch unser Webinar Storytelling KOMPAKT oder suchen Sie sich eines unserer anderen Angebote rund um Storytelling aus.

Bedürfnisse: Schuld sind immer die anderen.

Ein Plädoyer, in Zeiten der Pandemie mehr auf die verschiedenen Bedürfnisse zu hören und aufs vorschnelle Schubladisieren zu verzichten.

„Die Nachbarn haben unlängst Party gefeiert, das waren sicher zehn Leute und laut waren die! So etwas macht man doch in diesen Zeiten nicht! – Was, welche Vernissage? Ach, ja, letzte Woche. Na gut, ja, da waren auch viele, aber das ist Kultur, das muss doch sein dürfen. Und da gab es auch ein tolles Sicherheitskonzept.“

„Eine Bekannte war gerade in Kroatien, also wirklich, ist ja klar, dass die Zahlen jetzt wieder raufgehen. – Was? Das ist doch mit dem Trip nach Salzburg nicht vergleichbar! Das ist doch etwas ganz anderes, das waren doch nur zwei Tage.“

Der Ton wird gereizter, überall. Finger werden zunehmend nicht nur erhoben, sondern auf andere gerichtet – auf die, die das tun, was wir uns versagen, vor allem aber auf die, die etwas tun, was wir für unnötig erachten.

Statt mimt dem Finger auf andere zeigen, lieber deren Bedürfnisse hören.Verschiedene Bedürfnisse

Was gern übersehen wird: Wir haben verschiedene Bedürfnisse, weshalb wir ganz unterschiedlich unter den jeweiligen Maßnahmen leiden, verschieden darauf reagieren und unsere Handlungsspielräume variabel deuten.

Wer mit einer intakten Familie ein Haus mit Garten bewohnt, erlebt ein (partielles) Kontaktverbot anders als der Single in einer kleinen Stadtwohnung. Wer Brille trägt, viel schwitzt und dauernd unter fremden Menschen unterwegs ist, leidet unter der allgegenwärtigen Maske vor Mund und Nase stärker als jemand, der all diese körperlichen Nachteile nicht kennt oder die Maske nur auf dem kurzen Weg zur Arbeit aufsetzen muss.

Jede/r verteidigt das, was ihm oder ihr lieb ist. Es ist leicht, auf jene zu zeigen, die auf Partys gehen, wenn man selbst so etwas nicht (mehr) macht oder braucht. Es ist leicht, Kroatien-Urlauber zu verurteilen, wenn man selber Stammgast am Millstätter See ist, und es ist leicht, auf jene zu schimpfen, die nur schwer ihre Yoga-Stunde oder ihre Chorprobe aufgeben, wenn man selbst die Erfüllung im wohl noch länger erlaubten Lesen oder Computer-Spielen findet.

Ja, manche Maßnahmen müssen sein und je weniger Menschen die Maßnahmen einhalten, desto schlechter werden sie wirken. Gerade deshalb sollten sie von einer breiten Masse getragen werden – und für eine breite Masse tragbar sein. Was aber erträglich ist, hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab. Wer wirtschaftlich vor dem Ruin steht, weil er/sie eine 140 Quadratmeter große Halle angemietet hat, um dort z. B. die vielzitierten Yoga-Kurse zu halten, jetzt aber trotzdem nur mit sechs Personen arbeiten darf, was nicht einmal die Mietkosten deckt, wird vielleicht weniger Verständnis für den Inhalt der Verordnung haben als jemand mit fixem Arbeitsplatz. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Und wer etwa in einer Bildungsinstitution mit jungen Menschen arbeitet, ständig mit ihnen Kontakt hat und sich daher dauerhaft der Gefahr einer Ansteckung aussetzt, wird wenig Verständnis für jene haben, die nicht bereit sind, sich für zehn Minuten eine Maske überzuziehen. Deshalb muss diese Person noch keiner Pandemie-Panik verfallen sein.

Schluss mit dem Fingerzeig!

Wir wissen meist nicht, warum andere so denken und handeln, wie sie es tun. Und doch urteilen wir schnell. „Ein Feind ist jemand, dessen Geschichte wir noch nicht gehört haben“, meinte die Friedensaktivistin Gene Knudsen Hoffmann.

Es existiert nicht nur Schwarz und Weiß und ganz sicher passen sehr viele Schattierungen zwischen „Corona-Leugner“ und „Corona-Hysteriker“. Besser, wir hören einander zu als wir stellen uns gegenseitig ins Eck und verunmöglichen damit jeden Diskurs. Fragen wir nach, was dem Gegenüber wichtig ist, anstatt  die Moralkeule zu schwingen. Besser wir gehen davon aus, dass auch jene, die unsere Meinung nicht teilen, legitime Bedürfnisse haben.

Leute, redet miteinander!
Hört einander zu!
Und hört auf, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen!

Roman Kellner und Elisabeth Gräf

Systemisches Konsensieren: Widerstände aufzeigen

Systemisches Konsensieren (SK) ist eine Bewertungsart, bei der alle Beteiligten wirklich gehört werden – und ein wichtiges Werkzeug im Methodenkoffer von ModeratorInnen.

Für Systemisches Konsensieren braucht es nicht unbedingt eigenes Material - es funktioniert auch mit Handzeichen.

Was haben die Fußball-WM, der Song-Contest und die Präsidentschaftswahlen gemeinsam? Genau, es gibt am Ende bei allen dreien einen Gewinner oder eine Gewinnerin. Die Wege allerdings, wie der erste Platz jeweils ermittelt wird, könnten unterschiedlicher kaum sein. Tatsächlich kennen wir noch viel mehr Möglichkeiten zu ermitteln, wer gesiegt hat. Sie haben alle ihre Vor- und Nachteile.

Gruppen oder Teams, die zwischen mehreren Möglichkeiten wählen können, tun das meist mittels Mehrheitsentscheidung. Das geht schnell und ist unkompliziert, kann aber bedeuten, dass bis zu 49 Prozent komplett unter die Räder kommen und etwas mittragen müssen, was für sie gar nicht passt. Was werden sie tun? Wenn es wirklich wichtig ist, wenn ihre Widerstände allzu groß sind, werden sie nicht nur die Entscheidung, sondern das ganze System bekämpfen.

Widerstände abfragen

Wie wäre es nun, wenn ein Bewertungssystem stattdessen die Lösung mit den geringsten Widerstände und Konflikte fände? Mit dem Prinzip des Systemischen Konsensierens, das die beiden Grazer Erich Visotschnig und Siegfried Schrotta ab den 1970er-Jahren entwickelt haben, ist genau das möglich.

Die Methode funktioniert nicht nach dem Minderheiten ausschließenden Mehrheitsprinzip und fragt nicht nach den Favoriten, sondern nach Widerständen. Die so gefundenen Lösungen sind somit nachhaltiger und tragfähiger.

Wie funktioniert nun diese Wunder-Methode?

Eine Gruppe sucht eine Lösung für ein Problem oder muss eine Entscheidung für einen Kandidaten aus mehreren Bewerbungen treffen. Der/die Moderierende sammelt verschiedene Vorschläge und listet sie auf, idealerweise mindestens drei. Dazu kommt die sogenannte Passivlösung (PL). Das ist jene Variante, bei der der Status quo erhalten bleibt, es passiert also nichts oder so, wie es immer geschehen ist, z. B. entscheidet eine andere zuständige Instanz.

Erhobene Hände signalisieren Widerstände

Nun werden Idee für Idee oder Kandidatin für Kandidat die Widerstände abgefragt, auch für die Passivlösung. Beim vereinfachten Konsensieren via Handzeichen gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Beide Hände am Schoss (oder über der Brust gekreuzt) bedeutet kein Widerstand,
  2. eine erhobene Hand etwas Widerstand,
  3. beide erhobenen Hände großen Widerstand.

Der/die Moderator/in zählt alle Hände zusammen und errechnet den Gesamtwiderstand. Jene Idee oder jene/r Kandidat/in mit dem geringsten Widerstand hat zugleich die höchste Akzeptanz. Wichtig: Sie muss niedriger sein als die Passivlösung, weil ja sonst der Status quo besser wäre.

Kommt es zu Gleichstand oder beinhaltet die Siegeridee auch vereinzelt hohen Widerstand, empfiehlt sich eine Diskussionsrunde, bei der Lösungen gefunden werden, um die Ideen zu verbessern und so den Widerstand zu senken. Danach kann man noch einmal die Widerstände abfragen. Der Vorteil dieser Methode ist nämlich auch, dass Ideenbringer/innen alles versuchen werden, ihre Ideen anzupassen, das führt eher zu einem Interessensausgleich als zu einem Überstimmen.

Neben dieser Kurzvariante arbeiten ausgebildete Moderator/innen auch mit elaborierteren Formen – etwa mit Zählkarten von 1 bis 10 oder einer App.

Ich (Roman Kellner) habe selbst vor einigen Jahren die Ausbildung zum SK-Moderator gemacht und greife seither immer wieder auf diese integrative Methode zurück, sie führt auch bei scheinbar aussichtslosen Gruppenentscheidungen zu akzeptierten Lösungen. Denn, so Siegfried Schrott: „Beim Konsensieren zählt die Qualität des Vorschlags aus der Sicht der ganzen Gruppe. Das SK-Prinzip ist also ein Weg zum größtmöglichen Interessensausgleich und gelebter Solidarität.“

Literaturauswahl:

Paulus, Georg/Schrotta, Siegfried/Visotschnig, Erich: Systemisches Konsensieren. Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg, Holzkirchen 2013.

Visotschnig, Erich: Nicht über unsere Köpfe. Wie ein neues Wahlsystem unsere Demokratie retten könnte, München 2018.

Mehr Informationen:

http://www.sk-prinzip.eu/

Mehr über solche Methoden und unsere Angebote rund ums Moderieren finden Sie unter Moderation & Präsentation.

Mit Methode zu besserer Verständlichkeit im Text

Klingen Ihre Texte kompliziert und sind schwer zu verstehen? Dann probieren Sie diese einfache Methode, um die Verständlichkeit zu erhöhen.

Für bessere Verständlichkeit mit der Schau-Methode stellen Sie sich einfach ein Kind vor, dem Sie die Inhalte erklären.Vor jedem Textseminar bitten wir in einem Mail alle TeilnehmerInnen, uns ihre größten Schwierigkeiten beim Schreiben zu nennen. Diese Probleme und Anliegen sammeln wir schon vor Beginn des Workshops auf einem Flipchart-Papier.

„Wie verpacke ich komplizierte Inhalte in einen ansprechenden Text?“ steht immer ganz weit oben auf der Liste. Einfach und verständlich schreiben – damit kämpfen manche Berufsgruppen wie Techniker/innen oder Jurist/innen besonders, aber fast jede/r kennt das Problem.

Das ist auch kein Wunder, wir alle sind Experten und Expertinnen in irgendetwas. Dem Soziologen und Bourdieu-Experten sind Fachbegriffe wie „symbolisches Kapital“  vertraut, die IT-Expertin hat vielleicht täglich mit ASCII-Dateien zu tun und der Installateur wundert sich, was man an einem JetFlow-System noch extra erklären muss. Der Experten-Status macht uns mitunter blind für das, was andere wissen. Blöderweise sind die Leser/innen unserer Texte nicht immer Fach-Kollegen und -Kolleginnnen.

Bessere Verständlichkeit heißt nicht, banal oder eintönig zu schreiben

Manchmal schreiben wir auch komplizierter als nötig, weil wir Angst haben, dass Verständlichkeit mit Banalität verwechselt wird oder dass wir nicht ernst genommen werden. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Gerade wer fähig ist, Dinge in eine fachfremde Sprache zu übersetzen, beweist ja, dass er oder sie etwas wirklich versteht. Albert Einstein wird der Spruch zugeordnet: „Wenn du es einem Sechsjährigen nicht erklären kannst, dann hast du es selbst nicht verstanden.“ Ein anderes Genie, Stephen Hawkings, hat ein Kinderbuch geschrieben, war sich also nicht zu blöd, seine Erkenntnisse auf eine sehr einfache Sprache herunterzubrechen.

Lassen wir uns nicht vom Gruppendruck oder eigenen Glaubenssätzen davon abhalten, klare Texte für Leser und Leserinnen zu verfassen. Eine eindeutige Sprache mit Begriffen und Beispielen, die dem Universum der Zielgruppe entstammen, ist nicht banal, sondern fair und kommunikationsorientiert.

Die Schau-Methode für höhere Verständlichkeit

Und wie durchbricht man nun das Gefängnis der eigenen Begrifflichkeiten? Probieren Sie beim nächsten Mal, wenn Sie einen komplexen Inhalt zu Papier oder Computer bringen sollen, Folgendes: Lehnen Sie sich noch einmal zurück, stellen Sie sich eine fachfremde Person vor, am besten ein Kind oder einen alten Menschen, und erklären Sie dieser Person in einfachen Worten, worum es geht. Beginnen Sie mit: „Schau“ – kein herablassendes „Schau“, sondern eines der Bereitschaft, eine Erklärung in passender Sprache zu liefern. Vielleicht beinhaltet die Erklärung Bilder, Metaphern und Beispiele aus einem bekannten Bereich, auf jeden Fall aber spart sie Fachbegriffe aus. Beim geschriebenen Text lassen Sie das „Schau“ natürlich weg. Hier drei Erklärungsanfänge für oben genannte Beispiele:

  • JetFlow-System: (Schau), das Wasser, das von der Heizung zurückfließt, ist ja kälter. Damit im hinteren Bereich des Kessels keine Kaltzone oder Schwitzwasser entsteht, lenkt dieses System das Wasser ganz gezielt …
  • ASCII-Datei: (Schau), jedes Zeichen muss ja bei der Digitalisierung irgendwie codiert sein. ASCII ist ein alter, aber immer noch gängiger Zeichencode, der …
  • Symbolisches Kapital: (Schau), du weißt was ökonomisches Kapital ist? Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat diesen Kapitalbegriff auf andere Bereiche ausgeweitet, etwa kulturelles, soziales und eben symbolisches Kapital. Letzteres verhilft zu gesellschaftlicher Anerkennung …

Probieren Sie es aus – Ihre Leser/innen werden es Ihnen danken.

Mehr, viel mehr solcher Tipps erhalten Sie in unseren Workshops und Beratungen zu schriftlicher Kommunikation.

Kampf gegen Corona – Chance fürs Klima

Der Klimawandel verlangt ein ähnlich konsequentes Handeln, wie wir es beim Kampf gegen das Virus Sars-CoV-2 gerade zeigen. Vielleicht können wir das Momentum nutzen.

Corona und der menschgemachte Klimawandel haben erstaunlich viel gemeinsam:

  • Man sieht die Verursacher nicht mit freiem Aug, weder das neuartige Virus noch Treibhausgase wie CO2 oder Methan.
  • Man kann ohne Hilfsmittel nicht beobachten, wie und wo sie wirken, nämlich in den unteren Atemwegen des menschlichen Körpers und in den oberen Schichten der Erdatmosphäre.
  • In beiden Fällen herrscht unter den Experten und Expertinnen der jeweiligen Fächer weitgehend Einigkeit über die Ursachen, die Folgen und die Möglichkeiten, die schlimmsten Szenarien abzuwenden.
  • Es gibt erst relativ wenige Opfer, die gehören aber zu den schwächsten der Gesellschaft, Alte und Kranke beim Virus, Menschen „an den Rändern der entwickelten Welt“ im Fall des Klimawandels.
  • Wenn die Gesellschaft nicht rigoros handelt und adäquat reagiert, werden die Folgen verheerend sein.

Wo bleibt der Kraftakt?

Und doch fällt ein gewichtiger Unterschied ins Auge: Bei der aktuellen Pandemie handelt die Weltgemeinschaft entschieden und sogar gegen kurzfristige Wirtschaftsinteressen. Beim Klimawandel hingegen hoffen wir bis dato vergeblich auf einen ähnlichen kollektiven Kraftakt.

Das ist erstaunlich, weil die zu erwartenden Opfer bei der Erhitzung der Erdatmosphäre um ein paar Grad noch viel zahlreicher sein werden als im Worst-Case-Szenario von Corona. Wir haben es eben nicht mit einem Krankheitserreger zu tun, gegen den die Menschheit nach einigen heftigen Monaten eine gewisse Immunität und dann vermutlich auch einen Impfstoff entwickeln wird, sondern mit Problemen, die vielen Generationen das Leben auf der Erde zur Hölle macht – und nicht nur Generationen von Menschen. Der Anstieg des Meeresspiegels, die Ausweitung unbewohnbar heißer Zonen, der Verlust an Arten, das sind keine besonders heftige Infekte, das sind existenzielle Probleme, die uns – hier erhält Extinction Rebellion Unterstützung von vielen Wissenschaftlern – am Ende sogar als Art gefährden.

Und dennoch folgen den Forderungen der WHO-Experten Taten, den Warnungen der IPCC-Wissenschaftler aber nur Relativierungen. Und dennoch werden zum Beispiel Einschränkungen der Mobilität als Maßnahme gegen das Virus protestlos akzeptiert, während dieselben Maßnahmen gegen „die massivste Gefahr, der das menschliche Leben auf der Erde je ausgesetzt war“ (David Wallace-Wells) situationsabhängig als radikal, markt- oder lustfeindlich zurückgewiesen werden.

Es fehlt die Betroffenheit

Das Problem sind nicht die paar Spinner, die den anthropogenen Klimawandel an sich leugnen, wenn sie nicht gerade im Oval Office sitzen, sondern die vielen, die den Klimawandel als wissenschaftliches Fakt erkennen und dennoch passiv bleiben. Weil uns der Klimawandel nicht ganz so unmittelbar bedroht, weil uns seine Folgen nicht morgen, sondern vielleicht erst in ein paar Jahren erreichen, weil der Fingerzeig auf die anderen das Gewissen so schön beruhigt. Aber trotz fehlender persönlicher Betroffenheit und trotz der fehlenden Angst, sich morgen anzustecken oder wichtige Menschen zu verlieren, müssen wir jetzt handeln, müssen zum Beispiel den Umstieg auf erneuerbare Energieträger schaffen, viel weniger tierische Produkte konsumieren, unser Mobilitätsverhalten ändern und generell mit weniger Zeug auskommen.

Hierzulande ist dieser Tage viel vom „Team Österreich“ die Rede, von „Solidarität“ und von „Zusammenhalt“. Das brauchen wir auch beim Umstieg in eine CO2-neutrale Gesellschaft. Im Grunde müssen wir nur Innenminister Karl Nehammer beim Wort nehmen, der unlängst in einer Pressekonferenz meinte: „Der Maßstab unseres Handelns sind immer die Empfehlungen der Experten.“ Das gilt für den Kampf gegen Corona, aber bitte auch für den Kampf gegen den Klimawandel. Das wir es können, zeigen wir gerade.

 

Schluss mit dem Redefluss – Dauerredner stoppen

Dauerredner/innen gehören zu den häufigsten Störungen in einer Veranstaltung. Was kann man als Moderator/in tun? Wie stoppt man sie? Und wie macht man es, ohne unhöflich zu wirken?

Vor einigen Jahren hielten wir ein Moderationsseminar für Zweigstellen-Leiter/innen einer großen Bildungsinstitution. Einer davon stand kurz vor seiner Pensionierung – und fiel uns gleich zu Beginn auf, weil er, kaum hatte er das Wort ergriffen, nicht mehr zu stoppen war. In der Pause meinten die anderen Teilnehmenden, uns trösten zu müssen: „Der ist immer so.“ „Der hört nie auf.“ „Der ist schwierig, den könnt ihr nicht einbremsen.“

Challenge accepted!
In der Pause dachten wir darüber nach, was die Gründe für den anhaltenden Redeschwall sein könnten, und legten uns ein paar Strategien zurecht, um den Dauerredner zu stoppen. Und siehe da, es gelang. Er zeigte sich von da an den ganzen Tag über von seiner konstruktivsten Seite.

Wie hatten wir das hinbekommen?

Rollenklarheit

Wer moderiert, muss wissen, was seine Rolle und seine Aufgaben sind. Moderatoren/Moderatorinnen sorgen für Klarheit für alle, sie strukturieren die Kommunikation im Sinne des Ziels. Diesem und allen Teilnehmenden sind sie gleichermaßen verbunden – das schließt einen Dauerredner mit ein, heißt aber auch, dass man ihn unter Hinweis auf das gemeinsame Ziel und die begrenzte Zeit unterbrechen darf. Wer das weiß und es eventuell vorher schon, z. B. als Grundregel für das gemeinsame Arbeiten, ausgesprochen hat, kann leichter eingreifen.

Was braucht der Dauerredner, was braucht die Gruppe?

Dauerredner/innen finden nicht aus Bosheit kein Ende. Vielleicht sind sie frustriert oder verärgert, sehen den Sinn einer Maßnahme nicht, haben Angst vor Veränderung oder das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden.

Uns vor Augen zu führen, dass hinter jeder Störung eine Ursache mit einem spezifischen Bedürfnis liegt, hilft uns beim Moderieren. Andererseits gibt es uns Sicherheit zu wissen, dass wir im Sinne der Gruppe aktiv werden (müssen), weil wir allen gleichermaßen verpflichtet sind. Wenn Sie beim Moderieren in diese Situation kommen, müssen Sie also handeln.

Unterbrechen und anknüpfen

Erst einmal müssen Sie zu Wort kommen. Dazu können Sie z. B. auf eine Atempause warten (und sei sie noch so kurz) und dann beherzt übernehmen. „An dieser Stelle muss ich Sie leider unterbrechen, weil …“, „Vielen Dank, Herr X, das ist spannend und detailliert, sprengt aber unseren Rahmen.“ Es hilft, wenn Sie dazu aufstehen oder zumindest eine klare Geste setzen.

Sie müssen unterbrechen wollen. Und im Sinne des Prozesses dürfen Sie das auch! Viele Moderierende glauben, dass sie unhöflich sind, wenn sie unterbrechen. Wer das für die anderen – höflich und bestimmt – tut, macht es aber richtig.

Wenn Sie am Wort sind, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Auf das Ziel verweisen und wieder zum Thema zurückführen.
  • Paraphrasieren: Fassen Sie zusammen, was Sie gehört haben. „Ich habe jetzt gehört, dass Ihnen … wichtig ist/dass die wichtigste Maßnahme YZ wäre …“ „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie finden, Z wäre eine gute Lösung?“ Wenn die Person korrigieren möchte, was Sie zusammengefasst haben, stellen Sie möglichst konkrete Fragen, oft sind W-Fragen hilfreich (Was genau war da anders? Wo könnte man das einsetzen?).
  • Stellen Sie Fragen und achten Sie darauf, dass sie klar und eingegrenzt sind. „Wenn Sie jetzt auf das gemeinsame Ziel schauen, könnten Sie Ihre Empfehlung in einem Wort/einem Satz zusammenfassen?“ „Ich schreibe die Inputs jetzt auf das Flipchart – was schreibe ich auf?“ „Hier sind wir schon sehr detailliert unterwegs – können Sie das Wesentliche in einen einzigen Satz packen?“
  • Versuchen Sie, das ungestillte Bedürfnis der Person hinter der Dauerrede herauszuhören. Das bedeutet: Vielleicht ist hinter dem Redeschwall eine andere Melodie zu hören – eine traurige vielleicht, eine enttäuschte, eine wütende. Vielleicht bringen Sie diese Melodie, indem sie sie aufgreifen, sogar mit gemeinsamen Zielen in Einklang.

In jedem Fall: Geben Sie der Person das Gefühl, gehört worden zu sein. Meist haben Menschen die Strategie des Dauerredens entwickelt, weil sie Wertschätzung, z. B. für vergangene Leistungen, oder Sinn, z. B. einer Maßnahme, vermissen.

Um zu unserem Beispiel zurückzukehren:
Der Mann stand kurz vor seiner Pension. Er schaute auf eine Institution, die einst florierte und der nun Förderungen und damit Standorte gestrichen wurden. Das kam uns in der Pause in den Sinn – und wir konnten mitfühlen, dass das nicht leicht für ihn war. Deshalb wiesen wir nachher vor allen darauf hin, dass wir hier eine Person mit dabeihätten, von deren jahrzehntelanger Erfahrung alle in der Gruppe profitieren könnten. Wir forderten ihn auf, den Jungen möglichst klar alles Wichtige für die Weiterführung der Institution mitzugeben – aufgrund seiner Erfahrung; und wir baten ihn zu einigen Themen um ganz konkrete Inputs.

Es funktionierte – und am Ende waren alle glücklich: die Moderierenden, die anderen Teilnehmenden – und der Dauerredner selbst.

Viel mehr solche Tipps erhalten Sie in unseren Seminaren zu  Moderation und Präsentation.

Ein Mail – zwei Ebenen

So kurz ein Mail auch sein mag, es ist immer Platz für zwei Ebenen: eine sachlich-inhaltliche und eine persönliche.

Sandwichmethode: Beziehungsebene – Sachebene – Beziehungsebene. (Funktioniert genauso mit Burger.)Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit einer Person Ihrer Wahl im Kaffeehaus und unterhalten sich. Sie sehen den Menschen, sie hören ihn, sie spüren seine Präsenz, ja, sie nehmen die Person auch – jenseits des Bewussten – geruchlich wahr. Kurz: Sie „lesen“ die Person mit fast allen Ihren Sinnen.

Am nächsten Tag finden Sie von dieser Person ein Mail in Ihrem Eingangsordner. Diesmal bleiben Ihnen nur die Augen, um die Botschaft zu lesen. Und doch werden Sie sich diesen Menschen vorstellen, ihn sprechen hören und vielleicht auch sonst sinnlich wahrnehmen. Die übrigen Sinne helfen Ihren Augen, ein vollständiges Bild zu erzeugen.

Das tun wir auch, wenn wir Mails von Menschen erhalten, die wir nicht kennen. Der Herr Doppeldoktor, der sich mit vorzüglicher Hochachtung verabschiedet, lässt ein anderes Bild entstehen als Claudia, die sofort per Du ist und mit „herzlichst“ ihr Mail beendet.

Es geht nicht nur ums Sachliche

Mails sind ein Kanal, der im Grunde nur einen Sinn bedient, und doch füllen wir die fehlenden Informationen auf. Wir können gar nicht anders. Wenn wir das schon wissen, dann sollten wir das Bild, das auf der anderen Seite entsteht, nicht dem Zufall überlassen. Überlegen Sie zum Beispiel bewusst, welche Begrüßung und Verabschiedung Sie wählen. Sie sollte zu Ihnen und zu der Beziehung zwischen Ihnen und dem/der Mail-Empfänger/in passen.
Und es ist, bei aller gebotenen Kürze der Textsorte Mail, nie verkehrt, vor dem eigentlichen Sachthema einen Satz auf Beziehungsebene einzustreuen – ein „Danke“ für ein Mail oder eine Information, eine Entschuldigung für eine entstandene Unannehmlichkeit, ein Wunsch nach Genesung oder ein schönes Wochenende.

Die einfache Formel für ein Mail lautet: Beziehungsebene – Sachebene – Beziehungsebene. Natürlich werden diese drei Teile nicht gleich lang sein. Erst recht gilt diese „Sandwichmethode“ für eine unangenehme Nachricht. Schlechte Neuigkeiten sind leichter verdaubar, wenn sie in etwas Nettes oder Persönliches eingebettet werden. Fallen Sie also nicht mit der Tür ins Mail-Haus, sondern klopfen Sie vorher an, grüßen Sie und puffern Sie eine Absage oder eine andere negative Nachricht entsprechend. Es geht eben, wie bei jeder anderen Interaktion zwischen Menschen, nicht nur um das, was man sagt, sondern auch darum, wie man etwas sagt.

Wenn Sie die Textsorte Mail interessiert oder Sie noch Fragen dazu haben, dann ist vielleicht unser Seminar „Mühelos Mailen“ etwas für Sie.

Lesen Sie doch noch andere Blogbeiträge zum Thema Mails, zum Beispiel “Sehr geehrter Untergebener”, “Kleiner E-Mail-Knigge” oder “Kleiner E-Mail-Knigge II”.

 

„Sehr geehrter Untergebener …“

Im Stil einer Mail zeigt sich immer auch das Verhältnis zwischen Sender/in und Empfänger/in. Wenn wir Menschen auf Augenhöhe begegnen wollen, sollten wir uns auch so ausdrücken – gerade in der Kundenkorrespondenz.

„Wir legen zugrunde, dass Sie nach unserer bis dato mehr als kulanten Vorgangsweise nunmehr gleichwohl Ihren Part der gegenständlichen Angelegenheit ohne unnötige Weiterungen erledigen und zeichnen in Erwartung Ihrer unverzüglichen Kontaktaufnahme mit vorzüglicher Hochachtung …“

So endet eine Mail, die mir unlängst zwischen die Finger geraten ist. Kurzes Ratespiel:

  1. Wer, glauben Sie, ist der Verfasser dieses Schreibens?
    Ist es ein Unternehmen, das eine Kundenbeziehung aufbauen oder halten möchte oder ist es vielleicht eine Rechtsanwaltskanzlei, die einen Konfliktpartner anschreibt?
  2. Welches Ziel hatte wohl die schreibende Person, als sie den Text verfasst hat?
    Möchte sie Nähe und Verbindung zu Adressaten/zur Adressatin herstellen und Verständnis erzeugen oder ist das Ziel vielmehr, Distanz zu halten, die Zähne zu zeigen und das Gegenüber so zum Handeln zu zwingen?

Was lernen wir daraus? Die Art, wie ein Text verfasst ist, lässt Rückschlüsse auf sein Ziel zu. Leider ist das nicht allen Menschen immer bewusst. Sie schreiben auch in der alltäglichen Kundenkorrespondenz Mails mit amtlichen und distanzierten Floskeln, weil sie das vielleicht irgendwann einmal so gelernt oder als „korrekten Schriftverkehrsstil“ in sich abgespeichert haben.

Der Kunde als Gegner?

Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren nicht nur die Textsorte Mail, sondern auch die Gesellschaft gewandelt. Der Stil im Schriftverkehr orientierte sich lange am Stil von Behörden und Ämtern. Diese verkörperten eine mächtige, dominante Institution, der gegenüber die Bürger und Bürgerinnen als Bittstellende aufzutreten hatten. Kundennähe war ein Fremdwort.
Diese Dominanzkultur hat heute Sprünge bekommen. Unsere Gesellschaft, in der Kunden und Kundinnen immer mehr Wahlfreiheit und Rechte haben, zeigt vermehrt Züge einer partnerschaftlichen Kultur. Das bedeutet, dass sich die Kommunikationspartner auf Augenhöhe begegnen. Unternehmen möchten oder müssen eine Beziehung zu ihren Kundinnen und Kunden aufbauen, deren Bedürfnisse rücken stärker in den Mittelpunkt. Und das zeigt sich auch in der Sprache.

Fragen Sie sich vor ihrer nächsten Mail, ob es ein Schriftwechsel zwischen Gegnern sein soll oder ob Sie der anderen Person auf Augenhöhe schreiben möchten. Ist für den Adressaten eher autoritäre Distanz oder partnerschaftlicher Austausch adäquat?

Wenn die andere Person ein Gegner ist, der per Mail besiegt oder mundtot gemacht werden soll, schreiben Sie wie im Beispiel oben.

Wenn Sie aber eine positive Beziehung aufbauen wollen, wählen Sie keine Wörter, die nie in Gebrauch sind und dadurch Distanz schaffen, sondern solche, die Sie auch beim Sprechen verwenden. Verzichten Sie in Ihrer Kundenkorrespondenz auf nichtssagende Floskeln, hochkomplizierte Satzkonstruktionen und verstaubte Formulierungen. Passen Sie die Sprache an das Ziel Ihres Schreibens und die jeweiligen Empfänger an. Und denken Sie daran: Sie können auch höflich sein, wenn Sie einfach, klar und verständlich schreiben.

Wenn Sie sich beim Verfassen von Mails sicher fühlen möchten, dann besuchen Sie doch unser eintägiges Seminar “Mühelos Mailen”.

Lesen Sie doch noch andere Blogbeiträge zum Thema Mails, zum Beispiel “Ein Mail – zwei Ebenen”, “Kleiner E-Mail-Knigge” oder “Kleiner E-Mail-Knigge II”.

Fünf, äh, Tipps gegen, ähm, Verzögerungslaute

Wenn Laute wie „ahm“, „äh“ oder „hm“ geballt auftreten, werden sie lästig – manchmal für die Sprecher/innen, immer für die Zuhörer/innen. Die gute Nachricht: Man kann etwas dagegen tun.

Die sechste Schulstunde, die Zeiger der Klassenuhr scheinen festzukleben, der Lehrer hält einen Monolog, niemand hört zu – und doch scheinen ein paar Kinder mitzuschreiben. Aber es sieht nur so aus, tatsächlich achten Sie auf die „Ähms“ der Lehrkraft und tragen sie als Stricherl in eine Liste ein. Hatten Sie auch so eine Liste?

Diskurspartikel wie „äh“ oder „ahm“ werden Füll- oder Verzögerungslaute genannt. Wir fügen sie ein, während wir unsere Gedanken ordnen oder das nächste Wort suchen. Sie haben keine lexikalische Bedeutung und in Wahrheit auch gar keine richtige Funktion – für den Zuhörer. Tatsächlich wirkt zum Beispiel eine Vortragende, die zu viele bedeutungslose Silben in ihre Rede oder Präsentation streut, schnell unprofessionell, unkonzentriert und unsicher. Wer will das schon?

Mut zur Pause
Wenn die bedeutungslosen Einsilber keine andere Funktion haben, als Ihnen eine kleine Denkpause zu gönnen, dann lautet die Lösung: Denken Sie ruhig, aber halten Sie den Mund dabei. Die Zuhörer/innen werden es Ihnen danken.

Dazu ist es notwendig, sich der eigenen „Ähs“ zunächst bei einem zwanglosen Gespräch oder einem Routine-Vortrag bewusst zu werden. Wählen Sie dazu aber auf keinen Fall einen bedeutenden Auftritt. Denn nicht selten bündelt die Konzentration auf die „Ähs“ die gesamte Aufmerksamkeit und die fehlt dann für den Inhalt. Sie können natürlich auch jemanden bitten, auf Ihre Verzögerungslaute zu achtet oder, oft grausam, Sie nehmen Ihren Vortrag, z. B. mit dem Handy, auf.

Probieren Sie nun mit diesen fünf Tricks die Laute loszulassen:

  1. Machen Sie immer wieder kurze Pausen und halten Sie diese aus. Atmen Sie tief ein und aus, denken Sie und seien Sie sich bewusst, dass die Pause Ihnen selbst viel länger vorkommt als jenen, die zuhören. Sie kennen die Inhalte, Ihre Zuhörenden nicht, gönnen Sie ihnen doch die Pausen, um das Gehörte zu verdauen.
  2. Reden Sie langsamer. Viele Vortragende sprechen zu schnell, nur wenige zu langsam. Schenken Sie sich mit dem Senken des Sprechtempos Zeit, um nach den nächsten Worten zu suchen.
  3. Senken Sie am Ende jedes Satzes die Stimme. „Ein Satz – eine Aussage“ lautet eine alte Gliederungsregel; wenn Sie mit der Stimme das Ende eines Satzes markieren, helfen Sie sich und dem Publikum sich zu orientieren.
  4. Machen Sie kürzerer Sätze. Wer Satzlabyrinthe aufbaut, braucht natürlich Zeit, um wieder heraus zu finden.
  5. Stressen Sie sich nicht. Jede/r kann die seltsamen Laute aus seiner Präsentation verbannen, aber das funktioniert nicht von heute auf morgen. Und: Ein „äh“ ab und zu zerstört Ihre Präsentation noch lange nicht.

Wenn Sie das mit Profis ausprobieren oder noch viel mehr Tipps zum Thema Präsentation bekommen möchten, besuchen Sie doch eines unserer Seminare zu Moderation und Präsentation.

PowerPoint – weder Power noch am Punkt

Warum Sie nur in Ausnahmefällen zu PowerPoint greifen sollten

Der Referent tastet den Computer hektisch nach einem USB-Eingang ab. „Herzlich willkommen“, murmelt er, „ich muss meine Präsentation nur noch schnell einrichten.“ Er merkt gar nicht, dass er Präsentation als Synonym für Power Point verwendet. So als hätte vor den Jahren 1987 bzw. 1990, als die ersten Versionen für Macintosh und Windows 3.0 auf den Markt kamen, niemand etwas präsentiert. Und es stimmt ja, die praktische Software ist allerorts präsent, ist aus Hörsälen und Meetingräumen kaum mehr wegzudenken.

Doch das ist schade. Denn so praktisch PowerPoint auch sein mag, so viel macht es kaputt. Als Instrument der Visualisierung gedacht, bewirkt es doch oft das Gegenteil: Statt die Aufmerksamkeit zu wecken und zu halten, versetzen uns die Ankündigung, Folien zu zeigen, und das gedämpfte Licht in einen komatösen Zustand. Die referierende Person gibt den Fokus ab, lenkt das Auge von sich zur Wand und verzichtet auf die so wichtigen Kommunikationskanäle Gestik und Mimik.

Natürlich kann man alles richtig machen und mit Maß und Ziel das Gesagte elektronisch unterstreichen – doch wie oft haben wir das Gegenteil erlebt? Wer kennt nicht die Entschuldigungen für die zu kleine Schrift oder die Textmassen an der Wand? Wer ist nicht schon geistig weggedriftet angesichts einer Wort für Wort abgelesenen Präsentation oder einer weit offenen Schwere zwischen dem Gezeigten und dem Gesagten.

PowerPoint als Erinnerungsstütze?

Der Grund, warum so viele Referenten und Referentinnen auf PowerPoint setzen, ist, dass sie selber es als Stütze (miss)brauchen. Sie können sich daran orientieren, es hilft gegen die Angst vor der eigenen Schwäche als Präsentator/in. Aber genau das führt dazu, dass wir uns abhängig machen und nur mehr ablesen, wodurch jede Spannung verloren geht.

Präsentieren heißt, als Person vor Menschen zu stehen oder zu sitzen. Dabei werden wir gesehen und gehört, wir können die Zuhörer und Zuhörerinnen beobachten und mit ihnen interagieren, wir können den Raum nutzen und auf Situationen reagieren. Manchmal passt auch eine PowerPoint-Präsentation dazu. Wenn wir uns aber nur hinter ihr verstecken, dann lassen wir sie besser weg.

  • ZEHN TIPPS für die schlechteste PowerPoint-Präsentation finden Sie hier.
  • Wenn Sie ihr Auftreten und ihre Präsentationstechniken verbessern wollen, sind unsere Angebote zu Moderation und Präsentation etwas für Sie.

Die Qual der Methodenwahl

Wer moderiert, kreative Prozesse steuert oder sonstwie partizipativ mit Gruppen arbeitet, dem stehen unzählige Methoden und Techniken zur Verfügung. Wie findet man die richtige Methode?

Nicht jede Methode passt für jedes Problem!Ein Besuch in der Buchhandlung des Vertrauens, eine kurze Recherche auf Google oder ein Gespräch unter Kolleg_innen beweist es immer wieder aufs Neue: Es existieren viel mehr Methoden, als ein/e einzelne/r kennen, geschweige denn einsetzen kann. Als Antwort auf diesen Berg an Möglichkeiten lockt der einfache Weg, nur auf Altbewährtes zu setzen und die Hände von allem Neuen zu lassen.

Oder aber, wir klären erst genau ab, was wir brauchen und welchen Rahmen wir bespielen, und entscheiden uns dann für die richtige Methode. Hier ein paar Tipps, wie Sie aus dem Dschungel herausfinden. Die erste Frage, die Sie sich stellen sollten ist folgende:

  • Was will ich? Oder: Was soll nach der Veranstaltung anders sein? Sollen alle Teilnehmer/innen zu Wort gekommen sein? Soll eine Entscheidung getroffen worden sein? Oder sollen möglichst viele Ideen am Tisch liegen?

Widmen Sie dieser Frage die nötige Zeit und schummeln Sie sich nicht vorbei. Erst wenn Sie wissen, wohin Sie und die Teilnehmer/innen wollen, können Sie überlegen, welche Methode Sie unterstützt, Ihr Ziel zu erreichen.

Welche Methode für welche Denkrichtung?

Bei kreativen Prozessen hilft zusätzlich die Unterscheidung in zwei Denkrichtungen, in die sich die meisten Techniken einteilen lassen.

Divergierendes Denken: Hier geht es darum, gedanklich aufzumachen, breit oder out oft the box zu denken. Der Klassiker Brainstorming gehört hier hinein, aber auch zum Beispiel die Kopfstandmethode, Imaginäres Brainstorming oder 6-3-5. Das Ziel ist, viele Ideen zu generieren und ungewöhnliche Ansätze zuzulassen. Es gilt in diesem Stadium, mutig zu sein, und Ideen (noch) nicht zu bewerten. Quantität vor Qualität.

Konvergierendes Denken: Hier werden Ideen geclustert, reduziert, bewertet, gegeneinander abgewogen und auf ihre Brauchbarkeit abgeklopft. Am Ende benötigen wir nie 100 Ideen, sondern nur die eine (beste) Lösung. In diese Phase gehören zum Beispiel E. de Bonos PMI-Technik und sämtliche Bewertungsmethoden.

Die Denkrichtung bestimmt die Methode: divergierendes oder konvergierendes Denken?Oft folgen diese beiden Phasen zeitlich aufeinander, aber das muss nicht so sein, wenn zum Beispiel ein Team zusammenkommt, um nur eine oder mehrere Ideen zu bewerten.

Wenn das nächste Mal die Verzweiflung die Begeisterung über die Vielfalt an Methoden ablöst oder wenn Sie sich gezielt auf die Suche nach der richtigen Technik machen wollen, dann klären Sie mit Hilfe der obigen Fragen, wofür sie diese brauchen.

Diese Fragen können Ihnen helfen, den Rahmen für Methoden einzugrenzen:
  • Wie viele Personen nehmen teil? Drei oder vier, sodass man noch leicht um einen Tisch sitzen und ungezwungen plaudern kann? Unter zwölf, so dass die Person am Flipchart noch eine Chance hat, alle Ideen aufzuschreiben? Oder deutlich mehr, sodass sich die Arbeit in Kleingruppen geradezu aufdrängt?
  • Wie stehen die Teilnehmer/innen zueinander? Verhindern Hierarchien oder Grabenkämpfe, dass sich alle trauen, den Mund aufzumachen? Wenn ja, ist vielleicht eine anonyme Technik, etwa eine Form des Brainwritings das Richtige.
  • Wie viel Zeit habe ich? Eine Stunde, drei Stunden oder einen Tag? Versuchen Sie nicht eine komplexe Technik, die aus mehreren Schritten besteht und vielleicht im Vorfeld einiges an Erklärungszeit benötigt, in allzu kurze Zeit durchzupeitschen.
  • Wie viel Platz habe ich? Kann ich überhaupt Kleingruppen bilden, die sich aus dem Weg gehen sollen und ausreichen Rückzugsraum benötigen?

Wenn Sie mehr über die Methoden oder die Arbeit mit Gruppen erfahren möchten, dann nützen Sie doch unsere Angebote rund um Teamwork und Kreativität oder besuchen Sie eines unserer Seminare zu Moderation und Präsentation.

Eine unserer Prämissen bei der Moderation lautet übrigens, dass die Haltung noch wichtiger ist als die einzelne Methode. Wir haben dazu auch einmal einen eigenen Blogbeitrag geschrieben.

Newsletter abonnieren